Unter anderem nach Paris Deutsche Bahn plant neue Nachtzugverbindungen durch Europa

Nachtzüge galten bei der Deutschen Bahn lange als unrentabel, man überließ das Geschäft dem Konkurrenten ÖBB. Nach politischem Druck hat nun offenbar ein Umdenken eingesetzt – in einer europäischen Lösung.
Blick in das Abteil eines Zugs der Deutschen Bahn: Neue Nachtzüge ab Ende 2021

Blick in das Abteil eines Zugs der Deutschen Bahn: Neue Nachtzüge ab Ende 2021

Foto: Sebastian Gollnow / DPA

Die Mobilität in Europa soll klimafreundlicher werden, deshalb hatte auch die Politik zuletzt mehr grenzüberschreitende Nachtzugverbindungen gefordert. Die Deutsche Bahn hat nun erstmals konkrete Pläne vorgestellt, wie die aussehen können.

Gemeinsam mit drei weiteren nationalen Eisenbahn-Unternehmen plant die Deutsche Bahn etwa folgende neue Nachtzugverbindungen durch Europa:

  • Ab Dezember 2021 soll es eine Verbindung zwischen Wien, München und Paris sowie zwischen Zürich, Köln und Amsterdam geben,

  • Im Jahr 2023 sollen dann Verbindungen von Wien und Berlin nach Brüssel und Paris folgen.

  • Ab Dezember 2024 soll auch von Zürich nach Barcelona gereist werden können.

Insgesamt planen die staatlichen Bahnen von Deutschland, Österreich (ÖBB) und Frankreich (SNCF) und der Schweiz (SBB) die Verknüpfung von 13 Millionenmetropolen im sogenannten Nachtsprung. Eingesetzt werden sollen ÖBB-Züge, die österreichische Bahn stellt hierfür Investitionen von 500 Millionen Euro in Aussicht. 20 weitere Nachtzüge mit neuen Schlaf- und Liegewagen würden bestellt. Damit solle die Zahl der Nachtpassagiere von derzeit 1,4 Millionen verdoppelt werden.

Beschlossen wurden die neuen Verbindungen nun am Rande der EU-Verkehrsministerkonferenz unter Leitung von CSU-Politiker Andreas Scheuer. »Abends in München oder Berlin in den Zug steigen und morgens entspannt in Paris oder Brüssel ankommen – mit unserem Trans-Europ-Express TEE 2.0 und attraktiven Nachtzugangeboten auf der Schiene sind wir künftig in Europa noch klima- und umweltfreundlicher unterwegs«, sagte der Bundesverkehrsminister.

Die Deutsche Bahn hatte 2016 ihr Nachtzugnetz mit dem Angebot von Liegewagen und Schlafabteilen eingestellt, weil das Geschäft ihr nicht mehr rentabel erschien. Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) hat Teile des Angebots übernommen, etwa Fahrten ab Hamburg nach Zürich oder Wien. Bis zum Jahr 2026 will sie den Nightjet-Betrieb stufenweise ausbauen.

Auch andere internationale Anbieter fahren auf einzelnen Nachtzugstrecken deutsche Städte an, etwa die Strecke Salzburg-Sylt oder der Vindobona-Express zwischen Berlin, Prag und Wien. 2021 will das schwedische Unternehmen Snälltåget zudem Nachtzugverbindungen von Berlin nach Kopenhagen/Malmö und dann weiter nach Stockholm anbieten.

Scheuers Vision der Wiederbelebung des Trans-Europ-Express hatte deshalb bei der Deutschen Bahn auch sehr verhaltene Reaktionen hervorgerufen. Offenbar will er die Bahn nun noch stärker zum Ausbau der Nachtverbindungen drängen, als Alternative für den zwischen den europäischen Metropolen hin und her pendelnden Easyjetset.

Von den Fünfziger- bis Achtzigerjahren gab es in Europa bereits Trans-Europ-Express-Züge (TEE). Seitdem fahren Eurocity-Züge in grenzüberschreitenden Fernverbindungen.

apr/Reuters