Automesse in Shanghai Boommarkt China giert nach deutschen Premiummodellen

In Europa kämpfen die Autohersteller mit Überkapazitäten, in China kommt die Branche mit der Produktion kaum hinterher. BMW, Audi und VW kündigen auf der internationalen Automesse in Shanghai bereits an, ihre Werke auszubauen, Mercedes dagegen sucht noch nach einer Strategie für das Land.

DPA

Shanghai - Es ist die derzeit vielleicht wichtigste Automesse der Welt, die an diesem Wochenende in Shanghai beginnt. China ist der größte Automarkt der Welt und deshalb vor allem für die deutschen Hersteller von zentraler Bedeutung. Während der Absatz in Europa und den USA schwächelt, ist die Nachfrage in China weiterhin enorm hoch.

BMW kann mit der hohen Nachfrage kaum noch mithalten und rechnet deshalb auch wegen Lieferengpässen mit etwas geringerem Wachstum. Vor allem bei den aktuell sehr begehrten Geländelimousinen der X-Klasse herrsche Knappheit. 2012 hatte BMW Chart zeigen in China mehr als 326.000 Autos verkauft - ein Plus von rund 40 Prozent zum Vorjahr. Das Problem: Die Produktionskapazität im Land liegt nur bei 200.000 Stück - soll aber mittelfristig auf bis zu 300.000 Autos ausgebaut werden. In diesem Jahr rechnet der Konzern nur noch mit einem Absatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich.

Anfang 2014 will BMW mit seinem chinesischen Joint-Venture-Partner Brilliance ein Elektroauto unter der neuen Marke Zinoro in China auf den Markt bringen - wenn auch nicht ganz freiwillig: Weil die chinesische Regierung mehr heimische Marken auf den Straßen sehen will, fordert sie von ausländischen Herstellern, mit ihren chinesischen Partnern neue Marken zu entwickeln.

Besonders zuversichtlich ist Audi Chart zeigen: Wegen des starken Wachstums in China wird die VW-Tochter voraussichtlich in zwei bis drei Jahren ein neues Werk im Reich der Mitte bauen müssen. Audi-Chef Rupert Stadler erwartet in diesem Jahr 10 bis 15 Prozent Wachstum im Oberklassesegment. Auch der Mutterkonzern Volkswagen Chart zeigen hatte zuletzt angekündigt, bis 2018 sieben neue Werke in China zu bauen. Die Kapazität soll bis dahin um drei Viertel auf vier Millionen Autos im Jahr steigen. 25.000 neue Stellen will VW dabei schaffen.

Die Wolfsburger sind für den Löwenanteil der deutschen Produktion von aktuell 2,9 Millionen Autos in China verantwortlich. 2005 lag dieser Wert nach Zahlen des deutschen Branchenverbandes VDA erst bei einem Siebtel. Und die Entwicklung kennt weiter nur eine Richtung - nach oben.

Die Kapazität der drei deutschen Premiumhersteller dürfte sich nach einer Analyse der Unternehmensberater von PwC bis 2020 auf rund 1,15 Millionen Stück verdoppeln. Mindestens 16 Modellreihen würden sie dann im Reich der Mitte fertigen. So wollen die Unternehmen die Wartezeiten durch den langen Importweg umgehen und vermeiden außerdem Wechselkursrisiken, Logistikkosten und Zölle für den Import nach China.

Allein Daimler Chart zeigen hinkt noch hinterher: Nach dem tiefgreifenden Umbau seines China-Geschäfts traut sich der Konzern keine konkrete Prognose für das laufende Jahr zu. Klar sei nur, dass man den Absatz auf dem weltgrößten Automarkt weiter steigern wolle, sagte der neue China-Vorstand Hubertus Troska in Shanghai. Troska war im Dezember Daimlers China-Vorstand geworden und soll dafür sorgen, dass der Rückstand der Stuttgarter auf Audi und BMW im bevölkerungsreichsten Land der Erde schrumpft.

Unter anderem sollen zu den aktuell 262 Händlern bis Ende des Jahre 75 dazukommen. Vor allem kleinere und mittelgroße Städte stehen im Fokus. Es gebe immer noch Millionenstädte ohne Mercedes-Händler, sagte Troska.

Auch der schwedische Autohersteller Volvo Chart zeigen, der allerdings seit 2010 in chinesischer Hand ist, will in China wachsen. Das erste Werk im südwestchinesischen Chengdu mit einer Kapazität von 170.000 Autos soll bereits im Juni eingeweiht werden. In Zhangjiakou bei Peking wird zudem ein Motorenwerk gebaut, ein weiteres Werk entsteht in Daqing im Nordosten des Landes. Die Werke sollen für den chinesischen Markt produzieren, nicht für den Export. 2012 verkaufte Volvo in China zwar erst 42.000 Autos, im ersten Quartal legte der Absatz aber unerwartet stark um 27 Prozent zu.

Auf der Automesse in Shanghai sind bis 29. April fast 2000 Autohersteller und Zulieferer aus 18 Ländern vertreten. Rund 1300 Autos werden präsentiert, davon 111 Weltpremieren. 69 Konzeptautos und 91 Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten werden vorgestellt.

nck/dpa

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