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07. Juli 2011, 13:43 Uhr

Deal mit Australiern

Siemens will sich Hightech-Metalle sichern

Der Markt für Seltene Erden befindet sich fest in der Hand Chinas, Hightech-Hersteller klagen über die Abhängigkeit. Siemens versucht nun den Befreiungsschlag: Der Technologie-Konzern will die begehrten Rohstoffe gemeinsam mit einem Partner in Australien selbst fördern.

München - Es ist ein langfristig angelegtes Projekt: Mit einem Joint Venture will sich Siemens den Zugriff auf Seltene Erden sichern, die der Dax-Konzern zur Herstellung von Hochleistungsmagneten benötigt. Mit der australischen Lynas Corporation Limited sei eine Absichtserklärung zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens unterzeichnet worden, teilte Siemens am Donnerstag mit. Lynas soll dabei über langfristige Lieferverträge spezielle Metalle liefern, die zur Herstellung sogenannter Neodym-Dauermagnete für energieeffiziente Antriebe und für Generatoren von Windturbinen gebraucht würden.

Der deutsche Technologie-Konzern wird die Mehrheit an dem Joint Venture halten: Nach eigenen Angaben beteiligt sich Siemens mit 55 Prozent. Die Details würden derzeit erarbeitet. "Das geplante Gemeinschaftsunternehmen ist für uns strategisch von Bedeutung, um eine langfristige und stabile Versorgung mit Hochleistungsmagneten zu sichern", begründete Ralf-Michael Franke, Chef der Siemens-Division Drive Technologies, den Schritt.

Erschließung der Vorkommen dauert ein Jahrzehnt

Hintergrund des Schritts ist das faktische Monopol Chinas bei den wertvollen Seltenen Erden. Die begehrten Rohstoffe werden für viele Hightech-Produkte wie Elektromotoren, Windräder und Smartphones benötigt. Derzeit liefert China mehr als 95 Prozent dieser Mineralien für den Weltmarkt. Die Volksrepublik hatte die Ausfuhr Seltener Erden zuletzt aber eingeschränkt und mehrere Minen unter staatliche Kontrolle gebracht. Die Preise waren deshalb im vergangenen Jahr um 130 Prozent gestiegen.

Allerdings wird das vereinbarte Gemeinschaftsunternehmen erst auf lange Sicht für eine gewisse Unabhängigkeit von China sorgen können: Laut "Wall Street Journal" dauert es etwa ein Jahrzehnt, bis Vorkommen der Mineralien neu erschlossen werden können.

Der weltweite Rohstoffmarkt ist hart umkämpft. Zuletzt sorgte ein Urteil der Welthandelsorganisation zu Exportbeschränkungen Pekings bei Rohstoffen wie Zink, Koks oder Magnesium für Aufregung. China verstößt nach Ansicht der WTO mit den erhobenen Ausfuhrzöllen und Quoten gegen internationale Handelsvereinbarungen. Auch den Export Seltener Erden hat China stark eingeschränkt. Beobachter schließen nicht aus, dass das Urteil hier richtungsweisend sein könnte, auch wenn diese Rohstoffe nicht explizit Gegenstand der WTO-Entscheidung waren.

fdi/dpa-AFX/AFP

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