Desaströses Ergebnis Milliardenverlust lässt Daimler-Aktien einbrechen

Das Minus hat die Analysten-Erwartungen weit übertroffen: Mehr als 2,6 Milliarden Euro Verlust musste Daimler im vergangenen Jahr hinnehmen. Konzernchef Zetsche will den Aktionären nun die Dividende streichen - und verspricht für 2010 wieder satte Gewinne. Die Aktie bricht dennoch ein.

Daimler-Chef Zetsche: Hoffnung auf 2010
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Daimler-Chef Zetsche: Hoffnung auf 2010


Stuttgart - Es ist ein schwieriger Tag für Dieter Zetsche. Am Mittwoch erst hatte der Aufsichtsrat seinen Chef-Vertrag um drei Jahre verlängert. Jetzt muss sich der Vorstandsvorsitzende vor die Presse stellen und ein Rekord-Minus verteidigen. Unterm Strich hat der Konzern im vergangenen Jahr gut 2,64 Milliarden Euro Verlust gemacht. Im Jahr zuvor hatte der Premiumhersteller noch 1,4 Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Der Umsatz brach von 95,9 Milliarden auf 78,9 Milliarden Euro ein.

Das Ergebnis schockiert die Analysten. Sie hatten unterm Strich mit einem Verlust von 1,84 Milliarden Euro und einem Umsatzrückgang von gut 17 Prozent auf 79,5 Milliarden Euro gerechnet. Entsprechend sauste die Aktie des Konzerns in den Keller. Daimler-Papiere verloren in der Spitze mehr als acht Prozent an Wert.

Ein Börsenhändler kommentierte Daimlers Ergebnis mit einem einzigen Wort: "Autsch". Ein zweiter sagte, es gebe "aber auch gar keinen positiven Aspekt" an den Zahlen. Erschüttert hat die Börsianer nicht nur das schlechte Ergebnis, sondern auch die Tatsache, dass der Konzern seinen Aktionären die Dividende für das vergangene Jahr streicht. Für 2008 hatte Daimler die Dividende bereits auf 60 Cent je Aktie von zuvor zwei Euro gekürzt.

Daimler erklärte, die Verluste spiegelten "ausschließlich den Geschäftsverlauf des Jahres 2009 wieder", vor allem das drastische Absatzminus in der ersten Jahreshälfte. Allein in der Personenwagensparte gingen die Verkäufe der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach im vergangenen Jahr um gut zehn Prozent auf rund 1,129 Millionen Wagen zurück.

Milliardengewinn in 2010 angepeilt

Das traf den Konzern schwer und zwang das Management zu drastischen Gegenmaßnahmen. Neben Kurzarbeit in der Produktion wird auch in der Verwaltung weniger gearbeitet, insgesamt hat sich der Konzern 2009 Einsparungen von deutlich mehr als vier Milliarden Euro vorgenommen.

In der zweiten Jahreshälfte 2009 hatte der Konzern bereits wieder bessere Zahlen vorgelegt. In Deutschland verhalf dem Unternehmen vor allem die staatlich gestützte Abwrackprämie zu einem satten Absatzplus. In den vergangenen Monaten verkaufte der Konzern deutlich mehr Autos. Besonders die neue E-Klasse, die seit Ende März 2009 als Limousine und ab November auch als Kombi angeboten wird, erwies sich als Zugpferd. Von der neuen Generation, die Ende März 2010 durch ein Cabrio ergänzt wird, erhoffen sich die Stuttgarter weitere Impulse.

Entsprechend optimistisch blickt der Konzern in die Zukunft: Für das Jahr 2010 rechnet Daimler mit einem operativen Gewinn (Ebit) von mehr als 2,3 Milliarden Euro aus dem laufenden Geschäft. Auch der Umsatz soll im laufenden Jahr wieder zulegen. Trotz der erwarteten Belebung werden die Erlöse 2010 aber nicht das Niveau von 2008 erreichen, hieß es.

Hoffnung auf Amerika

Bei den Personenwagen sieht der Konzern eine weltweite Steigerung von drei bis vier Prozent, wie aus der Mitteilung des Unternehmens vom Donnerstag hervorgeht. Bei den Nutzfahrzeugen wird in Nordamerika ein Anstieg der Nachfrage von 10 bis 15 Prozent erwartet. In Europa sieht der Konzern hingegen nur bei den Transportern eine Belebung. Der Hersteller von Personenwagen, Lastwagen, Transportern und Bussen will seine Verkäufe im laufenden Jahr in allen Bereichen steigern.

In dem nach wie vor schwierigen Umfeld vertraut der Konzern auf seine altgediente Führungsmannschaft. Neben Zetsches Vertrag war am Tag vor der Bilanzpressekonferenz auch der von Vorstandsmitglied Thomas Weber, der für Konzernforschung und Entwicklung bei Mercedes-Benz zuständig ist.

Der Zetsche-Vertraute Wolfgang Bernhard rückte wie bereits angekündigt in das Entscheidungsgremium des Premiumherstellers. Der Vertrag des Chefs der verlustreichen Nutzfahrzeugsparte, Andreas Renschler, war schon Mitte Dezember um drei Jahre verlängert worden.

ssu/apn/dpa/Reuters



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KeyWest, 18.02.2010
1. Mutti wird's schon richten!
Alles halb so schlimm, Mutti hat bestimmt noch ein paar Milliönchen für den Dieter im Sparstrumpf. So hat sie wenigstens noch ein "Argument" für die nicht stattfindende Tariferhöhung im öD.
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