Teures Kerosin Delta Airlines kauft sich eine eigene Raffinerie

Der stark schwankende Kerosinpreis ist für Fluggesellschaften der größte Kostenblock. Normalerweise versuchen sie das Problem mit Aufschlägen auf den Ticketpreis zu bekämpfen - die US-Airline Delta geht einen anderen Weg: Sie kauft eine eigene Raffinerie.
Zukünftige Delta-Raffinerie nahe Philadelphia: Sicherung gegen hohe Treibstoffpreise

Zukünftige Delta-Raffinerie nahe Philadelphia: Sicherung gegen hohe Treibstoffpreise

Foto: Alex Brandon/ AP

Atlanta - Fast fünfzehn Milliarden Liter Kerosin haben die Flugzeuge von Delta Airlines im vergangenen Jahr verbraucht - mehr als ein Drittel der Ausgaben gingen für Treibstoff drauf. Wenn die Preise auch nur ein wenig steigen, bringt das die Fluggesellschaften schnell in Bedrängnis - sie erheben dann Ticketzuschläge und bestellen verbrauchsärmere Maschinen. Die US-Fluggesellschaft geht jetzt einen Schritt weiter: Sie kauft eine ganze Raffinerie.

Der Kauf sei ein "innovativer Ansatz" zur Kontrolle des größten Ausgabepostens, sagte Delta-Chef Richard Anderson. Mit dem Kauf der Raffinerie nahe Philadelphia für 150 Millionen Dollar will die Fluggesellschaft jährlich 300 Millionen Dollar an Treibstoffkosten sparen. Der Betreiber der Raffinerie Phillips 66 hatte geplant, den Standort zu schließen, sollte er keinen Käufer finden.

Es ist der Versuch, den größten Kostenblock der Fluggesellschaft schnell in den Griff zu bekommen. Die Modernisierung der Flugzeugflotte mit neuen spritsparenden Modellen von Airbus und Boeing dauert Jahre und eventuell günstigere Bio-Treibstoffe sind noch nicht marktreif. Flugbenzin habe die größte Gewinnspanne aller Raffinerieprodukte, sagt Delta-Chef Anderson. "Und sie nehmen es von den Fluggesellschaften". Den Kauf der Raffinerie nannte er eine "bescheidene Investition", die vergleichbar sei mit der Anschaffung eines neuen Flugzeugs.

Unklar ist, ob sich die Investition lohnen wird. Das Raffineriegeschäft ist risikoreich und zyklisch: In Zeiten wachsender Wirtschaft lassen sich Benzin, Diesel und Kerosin gut verkaufen - wenn aber der Ölpreis hoch ist und die Nachfrage nachlässt, wie derzeit in den USA, dann machen die Raffinerien Verluste. Die großen Ölkonzerne haben sich deshalb weitestgehend von ihrem Raffineriegeschäft getrennt.

Branchenexperten halten den Schritt von Delta für vielversprechend, aber auch riskant. Wenn das Geschäft funktioniert, so die Meinung, könnte die US-Fluggesellschaft ein Trendsetter für andere sein.

Delta Airlines   will zusätzlich zum Kaufpreis weitere 100 Millionen Dollar investieren, um die Produktion von Kerosin in der Raffinerie auf mehr als 50.000 Barrel (Ein Barrel entspricht 159 Litern) täglich zu erhöhen - rund 80 Prozent des Delta-Bedarfs für den Flugbetrieb in den USA. Im Kaufpreis enthalten sind Delta zufolge auch Pipelines, durch die der Treibstoff direkt zu den New Yorker Flughäfen La Guardia und JFK transportiert werden kann.

Weil mit dem Verkauf der Raffinerie mehr als 5000 Arbeitsplätze wenigstens vorerst erhalten bleiben, bekommt Delta Airlines 30 Millionen Dollar Zuschuss von der öffentlichen Hand.

nck/dapd/Reuters
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