Neuer BER-Chef Bitte Platz nehmen auf dem Schleudersitz

Karsten Mühlenfeld soll im März seinen neuen Posten als Chef des Berliner Pannen-Flughafens antreten. Doch bereits vor Amtsantritt spricht ihm ein Gesellschafter das Misstrauen aus. Warum eigentlich?
Neuer Tower des Hauptstadtflughafens BER: Wie die rasant ansteigenden Passagierzahlen bewältigen?

Neuer Tower des Hauptstadtflughafens BER: Wie die rasant ansteigenden Passagierzahlen bewältigen?

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Berlin - Chaotische Baustelle, unsichere Finanzen, zerstrittene Gesellschafter: Dass der Chefposten am Hauptstadtflughafen hoch kompliziert ist, muss Karsten Mühlenfeld vorher klar gewesen sein. Wohl kaum ein Unternehmen trägt seine Kabale mit derartiger Wonne auf offener Bühne aus. Am Freitag bekam der einstige Manager des Triebwerksbauers Rolls-Royce eine erste Kostprobe davon, was auf ihn zukommt: Die Länder Brandenburg und Berlin hatten als Hauptgesellschafter die Abstimmung über Mühlenfelds Bestallung quasi mit der Brechstange durchgesetzt. Gegen den Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt - der seinen Protest gegen das Verfahren anschließend mit einer Nein-Stimme für Mühlenfeld öffentlich zu Protokoll gab.

Nach Aussage eines Mitarbeiters aus dem Verkehrsministerium hatte Dobrindt seine Zweifel an der Qualifikation Mühlenfelds früh angemeldet. Der habe schlicht zu wenig Erfahrung im Flughafengeschäft. Man habe auch Alternativvorschläge gemacht, deren Namen jedoch schnell an die Öffentlichkeit gelangt und damit "verbrannt" worden seien. "Dass der Minister nach diesem Verhalten gegen Mühlenfeld votiert, kann ich gut verstehen", erklärt der Mitarbeiter.

Doch nicht nur Dobrindt schoss quer. Auch der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) mochte Mühlenfeld keine Rückendeckung geben. Völlig überraschend für seinen Aufsichtsratskollegen, den Regierenden Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD), enthielt er sich der Stimme. Entsprechend genervt reagierten die Berliner Sozialdemokraten anschließend. In Besprechungen habe Henkel zuvor seine Zustimmung signalisiert, hieß es. Die Solidarität mit den Unions-Parteifreunden im Verkehrsministerium sei am Ende wohl schwerer ins Gewicht gefallen als die Berliner Koalitionsräson.

Neuer BER-Chef-Karsten Mühlenfeld: Ein Gesellschafter schießt quer

Neuer BER-Chef-Karsten Mühlenfeld: Ein Gesellschafter schießt quer

Foto: Bernd Settnik/ dpa

Strategie gefragt

Mühlenfeld startet nun bereits beschädigt. Dabei ist der Job schon schwierig genug, denn es geht um weit mehr als nur die Beseitigung der Mängel auf der Baustelle. Den Part soll Mühlenfeld seinem Technikchef Jörg Marks überlassen. Mühlenfeld ist vor allem als Netzwerker gefragt, der den politischen Gremien Rede und Antwort stehen und Übereinkunft unter den Gesellschaftern herstellen soll. Was nun natürlich umso schwieriger ist, da Mühlenfeld mit dem Bund einen der drei Flughafen-Gesellschafter von Anfang an gegen sich hat.

Die wichtigste Frage liegt schon seit einigen Monaten auf dem Tisch: Wie kann es gelingen, die rasant ansteigenden Passagierzahlen zu bewältigen? Schon jetzt ist absehbar, dass der neue Flughafen, sollte er tatsächlich irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 2017 den Betrieb eröffnen, bereits zu klein sein wird. Seine Kapazität reicht für 27 Millionen Passagiere, 2017 könnten es jedoch, wenn das Wachstum anhält, leicht 40 Millionen sein. Mühlenfelds Vorgänger Mehdorn trommelt bereits seit Monaten für den Ausbau. Er warb für ein zusätzliches Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere. Doch auch in diesem Fall zeigte sich Dobrindt als Bremser. Jüngst erst brachte er den chronisch unterausgelasteten Flughafen Leipzig als Ausweichmöglichkeit ins Spiel.

Dabei hätte die Ausbauvariante für BER noch in ganz anderer Hinsicht Charme: Sie würde es erlauben, zusätzliche Kosten für das große Terminal zu verstecken. Denn noch ist gar nicht abzusehen, wie teuer der Umbau der Entrauchungsanlage am Ende wird. Der Bund will in Brüssel deshalb vorsorglich gleich einen Rahmen von weiteren 2,2 Milliarden Euro genehmigen lassen, um genügend Spielraum zu haben. Inklusive des ersten Erweiterungsbaus wird der BER wahrscheinlich mehr als sechs Milliarden Euro teuer, schätzt man im Aufsichtsrat.

Die ganz große Herausforderung steht Mühlenfeld und den BER-Eigentümern jedoch bevor, wenn es um die langfristigen Planungen geht. Bis 2035 nämlich soll die Zahl der Passagiere die 50-Millionen-Marke erreichen. Mehdorn hatte für dieses Szenario ein ganz neues Satelliten-Terminal ins Gespräch gebracht.

Der Vorstoß wirkte voreiliger, als er in Wirklichkeit ist. Denn für so ein Projekt existiert noch gar kein Planfeststellungsbeschluss. Es benötigt also im Prinzip die gleiche Vorlaufzeit wie der BER selbst.

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