Deutsche Bahn Offenbar nur jeder fünfte ICE voll funktionsfähig

Kaputte Züge, fehlendes Personal: Das ARD-Magazin "Kontraste" berichtet über verheerende Mängel bei der Deutschen Bahn.
ICE-Triebwagen in München

ICE-Triebwagen in München

Foto: Matthias Balk/ dpa

In Berlin tagt heute und morgen der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Die Kontrolleure des Staatskonzerns müssen über Forderungen in Höhe von bis zu sieben Milliarden Euro entscheiden, mit denen das Unternehmen die nötigsten Lücken schließen will. Viel Geld? Ein Bericht des ARD-Magazins "Kontraste"  beschreibt nun, wie schlimm es um die Bahn bestellt ist.

Der Deutschen Bahn fehlen dem Bericht zufolge 5800 Mitarbeiter im sogenannten betriebskritischen Bereich, der direkt für den Zugverkehr zuständig ist. Das Magazin beruft sich auf interne Dokumente des Aufsichtsrats. Unter anderem fehle es an Lokführern, Instandhaltungskräften und IT-Spezialisten.

ARD-"Kontraste" berichtet mit Verweis auf interne Unterlagen aus dem Juni, nur 20 Prozent der ICE-Züge seien voll funktionsfähig. Grund dafür sei, dass die Züge verspätet in die Werkstätten kämen - und daher oft nur Zeit für sicherheitsrelevante Reparaturen bleibe.

GDL: "Ein System kollabiert"

Die Deutsche Bahn wollte auf die ARD-Recherchen nicht direkt eingehen. "Interne Unterlagen kommentieren wir grundsätzlich nicht", teilte ein Bahn-Sprecherin mit. Der Konzern verwies aber darauf, dass "Fehlerfreiheit" bei ICEs sehr streng definiert werde - und beispielsweise bereits eine kaputte Kaffeemaschine als Fehler zähle.

"Ein System, das über Jahrzehnte auf Sparen getrimmt worden ist, kollabiert nun", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, zu "Kontraste". Auch Zugbegleiter bestätigten dem Magazin, dass Züge teilweise Wochen oder Monate mit denselben Mängeln unterwegs seien.

Das Unternehmen räumte ein: "Mit dem aktuellen Stand der Fehlerbeseitigung in unserer Zugflotte sind wir selbst nicht zufrieden. Deshalb haben wir dem Aufsichtsrat für die heutige und morgige Beratung detaillierte und umfassende Vorschläge vorgelegt, wie wir kurzfristig zusätzliche Ressourcen für die Wartung und Instandhaltung der Züge aufbauen können."

Für Oktober hatte die Deutsche Bahn ihren Pünktlichkeitswert im Fernverkehr mit nur 73 Prozent angegeben, geplant waren eigentlich 82 Prozent. Dieses Ziel sei nun auf das Jahr 2025 vertagt worden. Wegen der schlechten Pünktlichkeitsquote hatte die Bahn erst vor wenigen Tagen ihren bisherigen Fernverkehr-Vorstand Kai Brüggemann abgelöst - und durch den bisherigen Fahrplanchef Philipp Nagl ersetzt.

apr
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