Staatskonzern in Schwierigkeiten Finanzvorstand Doll verlässt die Bahn

Der Machtkampf ist entschieden: Nach Auseinandersetzungen im Vorstand verlässt Finanzchef Alexander Doll die Deutsche Bahn. Gleichzeitig hat der Bundestag zusätzliche Milliarden für den Staatskonzern bewilligt.

Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben
Michael Kappeler / DPA

Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben


Nach nur eineinhalb Jahren bei der Deutschen Bahn steht der Finanzvorstand Alexander Doll vor dem Abgang. Der Manager hat nach Informationen aus Konzernkreisen einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Der Aufsichtsrat müsse dem Schritt in einer Sondersitzung am Montag noch zustimmen, hieß es.

Dem Vernehmen nach läuft Dolls Abfindung auf einen siebenstelligen Betrag hinaus. Wer den Posten übernimmt, war zunächst unklar. Die Bahn verwies auf die Aufsichtsratssitzung und kommentierte die Information zunächst nicht.

Doll war erst im April 2018 in den Vorstand berufen worden und ist dort seit Januar dieses Jahres auch für die Finanzen zuständig. Daneben leitet er das Ressort des defizitären Güterverkehrs. Diesen Posten wird ab Januar die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, übernehmen.

Für einen Abgang von Doll hatte sich wegen Problemen beim Arriva-Verkauf auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hinter den Kulissen stark gemacht. Zudem hieß es aus dem Konzern, Doll habe auch das Vertrauen des Bahn-Aufsichtsratschefs sowie einer großen Mehrheit seiner Vorstandskollegen verloren.

In seiner Funktion als Finanzvorstand sollte Doll den Verkauf der britischen Bahn-Tochter Arriva vorantreiben - hatte damit aber keinen Erfolg. Das Vorhaben wurde bei der Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche vorerst gestoppt. Einen Käufer gibt es nach wie vor nicht.

Unterdessen bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestags zusätzliche Milliarden für die Bahn. Er stimmte bei seinen abschließenden Beratungen einer neuen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem bundeseigenen Konzern zu. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Der Entwurf sieht Haushaltsmittel des Bundes in Form eines "Infrastrukturbeitrags" von insgesamt 51,4 Milliarden Euro vor - deutlich mehr als bisher.

Bundesrechnungshof kritisiert mangelnde Kontrolle

Wegen Kritik des Bundesrechnungshofs an der Vereinbarung beschloss der Haushaltsausschuss außerdem zusätzliche Kontrollen - um zu prüfen, ob die Bahn die vereinbarten Ziele einhält. Falls das nicht geschieht, könnten Mittel gesperrt werden. Das Verkehrsministerium soll ab Ende 2021 alle zwei Jahre einen Bericht hierzu vorlegen.

Darüberhinaus sei der Bundesrechnungshof "direkt" zu beteiligen, heißt es im Beschluss des Haushaltsausschusses. Die Finanzkontrolle hatte kritisiert, der Bund müsse strenger prüfen, was die Bahn mit den Milliarden aus der Staatskasse mache.

An vielen Stellen im 33.000 Kilometer langen Schienennetz gibt es großen Investitionsbedarf wegen teils maroder Brücken und Anlagen. Auch viele Schienenstrecken sind in die Jahre gekommen. Die jetzt getroffene Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn soll dem Erhalt des Schienennetzes zugute kommen.

jki/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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thegoldenkingofusa 15.11.2019
1. Mangelhafter Artikel
Herr Doll hat aufgezeigt das der Wert der englischen Beteiligung nicht das einbringen wird welcher erwartet wurde und hat Fehler aufgezeigt. Der Artikel ist mal wieder nur kopiert ohne jede Recherge.
fallboot 15.11.2019
2. 7 stellige Abfindung
Ich habe 40 Jahre als Lehrer gearbeitet, war nie krank, aber eine Abfindung habe ich nicht erhalten. ich habe nicht einmal die Jubiläumsgabe erhalten. Was habe ich falsch gemacht?
inneug 15.11.2019
3.
Es kann doch wohl nur ein Witz sein, daß ein gefeierter Finanzchef eine 7-stellige Abfindung bekommt. Offensichtlich sind zu viele Steuergelder vorhanden.
stedaros 15.11.2019
4. früherer Artikel
So wie das im vorherigen Artikel stand, wird der einzig kompetente Manager rausgeworfen, damit die die Unfähigen weiter kungeln können und die Bahn im wahrsten Sinne an die Wand fahren können. Sehr gute Lösung für Pofalla Lutz und diesen komischen Verkertminister, an dessen Name ich mich nicht erinnern will. Und keinen stört das. So ist Deutschland.
karlo1952 15.11.2019
5. Dieser Abgang wird
der Bahn auch nicht helfen. Da müssen noch andere Köpfe rollen, damit die Bahn wieder das wird, was sie vor der Ära Dürr und Mehdorn war. Abt dazu fehlt es überall an Durchsetzungskraft.
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