Christlicher Verlag Weltbild-Gruppe soll die Pleite drohen

Einem der größten Buchhändler Deutschlands droht angeblich das Aus. Die Weltbild-Verlagsgruppe hat einem Bericht der "FAZ" zufolge Probleme mit ihren Geschäftsbanken. Hintergrund sollen die jahrelangen Streitigkeiten der kirchlichen Eigentümer sein.

Weltbild-Filiale in Dortmund: Fast 7000 Mitarbeiter
DPA

Weltbild-Filiale in Dortmund: Fast 7000 Mitarbeiter


Frankfurt - "Christliche Weltanschauung mit den Erfordernissen des Marktes überzeugend in Einklang zu bringen" - so beschreibt die Verlagsgruppe Weltbild ihre Mission. Doch laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") könnte Weltbild nun selbst an den Erfordernissen des Marktes scheitern.

Der Fortbestand des Unternehmens sei "akut bedroht", heißt es in einer Vorabmeldung der "FAZ". Die Geschäftsbanken von Weltbild, einschließlich der kirchlichen Banken Liga und Pax, verhielten sich so, dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens nicht ausgeschlossen sei. Weltbild mache seit längerem Verluste, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Branchenkenner. Ein Verkauf ohne frisches Eigenkapital erscheine vor diesem Hintergrund schwierig.

Grund für das Verhalten der Banken ist dem Bericht zufolge der seit Jahren schwelende Streit zwischen den Gesellschaftern von Weltbild, zu denen zwölf Diözesen, die Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) gehören. Wegen des Vertriebs von erotischer und esoterischer Literatur hatten sie zeitweise einen Verkauf von Weltbild angestrebt, vier Gesellschafter unter Führung des Erzbistums Köln streben diesen der "FAZ" zufolge bis heute an. Ein Beschluss, vom November 2011, die Anteile der Gesellschafter in eine Stiftung zu überführen, sei bis heute nicht verwirklicht wurden.

Die Verlagsgruppe teilte mit, aus Sicht ihrer Geschäftsführung sei "der Fortbestand des Unternehmens in keiner Weise gefährdet". Die von "FAZ" angesprochenen Fragestellungen beträfen im Wesentlichen die Gesellschafter. "Wir bitten um Verständnis, dass das Unternehmen dazu nicht Stellung nehmen kann."

Zu geschäftlichen Situation hieß es weiter, Weltbild werde derzeit zu einem Online- und Digitalgeschäft umgebaut. "Dieser Umbau des Unternehmens führt zu einer vorübergehenden Verlustsituation." Altgeschäfte würden gezielt reduziert, zugleich stecke das Unternehmen hohe Summen in das Digitalgeschäft. "Die Parallelität von Rückbau einerseits und Neuaufbau andererseits stellt in seiner Dimension eine enorme Herausforderung und Anstrengung dar."

Der Weltbild-Verlag zählt zu den größten Buchhändlern in Deutschland, ist zur Hälfte an der Hugendubel-Kette beteiligt und unter anderem Mitbetreiber des Internetportal buecher.de. Zudem verlegt Weltbild selbst Bücher. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben 6800 Mitarbeiter, davon etwa 3500 am Stammsitz Augsburg. Der Umsatz belief sich nach den letzten veröffentlichten Zahlen auf annähernd 1,6 Milliarden Euro.

dab



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.