Fuhrpark der Deutschen Bahn 34.600 Lastwagen gegen 2700 Güterzüge

Die Bahn-Tochter Schenker betreibt eine Flotte von Zehntausenden Diesel-Lkw, die zusammen Waren über Hunderte Millionen Kilometer transportieren. Zum Konzern-Image als Klimaschutz-Vorreiter passt das kaum.

Schenker-Lkw in Helsinki
Lindenthaler/imago images

Schenker-Lkw in Helsinki

Von


Auf ihrer eigenen Webseite stimmt die Deutsche Bahn ein Loblied an: "Schiene ist am klimafreundlichsten", heißt es dort - und dann wird vorgerechnet, was dies für den Güterverkehr bedeutet. Nur 20 Gramm Treibhausgas pro Kilometer und Tonne Fracht setze ein Güterzug auf tausend gefahrenen Kilometern frei. Bei einem Lkw ist es mehr als das Fünffache.

Im eigenen Konzern jedoch erfreut sich der Diesel-Laster mit dem hohen CO2-Ausstoß einer erstaunlichen Beliebtheit. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen veröffentlicht hat.

Demnach sind für die Bahn-Tochter Schenker rund 34.600 Lkw in ganz Europa unterwegs. Über ihre Gleise lässt die Bahn dagegen knapp 2700 Loks fahren, die Güterwagen ziehen.

Im Fernverkehr legen die Laster von DB Schenker jährlich 784 Millionen Kilometer zurück. Hinzu kommen weitere 759 Millionen Kilometer, die die Lkw beim Transport von Waren zwischen Kunden und einem Frachtterminal der Bahn abfahren.

Das staatseigene Unternehmen verweist auf sein Engagement im Klimaschutz. Im Güterverkehr würden überwiegend schadstoffarme Fahrzeuge eingesetzt, die Emissionen seien seit dem Jahr 2006 um mehr als ein Viertel zurückgegangen.

Derzeit wird in der Großen Koalition geprüft, ob Schenker verkauft werden sollte, um Finanzlücken bei der Bahn zu schließen. Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock fordert die Regierung deshalb auf, bei der Bahn auf einen konsequenten Abbau des Lkw-Verkehrs zu dringen. "Dazu gehört der Schienenausbau genauso wie der Verkauf der Konzerntochter Schenker", sagt die Parlamentarierin.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

Mehr zum Thema


insgesamt 91 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bartsuisse 26.04.2019
1. Jeden Tag
ein Bericht zur DB? Die DB ist nach privatwirtschaftlichen Massstäben schlicht pleite, verfügt über keine Eigenmittel und hat die Schuldengrenze von 20 Milliarden erreicht. Pleite eben. Güter mit der Bahn? Auch hier bietet die DB schlechte Leistung. Proportional knapp 30% der Güter der SBB.....aber es ist wie bei der Namensschwester DeBa....das deutsche Debakel
Hamberliner 26.04.2019
2. nicht verkaufen, sondern LNG
Dann wird es für Schenker allerhöchste Zeit, eine Vorreiter-Rolle bei der Umstellung des LKW-Fernverkehrs auf LNG (https://www.erdgas.info/erdgas-mobil/erdgas-als-kraftstoff/lng-als-kraftstoff/) einzunehmen.
Einhorn 26.04.2019
3.
Die Bahn soll als "Klimaschutz-Vorreiter" wahrgenommen werden? Von wem denn? Von den Menschen im Land sicher nicht. Aus welchem Jahrzehnt stammt der Werbeslogan "Güter gehören auf die Bahn"? Daran erinnert sich doch heute niemand mehr. Und Verkehrspolitiker fördern ja auch lieber Gigaliner statt Bahnverkehr - scheint für sie einfach lukrativer zu sein.
aletheia53 26.04.2019
4. Da wird es von den Grünen ...
... dann hoffentlich die Unterstützung in den Regionen geben, wenn die Bahntrassen 4-gleisig ausgebaut werden, um Personen- und Güterverkehr zu entkoppeln. Die gefällten Bäume kann man ja zuhause auch nicht im Komfort-Kamin verheizen, wg. Feinstaub und so.
Athlonpower 26.04.2019
5. Nur noch die Hälfte des Gütervekehrs auf der Schiene durch die Bahn AG
Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße ist ja offenkundig seit Jahrzehnten - DB-Privatisierung - das dahinterstehende Ziel deutscher Verkehrspolitik, insbesondere der zahlreichen CDU/CSU Verkehrsminister, deshalb beträgt der Anteil der Bahn AG am Schienenverkehr in Deutschland nur noch blamable ca. 50% im Gut-und-Gerne-Land, die andere Hälfte wird bereits von wirkich privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen auf die Schiene gebracht, kein Wunder, schließlich muß bzw. soll die Bahn ja auch ihre Zehntausenden von Lastzügen auslasten und setzt deshalb immer weiter auf die Schließung und den sofortigen Rückbau von zahlreichen Gütertarifpunkten und den dazugehörigen Strecken, was mal weg ist, kommt auch nicht wieder, dafür kann man dann der Politik wieder den so dringenden Aus- und Neubau des Straßennetzes ans Herz legen, wozu die Damen und Herren Volksverräter äh -vertreter ja nie nein sagen können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.