Der Deutsche bei Facebook Thiel gegen den Tod

Vor Jahren investierte Peter Thiel in ein obskures Start-up namens PayPal, dann in Facebook. Mittlerweile ist der deutschstämmige Amerikaner Milliardär. Bodenständigkeit ist ihm fremd, der 44-Jährige träumt von Unsterblichkeit.
Investor Peter Thiel: Faible für Raketen und unendliches Leben

Investor Peter Thiel: Faible für Raketen und unendliches Leben

Foto: YURI GRIPAS/ REUTERS

Hamburg - Angst vor Verlusten? Da gibt sich Peter Thiel ganz entspannt. "Es gibt nun mal keine Rendite ohne Risiko." Darum jongliert der Investor mit Milliarden - und setzt auf Ideen, die andere für tollkühn halten. Zum Beispiel die Erforschung der Unsterblichkeit. Denn Tod und Krankheit - davor fürchtet sich Peter Thiel.

Sonst scheint es nicht viel zu geben, was den 44-Jährigen aufhalten könnte. Thiel gehört zu jener Kaste von Silicon-Valley-Größen, die mit provozierender Lässigkeit Milliarden scheffeln und dabei zwischen Genie und Wahnsinn oszillieren. Irgendwo zwischen diesen beiden Polen entstand auch die Idee für Facebook. Mark Zuckerberg träumte davon, die Menschen in aller Welt zu vernetzen. Thiel steckte 2004 als einer der ersten Investoren 500.000 Dollar in das Online-Netzwerk, später wandelte er das Darlehen in eine Beteiligung um.

Das Risiko hat sich gelohnt. Heute hält er noch 2,5 Prozent an Facebook, das entspricht einem Wert von rund zwei Milliarden Dollar. Thiel sitzt im Facebook-Verwaltungsrat. Bereits im vergangenen Jahr schaffte er es mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar in das Milliardärs-Ranking des US-Magazins "Forbes".

Doch es gehe ihm nicht nur um Geld, betont Thiel. Er will die Zukunft mitentwickeln. "Wer nur sichere Ideen hat, hat keine spannenden Ideen", sagte er der "Zeit". Das klingt sehr nach US-amerikanischer Goldgräbermentalität. Aber seine Wurzeln hat Thiel in Deutschland. Er wurde 1967 in Hessen geboren. Die Familie wanderte aus, als er noch ein Baby war. Sein Vater arbeitete als Chemieingenieur. Nach Stationen in Südafrika und Namibia ließ sich die Familie in Kalifornien nieder.

Eine Begegnung an der Uni veränderte sein Leben

Durch die vielen Umzüge wechselte er als Kind mehrmals die Schule, war trotzdem Klassenbester. Das unstete Leben sieht er eher als Vorteil. Die vielen Eindrücke hätten seine Neugier gefördert, sagt er. Zum Image des Wunderkinds passen seine Vorlieben: Schach spielen und Mathematik.

Die Lust auf Veränderung zieht sich durch Thiels Leben. Nach der Schule studierte er Philosophie und Jura an der Elite-Uni Stanford. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Anwalt in einer renommierten Kanzlei, doch schon nach sieben Monaten zog es ihn weiter. Bei der Investmentbank Credit Suisse wird er Derivatehändler. 1998 geht er nach Kalifornien und startet seine Karriere als Investor - mit eigenem Hedgefonds versteht sich.

Damals begründete Thiel seinen Ruf als Geschäftsmann mit untrüglichem Gespür für zukunftsträchtige Ideen: Im August 1998 trifft er nach einem Vortrag an der Stanford-Universität den Informatikstudenten Max Levchin. Der berichtet Thiel von seiner Geschäftsidee, er will ein Internetunternehmen gründen. Thiel investiert gut eine viertel Million Dollar in das kleine Start-up. Die Gründer nennen es PayPal. Thiel wird Chef und lotst die Firma durch die Zeit der Internetblase. 2002 bringt er den Online-Bezahldienst an die Börse. Noch im gleichen Jahr kauft Ebay   das Unternehmen für 1,5 Milliarden Dollar. Thiel geht mit geschätzt 60 Millionen Dollar Gewinn aus dem Geschäft.

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Facebook-IPO: Die Profiteure des Börsengangs

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Doch er setzt sich nicht zur Ruhe, sondern gründet mit Clarium Capital Management wieder einen Hedgefonds. Thiel investiert in Rohstoffe, wagt Euro-Dollar-Wetten. Weil anfangs die Renditen hoch sind, wird der Finanzmanager bereits als würdiger Nachfolger des legendären Investors George Soros gefeiert. Doch zumindest dieser Ruf hat inzwischen gelitten. Seit 2008 macht Clarium Capital mehr oder weniger kontinuierlich Verluste, 2010 lag der Hedgefonds mit 23 Prozent im Minus. Thiel hatte sich mit einer Wette auf Öl verzockt. Seit 2008 ist das Anlagevermögen des Fonds um 90 Prozent gesunken.

Thiel will junge Menschen vom Studieren abhalten

Im Silicon Valley aber gilt Thiel als Investor mit Visionen. Er hält vor vermögenden Menschen Reden mit Sätzen wie diesem: "Die Zukunft ist nichts Abstraktes. Wir alle haben Teil daran und sind aufgerufen, sie zu entwerfen, sie zu formen und zu gestalten." Wer in den USA neben solchen Worten auch Milliarden vorweisen kann, gilt als Visionär.

Thiel gefällt sich als Vertreter provokativer Ideen. Der Milliardär finanziert jährlich 20 hochbegabte Studenten unter 20 Jahren mit jeweils 100.000 Dollar. Bedingung für das Geld: Sie müssen ihr Studium abbrechen und stattdessen an einer eigenen Geschäftsidee arbeiten.

"Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung ist Bildung zu einem Hemmschuh für Innovation und Fortschritt geworden", hält Thiel Kritikern entgegen. Durch Studiengebühren würden sich Absolventen verschulden und dann blindlings den ersten Job nehmen. "Die Leute können nichts mehr machen, was unternehmerisch, innovativ oder auch nur unkommerziell ist", sagt Thiel.

Dazu passt, dass er in "Seasteading" investiert. Diese Initiative will neue Staaten auf schwimmenden, künstlichen Plattformen im offenen Meer begründen. Mit deregulierter Wirtschaft und effizienter Verwaltung sollen diese Seestaaten bestehende Nationen unter liberalen Reformdruck setzen.

Thiel gilt als Libertärer, der sich dafür einsetzt, dass der Staat möglichst wenig in Wirtschaft und Gesellschaft hineinregiert. Politiker hätten gar nicht das Wissen, um zu erkennen, welche Probleme die dringendsten seien, sagt er. Als Student gründete Thiel eine konservative Studentenzeitung, die gegen Feminismus und Multikulti an der Uni wetterte. Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 unterstützte er den Republikaner John McCain, auch Kandidaten der ultrakonservativen Tea Party bekamen Geld von ihm. Auch an eine Anti-Einwanderer-Organisation soll Thiel Geld gespendet haben.

Doch im Bild des strammen Republikaners gibt es Brüche: Thiel unterstützte auch schon eine Pro-Marihuana-Kampagne.

Er will Krankheit und Tod überwinden

Von den Möglichkeiten durch Facebook ist der Unternehmer begeistert, doch über sein Privatleben gibt er kaum etwas preis. Als eine Web-Seite 2007 schrieb, dass er in San Francisco im Four Seasons wohnt und einen McLaren-Sportwagen fährt, war Thiel sauer. Als eine andere Web-Seite dann auch noch seine Homosexualität öffentlich machte, beschimpfte Thiel die Reporter als Terroristen.

Das Internet sieht er inzwischen gar nicht mehr als größte Investitionschance. Die besten Aussichten für technologische Durchbrüche gebe es in der Biotechnologie, Nanotechnologie, Robotik oder im Bereich der künstlichen Intelligenz, sagte Thiel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Wen wundert es da, dass Thiel auch am kühnsten aller Projekte beteiligt ist: Krankheit, Alter und Tod überwinden. Dazu steckt er Geld in die Biotech-Firma Halcyon. Dem Chef des Unternehmens soll er auf einer Party lächelnd gesagt haben: "Sie müssen das schaffen, sonst müssen wir alle sterben."