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11. März 2017, 10:41 Uhr

Millionenminus

Bahn verbrennt Geld mit der Bordgastronomie

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Die Ofenkartoffel ist aus, die Bierzapf-Anlage läuft nicht: Es geht jede Menge schief in den Speisewagen der Deutschen Bahn. Und dann fahren sie nach SPIEGEL-Informationen auch noch ein Millionendefizit ein.

Mit ihren 260 ICE-Speisewagen und 390 Bordbistros gehört die Deutsche Bahn zu den größten Restaurantketten der Republik. Doch der Konzern verbrennt damit jede Menge Geld:

Zuletzt betrug der Jahresverlust nach SPIEGEL-Informationen rund 80 Millionen Euro. In der Vergangenheit lag dieses Minus auch schon bei geschätzten 150 Millionen Euro. Die Bahn betrachtet den Bordservice als eine Servicedienstleistung, mit der man nicht unbedingt Gewinne einfahren muss. Interne Kalkulationen gehen davon aus, dass mancher Reisende wegen des Speisewagens den Zug als Verkehrsmittel bevorzugt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der Durchschnittsumsatz der Bahngastronomie mit Restaurant, Bistro und Am-Platz-Service liegt aktuell bei 5,30 Euro; rund 1000 Euro Umsatz erwartet die Bahn bei guter Auslastung beispielsweise auf der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt am Main. 3000 Mitarbeiter arbeiten in der Bahngastronomie, viele von ihnen sind neben ihrem Gehalt auch am jeweiligen Umsatz beteiligt.

Auch die Vorlieben der Fahrgäste lassen sich an Zahlen ablesen: So zählt die Bahn zu den größten Kaffeehändlern der Republik: Der Netto-Umsatz mit Kaffeeprodukten lag 2016 bei 21,9 Millionen Euro. Satte 1,2 Millionen Euro setzt das Unternehmen jährlich allein mit Chili con Carne um. Zu den beliebtesten Gerichten der Bahnkunden zählen auch Eintöpfe.

Doch die Bordgastronomie ist pannengeplagt: Nicht immer klappt der Warennachschub, die teils veralteten Bordküchen gelten als chronische Sensibelchen. Dennoch setzt die Bahn auch in Zukunft auf den Bordservice - unter Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn sollten die Speisewagen einst abgeschafft werden. Schon bald sollen alle Kassen automatisch Waren nachbestellen können. Daneben arbeitet man an einem stärkeren digitalen Kundenservice.

Ab April plant der Konzern zudem eine andere Neuerung: Dann sollen alle Produkte überall bestellt werden können. Bisher war es beispielsweise nicht möglich, die Currywurst im Bordrestaurant serviert zu bekommen, weil sie dem Bordbistro vorbehalten war.

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