Tarifstreit bei der Bahn Lokführer kündigen Proteste an

Einmalig 350 Euro, sonst erst einmal nichts: Mit diesem Angebot geht die Bahn in Tarifverhandlungen mit den Lokführern. Gewerkschaftschef Weselsky kündigt nun eine "große Protestaktion" an.

GDL-Chef Weselsky mit Streikenden (2011): "Den Kampf angesagt"
DPA

GDL-Chef Weselsky mit Streikenden (2011): "Den Kampf angesagt"


Dortmund/Berlin - Im Tarifstreit zwischen Lokführern und der Deutschen Bahn verschärft sich der Ton. Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, bezeichnete das Angebot des Unternehmens in den "Ruhr Nachrichten" als "Provokation" und kündigte eine "große Protestaktion" mit mehr als tausend Lokführern und Zugbegleitern an.

"Die Bahn hat bei der dritten Verhandlungsrunde den Lokomotivführern den Kampf angesagt", sagte Weselsky weiter. Das Unternehmen lehne es ab, über die Verbesserung von Einkommen, Arbeitszeiten und die Reduzierung der Überstunden zu verhandeln. Nach der ergebnislosen Runde am Mittwoch hatte die GDL Streiks nicht mehr ausgeschlossen.

Die Bahn hatte eine Übergangsregelung vorgeschlagen: Das bundeseigene Unternehmen bot den rund 20.000 Lokführern für das zweite Halbjahr eine Einmalzahlung in Höhe von 350 Euro an. Bis zur Klärung offener Organisationsfragen im DB-Konzern sollten die Tarifverhandlungen ausgesetzt werden.

Die Bahn wies Weselskys Äußerungen als "simples Ablenkungsmanöver" zurück. Eine Sprecherin sagte: "Die Deutsche Bahn hat ein erstes Angebot über insgesamt 1,9 Prozent gerade für Lokführer unterbreitet. Statt über Zusammenarbeit und Lohnverbesserungen zu verhandeln, liefert sich die GDL-Spitze lieber einen unnötigen Streit um Macht und Einfluss mit ihrer Konkurrenz-Gewerkschaft."

Parallel zum Tarifstreit befindet sich die GDL in einem Machtkampf mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).Dabei geht es um die Frage, wer für welche Mitarbeitergruppe des Konzerns die Verhandlungen führen darf. Bisher war klar geregelt, dass die GDL für die rund 20.000 Lokführer verhandelt und die EVG für rund 140.000 weitere Angestellte. Die GDL will künftig aber das gesamte Zugpersonal vertreten, die EVG auch die Lokführer. Gespräche über eine Festlegung der Zuständigkeiten und ein mögliches Kooperationsabkommen waren am Montag gescheitert.

dab/dpa/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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kdshp 22.08.2014
1.
Hier sollten locker 10% real drin sein also 20-30% fordern so wie die gewerkschaft der ärzte und piloten das gemacht hat. Die gewerkschaften sollten endlich für ihre leute DAS einfodern wo diese jahrelang drazf verzichtet haben.
magenbitter 22.08.2014
2.
Zitat von kdshpHier sollten locker 10% real drin sein also 20-30% fordern so wie die gewerkschaft der ärzte und piloten das gemacht hat. Die gewerkschaften sollten endlich für ihre leute DAS einfodern wo diese jahrelang drazf verzichtet haben.
Sie haben den Artikel schon gelesen bzw. sich über die Vorgeschichte informiert? Das Problem ist doch, dass die GDL sich derzeit mit der anderen Eisenbahnergewerkschaft im Streit befindet, weil die GDL nun auch für das Begleitpersonal verhandeln will. Man kann das Management der Bahn viel kritisieren, aber dafür können sie nun nichts. Und wie will man da verhandeln, wenn gar nicht klar ist, welche Gewerkschaft für eine Personalgruppe der Verhandlungspartner ist. GDL - ich kann diesen Namen schon gar nicht mehr hören. Zanken sich mit einer anderen Gewerkschaft darüber, wer für wen verhandelt, und das soll nun durch Streiks gelöst werden. Was für ein Zirkus.
SkyNet_SO 22.08.2014
3. schon wieder?
Beil allem Respekt für die Arbeit der Lokführer: so langsam geht mir das ewige Geschrei nach besseren Bedingungen und mehr Gehalt auf den Keks. Muss man eigentlich jedes Jahr ständig mehr fordern und wenn man es nicht bekommt mit Streik drohen? Die GDL überspannt den Bogen meiner Meinung nach deutlich. Jedes Jahr aufs neue mit Forderungen kommen und ggfs Streiken ist einfach nur lächerlich und realitätsfremd. Als Angestellter in der Wirtschaft bekommt man auch nicht jedes Jahr ne Gehaltserhöhung und trotzdem wird nicht gejammert. Mein Verständnis für die GDL bzw. deren Mitglieder hält sich dabei ziemlich in Grenzen.
kommentar4711 22.08.2014
4. GdL
Die GdL schießt sich gesellschaftlich gerade genauso ins Aus wie die Pilotenvereinigung Cockpit. Deren Vertreter mussten während des letzten Streiks auch erleben, wie ihnen das komplette Unverständnis entgegen kommt und stecken nun verhandlungstechnisch in einer Sackgasse. Da hat man auch seit April NICHTS mehr von gehört, Lufthansa kann es gemütlich aussitzen da VC kein Druckmittel mehr hat. Die GdL muss aufpassen, dass es ihr nicht in wenigen Wochen genauso geht. Denn hier geht es nur um den Machtkampf zwischen zwei Gewerkschaften, und den auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen, das kann nicht gut gehen.
frank1980 22.08.2014
5. Zwangsvereinigung
es macht, außer für wenige Privilegierte, keinen Sinn zwei Gewerkschaften im Konzern zu haben. Einige wenige missbrauchen ihre Stellung um exorbitante Steigerungen ihrer eigenen Bezüge zu erreichen. Die Lokführer sind da noch die mit abstand Ärmsten im Reigen der: Piloten, Ärzte, Fluglotsen. Diese Berufsgruppen nehmen was sie können, in den letzten Jahren haben sie, zum Nachteil der Gesellschaft, gemerkt, sie können sehr viel nehmen.
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