Probleme beim Staatskonzern Gewinn der Deutschen Bahn sinkt um 30 Prozent

Die Deutsche Bahn hat ein schlechtes Jahr hinter sich - auch finanziell. Der Gewinn ist nach SPIEGEL-Informationen drastisch zurückgegangen. Das dürfte nicht einmal mehr für eine Dividende an den Staat reichen.
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Im Aufsichtsrat der Bahn wächst die Unruhe angesichts der unklaren Zukunft des Staatskonzerns. Grund ist die angespannte Finanzlage. Zwar erreicht die Deutsche Bahn beim operativen Ergebnis 2018 mit 2,11 Milliarden Euro einen ähnlichen Wert wie ein Jahr zuvor. Nach Steuern aber bleibt nach SPIEGEL-Informationen nur ein Jahresgewinn von 542 Millionen Euro übrig - rund 30 Prozent weniger als 2017.

"Würde die Bahn eine Dividende von 650 Millionen an den Staat auszahlen, dann ginge das aus der Substanz des Unternehmens heraus", warnt ein Aufsichtsratsmitglied, das vom Vorstand fordert, einen geordneten, ausgeglichenen Haushalt vorgelegt zu bekommen. "Eine Dividende zu zahlen, wäre eigentlich ein Wahnsinn", sagt der Bahn-Aufseher.

In den vergangenen Jahren hatte der Staatskonzern jeweils mehrere Hundert Millionen Euro an den Finanzminister überwiesen. Es handelte sich allerdings um ein Nullsummenspiel: Der Bund hat das Geld direkt wieder über die Bahn ins Schienennetz investiert.

Die Zeit drängt mit Blick auf die Aufstellung des Unternehmens für die kommenden Jahre. Im November hatte es bereits eine Strategiesitzung der Bahnkontrolleure gegeben. Anfang des Jahres folgten drei Termine des Vorstands bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Dabei ging es um die großen Fragen: Wie kann die Bahn pünktlicher werden, mehr Personen und Güter transportieren und auch wirtschaftlich erfolgreich sein? Dass sich mit Bahnverkehr durchaus Geld verdienen lässt, zeigen tagtäglich die privaten Wettbewerber, die auf demselben Schienennetz fahren.

"Fast keine andere Möglichkeit mehr"

Was die Finanzierungslücke der Bahn angeht, liegt derzeit konkret nur der Vorschlag auf dem Tisch, die britische Konzerntochter Arriva zu verkaufen. Das Unternehmen betreibt öffentliche Nahverkehrsangebote in zahlreichen europäischen Ländern, dazu gehören Wassertaxen in Amsterdam und Kopenhagen sowie ein Teil der roten Busse in London. Arriva ist derzeit in den Geschäftsbüchern der Bahn mit rund 2,5 Milliarden Euro bewertet. Unklar ist, wie viel ein Verkauf in Brexit-Zeiten tatsächlich einbringen würde.

"Der Vorstand hat fast keine andere Möglichkeit mehr, an frisches Geld zu kommen als den Arriva-Verkauf", sagt ein Insider. Dies sei umso wichtiger, als dass die Bahn ihre Verschuldungsgrenze von 20 Milliarden Euro reißen werde und dringend auf außerordentliche Einnahmen angewiesen sei. Vorstandschef Richard Lutz hat dem Unternehmen einen strikten Sparkurs verordnet und schaut auf jede einzelne Maßnahme, die Geld kostet.

Es fehlen vier Milliarden Euro

Am liebsten wäre es dem Management, Arriva an die Börse zu bringen. Weil sich aber die Stimmung an den Kapitalmärkten deutlich eintrübt und Börsengänge absehbar schwerer werden, sei auch ein Verkauf denkbar, heißt es. Hauptsache, die Bahn erhalte Geld für Arriva - woher auch immer. Das Management spreche bereits mit Investmentbanken über ein mögliches Mandat für einen Börsengang beziehungsweise Verkauf.

Der Aufsichtsrat hat den Vorstand am Mittwoch zunächst beauftragt, verschiedene Optionen eines Arriva-Verkaufes voranzutreiben. Zu stopfen ist jedenfalls schon in diesem Jahr eine Haushaltslücke von 2,5 Milliarden Euro, in den kommenden Jahren steigt der Fehlbetrag dann auf mehr als vier Milliarden Euro. Woher das Geld kommen soll, ist ungewiss - besonders, falls der Arriva-Verkauf scheitert.

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