Fahrgast-Entschädigungen Bahn muss Rekordsumme für Verspätungen zahlen

Der Ärger über verspätete oder ausgefallene Züge wurde im vergangenen Jahr für 1,3 Millionen Bahnfahrer durch Entschädigungen gemildert. Die Bahn musste so viel zahlen wie nie zuvor. In Streitfällen gewannen fast immer die Kunden.
Verspätungsanzeige in Köln: Auch bei Unwettern gibt es Geld

Verspätungsanzeige in Köln: Auch bei Unwettern gibt es Geld

Foto: Oliver Berg/ dpa

Berlin - Die Deutsche Bahn hat 2013 wegen verspäteter oder ausgefallener Züge mehr Geld als je zuvor an ihre Kunden ausgezahlt. Insgesamt hätten die Entschädigungen mehr als 40 Millionen Euro betragen, sagte ein Konzernsprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Insgesamt wurden demnach 1,3 Millionen Fahrgäste entschädigt. In 3500 Fällen sei eine Schlichtungsstelle angerufen worden. Diese habe in 88 Prozent der Fälle im Sinne des Kunden entschieden.

Die Bahn zahlt bei Verspätungen wegen Unwetters, Hochwassers oder Streik nach eigenen Angaben seit Langem aus Kulanz Entschädigungen. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs Ende September ist sie dazu auch rechtlich verpflichtet. Die Richter hatten entschieden, Bahngesellschaften müssten anders als Fluggesellschaften, Bus- oder Schiffsunternehmen auch bei höherer Gewalt Entschädigungen leisten. Dies ist dem Unternehmen zufolge ein wichtiger Grund für den Anstieg der Zahlungen.

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung.

Wird sogar eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen, auch einen höherwertigen.

Im vergangenen Jahr war es wegen Stürmen und des schweren Hochwassers im Sommer zu vielen Verspätungen und Zugausfällen gekommen. Rund 94 Prozent aller Züge erreichten jedoch nach Unternehmensangaben mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten den Bahnhof.

dab/dpa/AFP