"Deepwater Horizon"-Katastrophe US-Justiz macht Druck auf BP

BP drohen wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko viermal so hohe Schadensersatzzahlungen wie bisher vermutet. Kurz vor dem Prozess hat das US-Justizministerium dem Konzern "grobe Fahrlässigkeit" und "mutwilliges Fehlverhalten" vorgeworfen. Die BP-Aktie sackt ab.

BP-Logo in London: US-Prozess könnte für den Ölkonzern teuer werden
REUTERS

BP-Logo in London: US-Prozess könnte für den Ölkonzern teuer werden


Washington - Der Ton im Vorfeld des großen Prozesses gegen den Ölkonzern BP wird schärfer. Das US-Justizministerium sammelt offenbar Munition für das Verfahren. Gerichtsunterlagen zufolge wirft das Ministerium dem britischen Konzern grobe Fahrlässigkeit und mutwilliges Fehlverhalten vor - für BP könnte das gefährlich werden.

Sollte das Gericht bei dem für Januar geplanten Prozess ebenfalls grobe Fahrlässigkeit feststellen, droht BP eine Vervierfachung der Schadensersatzzahlung auf bis zu 21 Milliarden Dollar. Begleitet werden die Vorwürfe von besonders scharfer Rhetorik, die auf eine wachsende Entschlossenheit der Regierung schließen lassen.

Juristen sehen in den Äußerungen des Justizministeriums den Beleg, dass die Behörde die Geduld mit dem Ölkonzern verliert. "Die Einstellung, die Äußerungen und das Verhalten der BP-Manager würden nicht einmal in einem mittelgroßen Unternehmen toleriert, das völlig ungefährliche Produkte für den Verkauf in einem Vorstadt-Einkaufszentrum herstellt", wettert das Ministerium in den in der vergangenen Woche eingereichten Unterlagen.

Die Börsen reagierten umgehend: Der Aktienkurs von BP fiel am Morgen um mehr als drei Prozent. Im April 2010 war die BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodiert und hatte die schwerste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst.

Die US-Regierung und BP verhandeln schon lange über einen Vergleich, äußern sich aber nicht über den Stand der Gespräche. BP wies den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit zurück. Im vergangenen Monat aber hatte BP das Gericht darum gebeten, ihren Vergleich mit den Fischern am Golf von Mexico und anderen Opfern anzuerkennen, für den das Unternehmen rund acht Milliarden Dollar gezahlt hat. Die US-Regierung will diese Einigung zwar nicht blockieren, machte aber klar, dass die Zahlung nicht in die Bewertung für weitere Schadensersatzzahlungen einfließen dürfe.

nck/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mischpot 05.09.2012
1. Die Langzeitschäden für die Natur
und Ihren Auswirkungen auf den Menschen sind nicht wieder gut zu machen. Öl gehört in die Hand der Allgemeinheit. Schließlich kommt es aus dem Boden auf den jeder Erdenbürger einen Anspruch hat.
derknecht 05.09.2012
2. optional
Vielleicht sollte man mal über die Verbindungen von BP nachdenken. Denn dann sollte das bisherige Verhalten der Regierung nicht überraschen. Die wichtigsten Personen von BP werden sich bereits abgesichert haben. Hatten ja genug Zeit. Es gibt nur eine faire Lösung. Den Schaden bezahlt BP komplett(soweit man von bezahlbar sprechen kann) und keine Vergleiche. Denn nur mit den Folgen können solche Unternehmen von derartigen Abenteuer abgehalten werden(hoffe ich)
nablus 05.09.2012
3. lange nicht mehr so gelacht
Zitat von sysopREUTERSBP drohen wegen der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko vier Mal so hohe Schadensersatzzahlungen wie bisher vermutet. Kurz vor dem Prozess gegen hat die US-Justizministerium dem Konzern "grobe Fahrlässigkeit" und "mutwilliges Fehlverhalten" vorgeworfen. Die BP-Aktie sackt ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853997,00.html
"..Macht Druck....." lange nicht mehr so gelacht, ein paar Anrufe in Washington u Houston u die Sache ist gegessen.
keinschwabe 05.09.2012
4. 21 milliarden
Sie haben ja Recht, aber die Summe ist etwas höher. Und ich möchte noch anmerken das BP wahrscheinlich eine etwas zu kleine Portokasse hat um diese Summe zu begleichen. Wenn es nicht reicht, werden die Benzinpreise sowieso solidarisch erhöht.
smelmoth 05.09.2012
5.
Zitat von mischpotund Ihren Auswirkungen auf den Menschen sind nicht wieder gut zu machen. Öl gehört in die Hand der Allgemeinheit. Schließlich kommt es aus dem Boden auf den jeder Erdenbürger einen Anspruch hat.
Und wie bekommt es "die Allgemeinheit" aus dem Boden? Vielleicht, indem sie dafür sorgt, dass sich darauf spezialisierte Leute dafür zusammenfinden? Wie kann "die Allgemeinheit" diese Leute dann dazu motivieren? Vielleicht, indem sie diese dafür bezahlt? Welche Struktur würde "die Allgemeinheit" diesem "Zusammenschluss" wohl geben wollen? Vielleicht den einer juristischen Person, die das Potential hat, ihre innere Organisation den Anforderungen entsprechend zu regeln? Usw... usw... Kurz: Irgendwie muss das Zeug aus dem Boden. Wenn das nicht BP macht und an uns verkauft, dann macht es halt "der Staat" (welcher eigentlich?^^) und verkauft es an uns. Im Zweifel macht der es kein Stück besser/sicherer, sondern nur teurer... LG
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.