Investitionsprogramm Bahn will vom Staat sieben Milliarden Euro pro Jahr

200 neue und schnellere Züge, Extra-Verbindungen zwischen Hamburg und Berlin: Die Bahn will ihre Infrastruktur massiv ausbauen. Nach SPIEGEL-Informationen soll der Bund dafür seinen Zuschuss fast verdoppeln.
ICE (Symbolbild)

ICE (Symbolbild)

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance/dpa

Seit Monaten jagt bei der Deutschen Bahn eine schlechte Nachricht die nächste: kaputte Züge, brennende Züge, verspätete Züge; dazu Lokführermangel, Streit in der Chefetage, wachsende Schulden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL .)

Doch mit den Negativ-Schlagzeilen soll bald Schluss sein. Ende kommender Woche tagt in Berlin der Aufsichtsrat des Staatskonzerns, und der Vorstand hat dem Kontrollgremium einen 200-seitigen Katalog an Forderungen vorgelegt, der es in sich hat. Bis zu sieben Milliarden Euro jährlich fordert das Management nach SPIEGEL-Informationen allein für den Unterhalt der Infrastruktur. Diese sogenannte Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung für die Jahre 2020 bis 2025 wird derzeit zwischen Bahn und Bundesfinanzministerium ausgehandelt. Bislang bekam die Bahn für den Erhalt ihrer Anlagen rund 3,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Laut Aufsichtsratsvorlage plant der Bahn-Vorstand mehrere Maßnahmen:

  • 200 neue Züge sollen her, darunter allein 137 neue ICE, um die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs zu erhöhen.
  • Dank zusätzlicher Waggons mit Eigenantrieb sollen die Züge künftig bis auf 265 anstatt maximal 250 Stundenkilometer beschleunigen, wodurch auch die Kapazität steige.
  • Auch für die Strecke zwischen den beiden größten deutschen Städten hat sich der Vorstand etwas überlegt: Die Bahn plant neben einem Ein-Stunden-Takt zusätzlich zwischen Berlin und Hamburg alle halbe Stunde eine Zugverbindung.
  • Auf der gleichen Strecke soll 2019 auch ein Modellprojekt beginnen: eine superschnelle Mobilfunkverbindung mit dem neuesten 5G-Standard. Dafür sind Haushaltsgelder in Höhe von gut 24 Millionen Euro bereitgestellt worden.

Doch die Strategiesitzung wird alles andere als ein Selbstgänger, zu groß ist das Misstrauen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Vor allem Aufsichtsratschef Michael Odenwald, ehedem Verkehrsstaatssekretär und Vertrauter von Verkehrsminister Andreas Scheuer, macht sich zunehmend unbeliebt, weil er sich plötzlich ins Tagesgeschäft einmischt. Immerhin hat Odenwald damit dafür gesorgt, dass der Vorstand enger zusammengerückt ist.

Dennoch ist klar: Die zweitägige Klausursitzung im Berliner Bahntower wird zur Nervenschlacht werden.