Neue Studie 14 Ideen, damit die Bahn wieder pünktlich fährt

Die Deutsche Bahn muss deutlich mehr leisten, um pünktlicher zu werden. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, die dem SPIEGEL vorliegt. Darin werden konkrete Vorschläge gemacht.

Anzeigetafel der Deutschen Bahn (Archivbild): "Die Verbesserung der Pünktlichkeit im Schienenverkehr ist ein Marathonlauf und kein Sprint"
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Anzeigetafel der Deutschen Bahn (Archivbild): "Die Verbesserung der Pünktlichkeit im Schienenverkehr ist ein Marathonlauf und kein Sprint"

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Die Bahn ist nicht pünktlich genug - in diesem Punkt ist man sich in der Politik und sogar beim Staatskonzern selbst einig. Doch was ist zu tun? Deutlich mehr als bisher, zumindest wenn es nach einer neuen Studie geht, die dem SPIEGEL vorliegt.

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Zwar enthalte der von der Bahn Anfang des Jahres vorgestellte Fünf-Punkte-Plan bereits sinnvolle Maßnahmen, notwendig seien aber weitergehende Schritte, heißt es in dem Papier der Verkehrsberatung KCW, das von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegeben wurde.

Die Studie macht 14 teilweise kleinteilige Vorschläge, "die aber in Summe ihre Wirkung entfalten", wie es heißt. So solle die Bahn beispielsweise Standard-Umleitungsstrecken definieren und für diese konkrete Fahrpläne hinterlegen. "Das Ziel ist die schnelle Reaktion auf Streckensperrungen", schreiben die Autoren. "Statt Ad-hoc-Überlegungen zu Alternativen lägen die Ersatzkonzepte bereits betriebsbereit in der Schublade."

Mehr Ersatzzüge an Knotenpunkten

Auch solle die Bahn an zentralen Knotenpunkten mehr Ersatzzüge bereithalten. Dadurch könnten verspätete Züge schnell aus dem Betrieb genommen und ersetzt werden. "Dieses Konzept wird sehr stringent in der Schweiz verfolgt und ist eine zentrale Säule des dortigen pünktlichen Betriebs", heißt es in der Studie.

Gegenüber den Kunden fordern die Autoren "mehr Ehrlichkeit im Buchungs- und Auskunftssystem". Anschlüsse, die nachweislich zu einem größeren Anteil nicht gehalten werden könnten, sollten aus den Systemen gestrichen werden. "Dadurch verlängern sich zwar die Reisezeiten, aber die Kunden dürften letztlich zufriedener sein, weil ihre Anschlüsse funktionieren", so die Experten.

Weitere kurz- und mittelfristige Ideen sind:

  • Züge technisch so auszustatten, dass sie flexibler einsetzbar sind als heute,
  • einige Aufgaben bei der Streckenfreigabe, die heute die Bundespolizei übernimmt, an die Bahn zu verlagern, oder
  • das Personal so zu schulen, dass es kleinere Störungen selbst beheben kann.

Im Jahr 2018 erreichten die Fernzüge der Deutschen Bahn nur 74,9 Prozent ihrer Halte pünktlich. Die Beschwerden über die schlechte Qualität des Bahnverkehrs waren so groß, dass Vorstandschef Richard Lutz Anfang des Jahres mehrfach bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zum Rapport musste.

Umfassendere Strategie gefordert

Die Bahn präsentierte einen Fünf-Punkte-Aktionsplan, der unter anderem mehr Personal in den Werkstätten und eine bessere Baustellenplanung vorsieht, um Verspätungen zu verringern. In diesem Jahr läuft es bisher etwas besser für die Bahn: Bis Mai waren die Fernzüge zu 78,6 Prozent pünktlich.

"Die Verbesserung der Pünktlichkeit im Schienenverkehr ist ein Marathonlauf und kein Sprint", sagte der bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel, als Reaktion auf die Studie. "Bund und Deutsche Bahn müssen jetzt auf allen Ebenen gegensteuern." Es brauche mehr Personal, mehr Züge und vor allem "mehr Investitionen in eine gute Infrastruktur".

Langfristig mahnt die Studie an, die Kapazitäten zu erhöhen, und zwar sowohl im Netz als auch bei den Zügen. Mit Blick auf den zukünftigen Deutschland-Takt müsse eine umfassendere Strategie zur Sicherstellung dauerhaft hoher Pünktlichkeitswerte entwickelt werden. Im Deutschland-Takt sollen von 2030 an Züge auf bestimmten Linien immer zur selben Minute abfahren sowie ankommen. Das soll die Attraktivität der Eisenbahn erhöhen.

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Nonvaio01 07.06.2019
1. es braucht keine 14 ideen
1: Gueter Verkehr und Personen Verkehr in 2 gesellschaften aufspalten 2: Ein massives investment program in die schienen 3: Investment in die Reperatur Zentren 4: Mehr personal, vor allem in der wartung und instandhaltung 5: Neue Zuege
Thomasvon Bröckel 07.06.2019
2. Schön und gut aber...
Die Vorschläge sind grundsätzlich ja richtig, scheitern aber in der Praxis: Stichpunkt Knotenpunktreserve, die Bahn hat nicht genügend Züge, um an Knotenpunkten Ersatzzüge vorzuhalten. Freitags und Sonntags rollt bereits alles was geht. Das größte Problem sind die wichtigsten Hauptstrecken, dort sind schon jetzt keine sog. Fahrplantrassen mehr verfügbar. Mehr Züge können dort ohne weitere Gleise nicht verkehren. Das größte Problem ist aus meiner Sicht, dass man in Deutschland immer noch ICE/IC ohne Reservierung benutzen darf. Dies führt zu den totalen Überbelegungen, gerade an den Wochenenden und führt zu Verzögerungen bei der Abfahrt. Frankreich hat dies besser gelöst.
Humboldt 07.06.2019
3. Experten?
Zitat: Gegenüber den Kunden fordern die Autoren "mehr Ehrlichkeit im Buchungs- und Auskunftssystem". Anschlüsse, die nachweislich zu einem größeren Anteil nicht gehalten werden könnten, sollten aus den Systemen gestrichen werden. "Dadurch verlängern sich zwar die Reisezeiten, aber die Kunden dürften letztlich zufriedener sein, weil ihre Anschlüsse funktionieren", so die Experten. Zitat Ende Diese "Experten' dürften offensichtlich nicht täglich mit der Bahn fahren, sonst wüssten sie, dass solche Vorschläge nur für Oma Machulke, welche zweimal im Jahr die Enkel besuchen fährt (nichts für ungut, auch wichtig) praktikabel sind. Für tägliche Bahnfahrer dagegen ein dämlicher Tipp von Autofahrern
badsachsa37441 07.06.2019
4. ob das klappen wird?
auf der Strecke wo ich ab und an fahre (Göttingen - Hannover) muss der Regionalexpress, der zudem nicht von der DB gesteuert wird, öfters mal zwischenhalten um verspätete (!) ICE oder IC durchzulassen. Die Bahn interessiert sich doch schon seit Ewigkeiten nicht für Kunden anderer Bahnunternehmen.
stefanmargraf 07.06.2019
5. Da hätte ich noch mehr Vorschläge:
Etwa die Bahnzeit: die Bahnhofs-Uhr bleibt einfach so lange auf pünktlich stehen, bis der Zug tatsächlich abfährt. Oder alle Züge, die unpünktlich wurden, werden gestrichen. Übrig sind dann nur pünktliche Züge. Oder die Bahnmitarbeiter stellen ihre Schreibtische auf die Gleise. Pünktlich zur Zugeinfahrt werden sie aus dem Weg geräumt. Wenn nicht, dann nicht.
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