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Nur jeder fünfte soll fahren Deutsche Bahn rechnet mit Ausfall von 80 Prozent der Fernzüge

Die Deutsche Bahn erwartet durch den geplanten Warnstreik der Lokführer massive Auswirkungen auf den Zugverkehr. Süddeutschland dürfte es wegen der anhaltenden Probleme durch den Schneefall besonders hart treffen.
Reisender am Münchner Hauptbahnhof: Deutsche Bahn empfiehlt, Fahrten zu verschieben

Reisender am Münchner Hauptbahnhof: Deutsche Bahn empfiehlt, Fahrten zu verschieben

Foto: Sven Hoppe / dpa

Es drohen Zugausfälle und Verspätungen: Die Deutsche Bahn will wegen des Warnstreiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nur einen Bruchteil der Züge fahren lassen.

Ab diesem Donnerstagabend könnten voraussichtlich erneut bloß rund 20 Prozent des Fernverkehrs aufrechterhalten werden, sagte Bahnsprecher Achim Stauß. In einigen Regionen Deutschlands dürfte es wegen des winterlichen Wetters noch schlechter aussehen. »Das wird im Raum München noch nicht wirklich klappen«, sagte der Bahnsprecher. »Aber insgesamt ist das unser Ziel.«

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Im Regionalverkehr erwarte die Bahn aufgrund des Warnstreiks große Unterschiede je nach Region. In Bayern werde der Verkehr aufgrund der Witterung weitgehend zum Erliegen kommen. Anderswo sei das nicht der Fall, sagte Stauß. Die S-Bahn Hamburg jedoch teilt bereits mit: »Es wird zu massiven Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr kommen.« In Nordrhein-Westfalen hat die DB Regio einen Notfallfahrplan für ihre Linien aufgestellt.

Im Güterverkehr gibt es laut Bahn aufgrund des Wintereinbruchs im Süden Deutschlands bereits jetzt einen Stau von Hunderten Zügen. Der Warnstreik werde die Situation weiter verschärfen, hieß es. Auswirkungen würden auch über das Wochenende hinaus zu spüren sein.

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Bahn begrüßt Weihnachtsfrieden der GDL

Die GDL hatte am Mittwochabend zum zweiten Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt mit der Bahn und dem Wettbewerber Transdev aufgerufen. Im Personenverkehr soll es am Donnerstagabend um 22 Uhr losgehen, im Güterverkehr bereits um 18 Uhr. Am Freitagabend um 22 Uhr soll der Warnstreik enden. Die Bahn empfiehlt ihren Fahrgästen erneut, Reisen zu verschieben oder auf Fahrten am Donnerstag und Freitag zu verzichten.

Gewerkschaftschef Claus Weselsky hatte auch angekündigt, dass es der letzte Warnstreik in diesem Jahr sein soll. Bis einschließlich 7. Januar solle es keine weiteren Arbeitskämpfe geben, sagte er dem Sender MDR. Die Gewerkschaft lässt derzeit per Urabstimmung ihre Mitglieder über unbefristete Streiks abstimmen. Das Ergebnis wird für den 19. Dezember erwartet.

Die Deutsche Bahn hat die Ankündigung der Lokführergewerkschaft GDL begrüßt, abgesehen vom kommenden Warnstreik auf weitere Arbeitskämpfe bis Januar zu verzichten. Die Gewerkschaft habe mit diesem Weihnachtsfrieden den »Weg der Besinnung eingeschlagen«, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler.

Die Tarifrunde zwischen Bahn und GDL hatte offiziell Anfang November begonnen. Als Knackpunkt gilt bislang vor allem die Forderung der Lokführer, bei vollem Lohnausgleich die Wochenarbeitszeit von derzeit 38 Stunden auf 35 zu reduzieren. Die Bahn lehnte dies angesichts des Fachkräftemangels als nicht machbar ab, woraufhin die GDL die Verhandlungen für gescheitert erklärte. Derzeit läuft deshalb eine Urabstimmung der Gewerkschaftsmitglieder über häufigere und längere Streiks.

Die Bahn hatte vorgeschlagen, den Beschäftigten schon im Dezember 2000 Euro des Inflationsausgleichs zu zahlen, wenn vom 15. Dezember bis zum 7. Januar nicht gestreikt werde. Die GDL lehnte dies aber zunächst ab. Weselsky verwies auf die Auszählung der Urabstimmung. Wenn 75 Prozent der Abstimmungsteilnehmer zustimmen, dann sind unbefristete Streiks möglich.

Pünktlich zum Bahnstreik berichtet das »Handelsblatt« über eine stark wachsende Unzufriedenheit der Verbraucher mit der Deutschen Bahn. Insbesondere im Bahnverkehr hätten 2023 die Beschwerden massiv zugenommen, heißt es unter Berufung auf vorläufige Zahlen der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Bis zum Stichtag 1. Dezember seien bei der Einrichtung 4978 Verbraucherbeschwerden eingegangen – vor allem wegen Zugausfällen und -verspätungen. Das entspricht einem Anstieg um rund 47 Prozent im Vergleich zu 2022.

apr/dpa/AFP