Klammer Staatskonzern Bahn-Chef Lutz muss erneut zum Rapport bei Verkehrsminister Scheuer

Wieder muss die Bahn-Spitze beim Verkehrsminister antreten. Zu besprechen gibt es viel: Verspätete Züge, Personalmangel, marode Infrastruktur. Wie kann die Bahn gerettet werden?

ICE im Frankfurter Hauptbahnhof
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ICE im Frankfurter Hauptbahnhof


Die Bundesregierung verlangt einen umfassenden Konzernumbau: Verkehrsminister Andreas Scheuer und die Führung der Deutschen Bahn sind erneut zu Gesprächen über Wege aus der Krise des Staatskonzerns zusammengekommen. Bahn-Chef Richard Lutz soll konkrete Maßnahmen vorstellen, wie die Züge pünktlicher und der Service verbessert werden können.

CSU-Minister Scheuer hatte nach einem ersten Treffen am Dienstag in Berlin gesagt, für Bahn-Kunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben. Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Der Konzern verfehlte sein Ziel damit deutlich.

Lesen Sie hier: Was bei der Deutschen Bahn alles schiefläuft

Der Bahn-Vorstand hatte im Dezember eine "Agenda für eine bessere Bahn" mit Dutzenden Einzelmaßnahmen vorgelegt. Doch die Bundesregierung fordert von der Bahn auch ein umfassendes Konzept, wie das Unternehmen neu aufgestellt werden kann. Unter anderem gibt es Überlegungen, die profitable Auslandstochter DB Arriva zu verkaufen, um Geld für Züge und Gleisnetz in Deutschland zu bekommen.

Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht weitere Milliarden, etwa zur Modernisierung ihres Netzes. Bis zum Jahr 2022 benötigt der Konzern fast fünf Milliarden Euro zusätzlich. Allein 2019 fehlen dabei laut Aufsichtsrat 2,2 Milliarden Euro für dringende Investitionen.

Fahrgastverband: Größte Bahnprobleme nur langfristig lösbar

Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte vor dem Treffen vor zu hohen Erwartungen. Schnelle Lösungen könnten auch bei dem Treffen nicht gefunden werden, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. "Das meiste ist nur langfristig zu machen."

Relativ schnell könne die Deutsche Bahn mehr Personal einstellen, etwa für eine bessere Wartung der Züge oder um mehr Lokführer zur Verfügung zu haben, sagte Naumann. Aber selbst das werde erst nach einem halben oder Dreivierteljahr wirksam, denn die neuen Mitarbeiter müssten erst einmal eingearbeitet werden. Bei der Information der Fahrgäste bei Störungen im Zugverkehr sowie in der Organisation, etwa bei Baustellenfahrplänen, könne man die Abläufe rasch verbessern.

Die meisten anderen Schwierigkeiten ließen sich nur langfristig und mit mehr Geld beheben. Den schleppenden Ausbau stark belasteter Strecken könne man nicht der Bahn ankreiden. Vielmehr hätten es Bundes- und Landespolitiker jahrelang versäumt, sich um die Infrastruktur der Schiene zu kümmern. "Die Probleme sind bekannt, die Projekte müssen nur umgesetzt werden", sagte Naumann.

Andreas Scheuer
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Andreas Scheuer

Der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege, sagte, ohne eine Stärkung des Schienengüterverkehrs könne die Bundesregierung ihre verkehrs- und umweltpolitischen Ziele nicht erreichen. "Ich verstehe die Klagen über schlechte Pünktlichkeitswerte im Personenverkehr. Nach meinem Eindruck aber konzentriert sich die politische Debatte zu sehr auf die Probleme der im Fernverkehr Reisenden." Nur wenn die Bundesregierung den Schienenverkehr insgesamt stärke, könne eine Trendwende gelingen.

apr/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
elshi 17.01.2019
1. Erstaunlich, wie lange es bis zu der Erkenntnis gedauert hat.
Daß es bei der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hapert, konnte man schon vor Jahren feststellen, aber da hatte die Bahn ja noch ihre eigene Defintion von derlei Dingen. Aber so gehts nun mal, liebe Politiker/innen, wenn ihr meint, Dinge, die der Steuerzahler schon einmal bezahlt hat, eben diesem in Form von Aktien noch einmal zu verkaufen, dann kommen auf Gewinn ausgerichtete Unternehmen raus und da sind sich Aktionäre und Manager halt selbst die Nächsten. Kunde und Service kosten nur Geld und nerven. Aber, liebe Politiker/innen, der Bürger schießt ja gerne seine Steuergelder zu, wenn eure Privatisierungsexperimente nicht so rund laufen, gell?
joe_ 17.01.2019
2.
Geht es bei diesen Gesprächen nicht eher darum, welchen Posten Herr Scheuer wann bei der Bahn bekommt? Siehe Pofalla.
Spiegelleserin57 17.01.2019
3. ach ja...
die Groko hat jahrelang die Probleme bei der Bahn geduldet da sie davon wusste! Man kann nicht von einem Manager erwarten dass er die Probleme die jahrelang akzeptiert wurden nun plötzlich in ein paar Monaten behebt. Die Bahn hat viel zu wenig Personal. Das hat die Groko verschlafen! Nun wo die Bahn kaum mehr funktioniert muss alles ganz schnell behoben werden. Herr Scheuer sollte mal in sein eigenes Ministerium schauen was alles schief gelaufen ist ( sieh auch Diesel) und nun auch nicht so einfach zu beheben ist. Sein Vorgänger sollte mal einberufen werden!
spaceagency 17.01.2019
4. grösstes Netz und kleinste pro Kopf Investitionen
über die Jahre. Das leuchtet jedem Kind ein, dass das nicht funktioniert
karlo1952 17.01.2019
5. Beim Verkehrsminister fangen doch die Probleme bereits an.
Solange hier, warum auch immer, ein CSU-Politiker den Verkehr regelt wird es keine grossen positiven Veränderungen bei der Bahn geben. Die Lobbyarbeit der Kfz- und Tranportindustrie hat hier zu viel Einfluss.
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