Deutsche Bahn Chefaufseher Felcht verlässt Aufsichtsrat

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn tritt zurück. Utz-Hellmuth Felcht will sein Amt "nach reiflicher Überlegung" Ende März niederlegen. Er war wegen des Streits um die Vorstandsämter in die Kritik geraten.

Utz-Hellmuth Felcht
DPA

Utz-Hellmuth Felcht


Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht, hat für Ende März seinen Rücktritt angekündigt. Das teilte das Unternehmen mit. Die schwierige Suche nach Spitzenpersonal hatte auch zu Kritik an Felcht geführt. Sie wurde zusätzlich erschwert durch den Regierungswechsel. Noch ist nicht klar, wer den Bund als Eigentümer der Bahn künftig im Aufsichtsrat vertreten wird.

Felcht war von anderen Mitgliedern des Kontrollgremiums für die missglückte Vertragsverlängerung des früheren Bahnchefs Rüdiger Grube verantwortlich gemacht worden. Anonym warfen sie dem früheren Chemiemanager vor, die damalige Aufsichtsratssitzung schlecht vorbereitet und dann nicht im Griff gehabt zu haben.

Felcht hat sich laut Bahn "nach reiflicher Überlegung (...) zu diesem Schritt entschieden". "Auf diesem Wege möchte ich dem Eigentümer ausreichend Zeit lassen, eine Nachfolgeregelung zu beschließen", wurde der 70-Jährige zitiert. "Zugleich möchte ich eine ordnungsgemäße Überleitung meiner Aufgaben auf meinen Nachfolger sicherstellen", hieß es. Insbesondere wolle er gewährleisten, dass alle in dieser Zeit noch anstehenden Beschlüsse und Entscheidungen ohne Zeitverzug ordnungsgemäß behandelt werden könnten.

Seit 2010 auf Vorschlag Ramsauers im Amt

Der Vorstand der Deutschen Bahn war erst vor zwei Wochen wieder komplettiert worden - nach knapp acht Monaten. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte zwei freie Posten neu besetzt. Das Ressort Güterverkehr und Logistik wird künftig vom bisherigen Deutschland-Chef der Bank Barclays, Alexander Doll, geleitet. Vorstand für Digitalisierung und Technik wird die Maschinenbau-Professorin Sabina Jeschke.

Es war der dritte Anlauf, den Vorstand des Staatskonzerns um seinen Vorsitzenden Richard Lutz zu vervollständigen. Eigentlich sollte der Chef der Güterbahn-Tochter DB Cargo, Jürgen Wilder, in den Konzernvorstand aufrücken und das Ressort Güterverkehr und Logistik übernehmen. Er scheiterte aber am Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat.

Die schwierige Suche nach Spitzenpersonal hatte auch zu Kritik an Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht geführt. Der scheidende Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) räumte Bahn-Chef Lutz weitgehende Mitspracherechte bei der Vorstandsbesetzung ein. Laut Satzung wäre Felcht für die Kandidatenauswahl verantwortlich gewesen.

Felcht war 2010 vom Bundeskabinett als Aufsichtsratschef der Bahn bestätigt worden. Der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte ihn als Nachfolger von Werner Müller vorgeschlagen. Bis 2006 stand Felcht an der Spitze des Spezialchemie-Herstellers Degussa.

apr/dpa-AFX/AFP

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gerhard S. 25.11.2017
1. Die Perversion der Pflichten eines Staates
Genauso wie die Bereitstellung von Schwimmbädern für die Erhaltung der Gesundheit, oder den Unterhalt von Wasserwerken für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist die Sicherung des Bahnverkehrs eine der Kernaufgaben des Staates. Die Umwandlung der Einrichtungen in Unternehmen von GmbH bis AG um Risiko zu streuen, Kapital zu schürfen um sich Gewinne in Form von Ersträgen oder Dividenden selbst auszuzahlen, ist wie eine verdeckte Steuer! Eine wirkliche Privatisierung beginnt bei max 49 Prozent mit dem Risiko der Insolvenz. Zurück zur Pferdekutsche. Start Ups sollten deshalb beizeiten in Pferdetreibstoff wie Hafer investieren.
INGXXL 25.11.2017
2. Na ja mit 70
kann man ja langsam in den Ruhestand gehen. Vielleicht sollte diese Grenze generell gelten.
wauz 25.11.2017
3. Die Privatisierung der Bahn
hat die Sache keineswegs einfacher gemacht. Dass jetzt zwischen einem (möglicherweise inkompetenten) Verkehrsminister und der Verwaltung der Bahn noch ein Vorstand und ein Aufsichtsrat dazwischengeschaltet ist, macht die politische Steuerung nur komplizierter. Ein politische Steuerung ist aber auf Grund der gesellschaftlichen Aufgaben und der letztendlich immer noch staatlichen Finanzierung unbedingt nötig. Es spricht also alles dafür, die Bahn wieder zu einer Behörde zu machen, bei der kompetente Beamte im Ministerium einen Minister vom größten Schwachsinn abhalten. Man muss auch sehen: Projekte wie S21 mit einem privatrechtlichen Steuerungsgremium gehen geradezu unvermeidlich in die Hose. Am Beispiel des Autbahnbaus sieht man, dass reine Behördenstrukturen effizienter arbeiten. Auch beim BER hat man das gesehen: Die privatrechtliche Projektgesellschaft ist gescheitert, weil alleine Minister und nicht ein Beamtenapparat die Entscheidungen getroffen haben. Genauso ist die, ebenso privatrechtlich organisierte, Steuerung des ElPhi in die Hose gegangen. Hätte die Projektsteuerung komplett bei der Behörde gelegen, wäre frühzeitig erkannt worden, dass das Projekt nicht wie vorgesehen funktionieren konnte. Man sollte daher grundsätzlich unterscheiden zwischen gesellschaftlichen Notwendigkeitem, wie Eisenbahnnetz und Schickimicki wie Musical-Theater und so weiter. So ein Ding wie die ElPhi sollte von der Börse getragen werden. Wenn dann nur eine teure Ruine übrig bleibt, ist der Verlust jedenfalls nicht beim Staat. Ich glaube aber, Finanzinvestoren hätten weder die ElPhi in Angriff genommen, noch S21. Zumindest nicht, wenn sie die Finanzierung alleine hätten stemmen müssen. Was nun den BER angeht: der dient in erster Linie dem überflüssigen innerdeutschen Verkehr und den Profitinteressen der Fluglinien. Das Geld wäre in Schienen einer Staatsbahn bei weitem besser "angelegt" gewesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.