Bestechungsvorwürfe Ermittler durchsuchen Büros von Debeka-Mitarbeitern

Die Datenaffäre bei der Debeka weitet sich aus: Polizisten haben Büro- und Privatgebäude von Mitarbeitern der Versicherung in mehreren Bundesländern durchsucht. Das Verfahren richtet sich auch gegen Angehörige des öffentlichen Dienstes.

Debeka-Hauptverwaltung in Koblenz: Anfangsverdacht gegen Mitarbeiter
DPA

Debeka-Hauptverwaltung in Koblenz: Anfangsverdacht gegen Mitarbeiter


Hamburg/Koblenz - An der Razzia waren 116 Beamte beteiligt, sie durchsuchten 24 Büro- und Privatgebäude in Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland: Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt nach eigenen Angaben gegen insgesamt neun Beschäftigte der Versicherungsgruppe Debeka und fünf Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Am Hauptsitz der Debeka in Koblenz gebe es aber keine Durchsuchungen.

Die Debeka-Mitarbeiter und auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes werden verdächtigt, sich der Bestechung, der Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses und Verstößen gegen den Datenschutz schuldig gemacht zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Koblenz mit.

"Die Debeka hat gleich von Anfang an mit der Staatsanwaltschaft eng kooperiert", sagte ein Sprecher der Versicherungsgruppe SPIEGEL ONLINE. Bei den Ermittlungen gehe es um einen Anfangsverdacht gegen einzelne Personen, nicht gegen das Unternehmen, betonte er. Das Verfahren dazu laufe bereits seit November.

Im vergangenen Herbst war ans Licht gekommen, dass Vertriebsmitarbeiter des Versicherers Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes als Tippgeber zur Kundenwerbung nutzten. Die Vertriebler sollen die Staatsbeschäftigten dazu veranlasst haben, ihnen gegen Barzahlung Kontaktdaten von Kollegen zu liefern. Das hatte neben der Staatsanwaltschaft auch schon die Finanzaufsicht BaFin und den rheinland-pfälzischen Datenschutzbeauftragten auf den Plan gerufen.

Der Versicherung zufolge hat die BaFin die entscheidende Phase ihrer aufsichtsrechtlichen Prüfung zur Debeka nun abgeschlossen. Die Behörde sehe organisatorische Mängel im Umgang mit personenbezogenen Daten potenzieller Neukunden und habe die Debeka aufgefordert, die Mängel zu beseitigen. Das Unternehmen habe bereits vor Monaten erste Schritte eingeleitet und werde die erforderlichen Verbesserungen bald umsetzen, teilte die Debeka mit.

Die Debeka hatte im November bestätigt, Beamte nebenberuflich für sich als sogenannte Tippgeber arbeiten zu lassen, um neue Versicherungskunden zu werben. Die Beamten nennen demnach der Versicherung die Namen potenzieller Kunden und erhalten im Fall eines Versicherungsabschlusses eine Prämie. Die Versicherung betonte, diese Tätigkeit sei nach dem Bundesbeamtengesetz zulässig und vergleichbar etwa mit der Abonnentenwerbung bei Zeitungsabos.

bos/AFP/dpa

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meier12 16.07.2014
1. Nein, das ist nicht in Ordnung.
Daten von Dritten zu verkaufen, die glaubten, sich auf den Datenschutz des öffD verlassen zu können, ist nicht in Ordnung. Von mir wurden in den 90ern alle Daten inklusive Anschrift, Geburtsdatum, Telefonnummer (die ebensowenig wie die Anschrift im Telefonbuch stand) etc. an die örtliche Debeka-Filiale weitergegeben, nur weil ich es gewagt hatte, bei einem Gericht in den Referendardienst zu treten. Von der Debeka-Zweigstellenleiterin, die noch heute tätig ist, wurde ich knallhart wochenlang bearbeitet, gefälligst endlich eine private Krankenversicherung abzuschließen. Nein, dieser Datenverrat ist nicht in Ordnung. Hier wirbt nicht der Mitarbeiter des öffD, hier werden Daten, die unter Mißachtung des Datenschutzes ausgelesen werden, verkauft. Das ist etwas ganz anderes. Das ist eine Sauerei. Den Skandal hat sich die Debeka verdient.
Frittenbude 16.07.2014
2.
Zitat von meier12Daten von Dritten zu verkaufen, die glaubten, sich auf den Datenschutz des öffD verlassen zu können, ist nicht in Ordnung. Von mir wurden in den 90ern alle Daten inklusive Anschrift, Geburtsdatum, Telefonnummer (die ebensowenig wie die Anschrift im Telefonbuch stand) etc. an die örtliche Debeka-Filiale weitergegeben, nur weil ich es gewagt hatte, bei einem Gericht in den Referendardienst zu treten. Von der Debeka-Zweigstellenleiterin, die noch heute tätig ist, wurde ich knallhart wochenlang bearbeitet, gefälligst endlich eine private Krankenversicherung abzuschließen. Nein, dieser Datenverrat ist nicht in Ordnung. Hier wirbt nicht der Mitarbeiter des öffD, hier werden Daten, die unter Mißachtung des Datenschutzes ausgelesen werden, verkauft. Das ist etwas ganz anderes. Das ist eine Sauerei. Den Skandal hat sich die Debeka verdient.
Richtig, es ist ein Skandal. Noch skandalöser als das Vorgehen der Debeka ist in meinen Augen allerdings der Datenverkauf durch Beamte/Mitarbeiter des öffentlichen Diensts. Ich hoffe sehr, dass deren Rolle juristisch aufgeklärt wird, und zwar schonungslos und ohne beide Augen zuzudrücken.
Angelheart 16.07.2014
3. @Frittenbude
Welch ein Glück: da wird der öffentliche Dienst erwähnt und reflexartig werden die Klischees aus der ständig offen stehenden Schublade gezerrt und aufgetischt! Das primitiv zu nennen, wäre glatt untertrieben!
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