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20. November 2013, 15:16 Uhr

Dax-Konzerne

Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsrätinnen

Sie sind Deutschlands mächtigste Frauen, aber sie sind noch in der Minderheit - die Aufsichtsrätinnen von der Kapitalseite. Sie heißen Schaeffler, Piëch oder Bagel-Trah. Was auffällt: Viele von ihnen stammen aus Unternehmerdynastien.

Hamburg - Eine haben Deutschlands Dax-30-Unternehmen fast immer auf der Liste, wenn sie sich auf die Suche nach einer weiblichen Aufseherin machen: Renate Köcher. Sie ist mit gleich drei Posten die umtriebigste Kontrolleurin in der Konzernelite des Landes. Köcher, im Hauptberuf Meinungsforscherin, sitzt bei der Allianz, bei BMW und Infineon im Aufsichtsrat. Das macht ihr bislang keine nach.

Demnächst dürfte Köchers Telefon im Institut für Demoskopie Allensbach noch häufiger klingeln. Ab 2016 soll es nach Willen der Union und SPD eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent in den Kontrollgremien der börsennotierten Firmen geben. Das EU-Parlament sprach sich am Mittwoch sogar mit breiter Mehrheit für eine 40-Prozent-Quote aus. Noch sind die meisten großen Unternehmen weit davon entfernt, diese Quoten zu erfüllen. Bisher liegt der Frauenanteil in allen 30 Dax-Aufsichtsräten nach Angaben des Lobbyvereins Fidar bei gerade mal knapp 22 Prozent - wenn man die von der Arbeitnehmerseite entsandten Frauen mitzählt. Bei Fresenius gibt es nicht eine einzige Frau im Aufsichtsrat.

Neben Köcher gilt auch Ann-Kristin Achleitner als heiße Kandidatin für weitere Aufsichtsratsposten. Sie sitzt schon bei Linde und bei Munich Re im Kontrollgremium, hat also reichlich Erfahrung. Wäre der Einzelhandelskonzern Metro nicht aus dem Leitindex geflogen, wäre Achleitner wie Renate Köcher in drei Dax-Konzernen vertreten.

Noch drei weitere Frauen haben bei den bedeutendsten 30 Unternehmen zwei Kontrollposten: Nicola Leibinger-Kammüller (Lufthansa, Siemens), Sari Baldauf (Daimler, Telekom) und Annika Falkengren (Munich Re, Volkswagen).

Nur eine Frau ist Chefin des Aufsichtsrats: Simone Bagel-Trah bei Henkel. Die 44-Jährige ist die Ur-Ur-Enkelin des Konzern-Gründers Fritz Henkel. Im Allgemeinen fällt auf, dass sich Töchter (Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, BMW-Erbin Susanne Klatten) oder Ehefrauen (Ursula Piëch, Maria-Elisabeth Schaeffler) vergleichsweise häufig in den Aufsichtsräten wiederfinden.

Und nicht zuletzt sind es Wissenschaftlerinnen, die schon heute in den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne vertreten sind. Etwa Katja Windt (Jacobs University Bremen) bei der Deutschen Post oder Dina Dublon (Harvard Business School) bei der Deutschen Bank.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich die Konzerne in den nächsten Jahren besonders häufig an den Unis umschauen werden, um die Quote zu erfüllen. Denn Wissenschaftlerinnen wachsen häufiger nach als Unternehmerkinder oder -gattinnen.

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