Umfrage im klammen Staatskonzern Bahnkrise verunsichert DB-Mitarbeiter

Verkehrsminister Scheuer bestellt Bahnchef Lutz wegen der Probleme bei der Deutschen Bahn ständig ein. Auch im Konzern rumort es: Die Beschäftigten zweifeln laut Konzernbetriebsrat an der aktuellen Strategie.

Züge im Hauptbahnhof von Hannover
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Züge im Hauptbahnhof von Hannover


Für Schienen, Züge und Personal fehlen der Deutschen Bahn fünf Milliarden Euro. Auch das auf einem der zahlreichen Krisentreffen zwischen Bahn-Spitze und Verkehrsminister Andreas Scheuer vorgestellte Maßnahmenpaket für mehr Pünktlichkeit enthält im Wesentlichen bereits bekannte Punkte.

Nicht nur bei Pendlern und Reisenden erzeugt das Unmut. Der Konzernbetriebsrat der Deutschen Bahn hat der Unternehmensspitze nun eine neue "strategische Ausrichtung" empfohlen, um die Probleme des Unternehmens zu bewältigen.

Sieben Millionen Überstunden

"Dass dies notwendig ist, kann man auch aus der Mitarbeiterbefragung ablesen, in der viel zu viele Mitarbeitende sagen, dass ihnen teilweise die Überzeugung an der Strategie fehle", teilt der Betriebsratsvorsitzende Jens Schwarz mit. Er beruft sich auf eine Befragung von mehr als 200.000 Bahn-Beschäftigten durch das Marktforschungsinstitut GfK.

Die Mitarbeiter, so Schwarz, seien gern für die Bahn tätig - und insgesamt zufrieden mit dem Unternehmen. "Das alles zeigt, dass es nicht an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt, wenn der Konzern aktuell nicht die gewünschten Ergebnisse einfährt." Die Kollegen seien motiviert, das zeigten "auch die mehr als sieben Millionen geleisteten Überstunden".

Erst am Mittwoch war CSU-Verkehrsminister Scheuer erneut mit Bahn-Chef Richard Lutz wegen der Probleme bei dem im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen zusammengekommen. Dabei ging es um die künftige Finanzierung - doch eine Lösung gab es nicht.

Die Lage spitzt sich weiter zu: Denn neue Schulden kann das Unternehmen kaum noch aufnehmen. Fraglich ist, ob nun abermals der Staat einspringt oder etwa die Auslandstochter Arriva verkauft wird. Auch eine Fahrpreiserhöhung hatte CDU-Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann ins Gespräch gebracht.

Bis die von der Bahn bereits versprochenen Entlastungen greifen, könnte es noch dauern. Laut Konzernbetriebsratschef Schwarz müssten dafür auch die 22.000 zusätzlichen Mitarbeiter erst eingearbeitet werden.

apr

insgesamt 9 Beiträge
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Thorongil 01.02.2019
1. Die DB betreibt den Zug der Queen
Zu den unnötigen Dingen auf der Welt gehört ja wohl, dass unsere DB AG, ein 100%iges Staatsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland in UK, Dänemark und sonstwo Fahrleistungen erbringt. Wozu ist das notwendig? Fahrgäste in anderen Ländern subventionieren den Fahrbetrieb in Deutschland? Da würd ich uns aber was husten als Engländer oder Däne.
Nordstadtbewohner 01.02.2019
2. Die Deutsche Bahn ist privatwirtschaftlich organisiert
"Die Beschäftigten zweifeln laut Konzernbetriebsrat an der aktuellen Strategie." Ich denke, hier wird die Rolle des Betriebsrates im Unternehmen Deutsche Bahn völlig falsch interpretiert. Für die Ausrichtung und Strategie sind die Eigentümer, vertreten durch den Vorstand, zuständig. Es steht keinem Betriebsrat zu, sich in betriebswirtschaftliche Entscheidungen der Eigentümer einzumischen. Weder bei der DB noch in anderen Unternehmen. Wenn die Bahn frisches Kapital braucht, so kann sie entweder an die Finanzmärkte herantreten oder die Eigentümer um eine Kapitalaufstockung bitte.
gosol 01.02.2019
3. Fehlinvestitionen
"Für Schienen, Züge und Personal fehlen der Deutschen Bahn fünf Milliarden Euro. " Dies ist der Betrag den die DB in den nächsten Jahren für Suttgart 21 selbst aufbringen muss - keine weiteren Kostensteigerungen vorausgesetzt. Ein Projektabbbruch für diese "Fehlinvestition" (Bundesrechnungshof) wäre die beste Lösung. Dann könnte es in Stuttgart mit dem alten Bahnhof auch den geplanten "Integralen Taktfahrplan" geben und Stuttgart würde nicht vom Schenenverkehr abgehängt. Mit S21 wurde Stuttgart von den Planungen hierzu von der DB ausgeklammert. Money for nothing!
www-professor 01.02.2019
4. Einfache Lösung:
Trenne Infrastruktur (Geleise und Bahnhöfe) vom Betrieb. Dann existieren 2 Strukturen, die ihre Aufgabe optimal angehen können. Warum muss Bahn-Betrieb von Bahn-Infrastruktur gegen die Konkurrenz aufgepäppelt werden?
axelschwarz 01.02.2019
5. @Thorongil: dem ist nicht so
Zunächst werden ausgeschriebene Verkehrsleistungen dort erbracht. Das machen andere auch. In Deutschland fahren die ausländischen Konzerne und Staatsbetriebe auch auf ausgeschriebene Leistungen. Eurobahn, Nord-West-Bahn, National Express, Cantus, Abellio, Transdev. Es wird hier auch auf einem umkämpften Markt um subventionierte Leistungen in Deutschland gerungen. Die Verkehrsverbünde haben sich irrational verselbständigt und nehmen nur noch den billigsten Jakob. Die Scherben sammelt der Fahrgast auf, die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert.
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