Manager-Mauscheleien bei der Bahn Ermittler stellen zahlreiche Verstöße fest

Die Deutsche Bahn hat zahlreiche Topmanager mit Beraterverträgen versorgt - nachdem sie eigentlich ausgeschieden waren. Insgesamt flossen mehrere Millionen Euro ohne Wissen des Aufsichtsrats.

Konzernzentrale der Deutschen Bahn in Berlin
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Konzernzentrale der Deutschen Bahn in Berlin


In der Berateraffäre bei der Deutschen Bahn hat eine vom Konzern beauftragte Kanzlei zahlreiche Verstöße gegen das Aktienrecht festgestellt. Zwei Fälle betreffen demnach die Deutsche Bahn AG, neun Tochterunternehmen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet von insgesamt 13 monierten Verträgen. Ein Bahn-Sprecher wollte sich nicht äußern und verwies auf die Sitzung des Aufsichtsrats am 18. September.

Bei den Fällen geht es vor allem darum, dass Ex-Vorstände vom Management nach dem Ausscheiden Beraterverträge bekommen haben, ohne die Zustimmung des Aufsichtsrats einzuholen. Das aber sieht das Aktienrecht vor, um Selbstbedienung in Deutschlands Chefetagen sowie verdeckte Abfindungen zu verhindern.

Die externen Kanzlei-Ermittler haben demnach Beraterverträge über einen Zeitraum von fast zehn Jahren unter die Lupe genommen. Dabei geht es um ein Gesamtvolumen von etwa 11 Millionen Euro.

Welche Gegenleistung wurde erbracht?

Der internen Revision waren zuvor die Verträge mit ehemaligen Managern aufgefallen. So soll ein früheres Vorstandsmitglied nach einer Abfindung in Millionenhöhe noch Hunderttausende Euro als Beratungshonorar erhalten haben. Es sei dafür aber eine "marktübliche Leistung" erbracht worden, hieß es an diesem Dienstag in Aufsichtsratskreisen.

Bei anderen früheren Führungskräften geht es früheren Angaben zufolge um vier- und fünfstellige Honorare. Untersucht wurde jeweils, ob die Manager eine angemessen Gegenleistung erbracht haben. Namen hatte das Unternehmen nicht genannt.

Die fraglichen Verträge stammen aus den Jahren 2010 bis 2018. Sie fallen damit größtenteils in die Amtszeit des früheren Bahnchefs Rüdiger Grube und seines Finanzvorstands Richard Lutz. Lutz übernahm nach Grubes Rücktritt Anfang 2017 die Führung des bundeseigenen Konzerns.

beb/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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David Sindt 11.09.2019
1. Zurück an den Staat
Seit die Bahn privatisiert und zur AG wurde geht es nur noch bergab. Die Infrastruktur wurde vernachlässigt, Strecken stillgelegt und Personal wurde abgebaut, sodass die Bahn momentan in jeder Hinsicht über dem Limit agiert. Es wurde ausschliesslich im Sinne der Aktionäre und der Autolobby gewirschaftet. Bei einem Mehraufkommen von Fahrgästen droht der Kollaps. Auch wird es langfristig nicht möglich sein Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu bekommen weil das Streckennetz durch Missmanagement kaputtgespart wurde und viel zu wenig Personal ausgebildet und rekrutiert wurde. Die Bahn muss wieder verstaatlicht werden damit sie wieder zu dem wird wozu sie bestimmt ist. Ein klimafreundliches, komfortables und zuverlässliches Transportmittel für das Volk und Güter.
thomas_rettenmund 11.09.2019
2. Diese Unternehmen sind fast nicht zu führen...
Einerseits sind bei ca. 300'000 Mitarbeitern kaum mehr wirkungsvolle Kontrollen machbar. Zudem ist der DB-Konzern in zahlreiche Sub-Unternehmen aufgeteilt. Alle mit eigenem Management, eigenen Kontroll- und Compliance-Organen ausgestattet. Das wirklich Störrende daran ist aber, dass die Leute dort fast ausschliesslich durch die Politik nominiert werden. Kaum finden sich da Fachleute, die "mit dem Schienenfett" vertaut sind. Es ist richtig, da wäre die Schweizerische SBB ein Modell. Die SBB "darf" z.B. nur im Fernverkehr Gewinne erwirtschaften. Die dürfen nicht ausgeschüttet, sondern müssen reinvestiert werden. Der Regionalverkehr muss seine Leistungen zu Selbstkosten den Nachfrage anbieten. Solche Unternehmen müssen dem Staat gehören und auch durch das Ministerium Verkehr scharf kontrolliert werden ausgestattet mit einem Dienstleistungsauftrag im öffentlichen Interesse. Nur, da findet man wiederum dieselbe Misere, auch im BM Verkehr sind Polit-Karrieristen am Werk, die später dann natürlich in diese Unternehmen abwandern. Wieso sollen diese sich den Ast absägen, auf dem es sich so fürstlich unbeschwert leben lässt? Eine grundlegende Reform kann nur durch massiven Druck vom Volk ausgehen. Das würde aber bedeuten, dass sich die Stimmbürger auch deutlich zu Wort melden. Nur die Faust im Sack machen hilft nichts.
Thomas Gl. 11.09.2019
3. Welche "Aktionäre"?
@ David Sint: Sämtliche Aktien der DB AG gehören dem deutschen Staat. Das war auch nie anders. Der ursprünglich beabsichtigte "Börsengang" (Verkauf eines Teils der Aktien an Anleger) wurde vor vielen Jahren abgeblasen.
Freidenker10 11.09.2019
4.
Die Gegenleistung dieser s.g. Berater würde mich wirklich mal brennend interessieren!
Emderfriese 11.09.2019
5. Taschen
Zitat von Thomas Gl.@ David Sint: Sämtliche Aktien der DB AG gehören dem deutschen Staat. Das war auch nie anders. Der ursprünglich beabsichtigte "Börsengang" (Verkauf eines Teils der Aktien an Anleger) wurde vor vielen Jahren abgeblasen.
Nichtsdestotrotz soll die "Bahn AG" handeln wie ein privat organisiertes Unternehmen. Und dieses Handeln sieht vor, mit einem Unternehmen Gewinne zu machen - auf Kosten der Bundesbürger, die letztlich mit zu hohen Preisen und wenig Komfort abgespeist werden. Das Verbraten von Subventionen kommt noch dazu. Man sieht und liest ja, wo die Gelder bleiben, in privaten Taschen...
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