Deflationsgefahr Wirtschaftsforscher drängt EZB zu neuem Milliardenprogramm

Die Europäische Zentralbank soll erneut Milliarden in die Märkte pumpen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fordert die Notenbank auf, staatliche und private Anleihen der Euro-Länder aufzukaufen. Das Ziel: eine drohende Deflation verhindern.
EZB-Chef Draghi: Milliardenschweres Anleihekaufprogramm gefordert

EZB-Chef Draghi: Milliardenschweres Anleihekaufprogramm gefordert

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Berlin - Die Europäische Zentralbank (EZB) verhält sich derzeit passiv und ruhig - viel zu ruhig für den Geschmack des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): Institutschef Marcel Fratzscher fordert von der Notenbank ein milliardenschweres Anleihe-Aufkaufprogramm. Das Programm könne den Ankauf von Staatsanleihen und privaten Anleihen aller Länder der Euro-Zone beinhalten, sagte Fratzscher der Zeitung "Die Welt". Denkbar wäre ein Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro.

Ein solches Programm könne einen entscheidenden geldpolitischen Impuls geben, die Kreditvergabe in den Krisenländern erhöhen, damit das Wirtschaftswachstum fördern und das Risiko einer Deflation verringern. Fratzscher sagte, das Deflationsrisiko werde zu einem immer ernsteren Problem für die Euro-Zone. Die EZB sei durch einen für die Wirtschaft in Europa ungünstigen Mix an Ereignissen zum Handeln gezwungen.

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So liege die Wirtschaftsleistung in Ländern wie Spanien oder Italien derzeit um acht Prozent unter der von 2008. Zudem müssten die Kosten und Löhne in den Euro-Krisenländern sinken, wodurch das Deflationsrisiko in Europa steige. Auch habe die EZB mit ihren derzeitigen Instrumenten nur sehr eingeschränkte Fähigkeiten zur Verbesserung der Finanzierungsbedingungen in den Krisenländern. Und letztlich dürften zugleich die langfristigen Zinsen steigen.

Die US-Notenbank kauft bereits seit Jahren Monat für Monat Anleihen auf, um die Konjunktur zu stützen. Lange Zeit hatte das Programm ein Volumen von 85 Milliarden Dollar im Monat, derzeit sind es noch 65 Milliarden. Die Fed will die Aufkäufe allerdings in absehbarer Zeit beenden.

nck/Reuters