Gefängnisproduktion Kaufhof schlägt Fonds für DDR-Zwangsarbeiter vor

In die Diskussion um DDR-Zwangsarbeit kommt Bewegung: Galeria Kaufhof hat einen Fonds vorgeschlagen. Er soll Studien zur Produktion in ostdeutschen Gefängnissen finanzieren, von der auch die Warenhauskette profitierte.
Kaufhof-Logo in Köln: Einsatz von Gefängnisinsassen nicht erwähnt?

Kaufhof-Logo in Köln: Einsatz von Gefängnisinsassen nicht erwähnt?

Foto: Oliver Berg/ dpa

Häftlinge in der DDR produzierten Waren für Unternehmen in Westdeutschland: Diese Enthüllung sorgt bereits seit einigen Jahren für Aufsehen. Nun spricht sich erstmals einer der Profiteure für eine Wiedergutmachung aus: Die Warenhauskette Galeria Kaufhof schlägt einen freiwilligen Fonds zur Aufarbeitung der DDR-Zwangsarbeit vor.

Der Fonds solle etwa Studien, Ausstellungen und Dokumentationen zur Zwangsarbeit in der DDR finanzieren, sagte ein Kaufhof-Sprecher. Einzahlen könnten alle deutschen und internationalen Unternehmen, die direkt oder indirekt von Zwangsarbeit insbesondere durch politische Häftlinge profitiert haben.

Die Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, begrüßte die Initiative im Bayerischen Rundfunk, der als erster über den Vorschlag berichtet hatte. Kaufhof erklärte sich zu Gesprächen mit der Union der Opfer Kommunistischer Gewaltherrschaft sowie mit staatlichen Stellen über den freiwilligen Fonds bereit.

Das Unternehmen wusste eigenen Angaben zufolge nach derzeitigem Kenntnisstand nichts davon, dass bei der DDR-Produktion für die Kette auch Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Es habe damals keinen direkten Kontakt zu den Lieferwerken in Ostdeutschland oder gar zu einer Zuchthaus-Produktion gegeben. DDR-Repräsentanten hätten den Einsatz von Gefängnisinsassen nicht erwähnt.

Der Einsatz von Zwangsarbeitern in der DDR-Produktion für den Westen war erst 2012 bekannt geworden. Damals hatte die Möbelkette Ikea eingestanden, dass politische Häftlinge und Strafgefangene Möbel für das Unternehmen herstellen mussten. Weitere Studien zeigten dann, dass auch andere Unternehmen von DDR-Zwangsarbeit profitierten.

dab/AFP
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