Ehemaliger Konzernchef Grube begründet Rücktritt mit Bauernhof-Weisheit

Bahn-Chef war sein absoluter Traumjob - und trotzdem schmiss Rüdiger Grube am Montag plötzlich hin. In einem Schreiben an die Belegschaft liefert er nun seine Begründung: Schuld war demnach der Aufsichtsrat.

Rüdiger Grube in der ersten Klasse eines ICE (Archivbild)
AFP

Rüdiger Grube in der ersten Klasse eines ICE (Archivbild)


Mit seiner Entscheidung, als Bahn-Chef zurückzutreten, hat Rüdiger Grube nicht nur den Aufsichtsrat, Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und die Belegschaft überrumpelt, er selbst hat die Entscheidung offenbar aus dem Bauch heraus getroffen.

Den Rückschluss lässt zumindest ein Brief zu, den Grube am Dienstag an die 300.000 Mitarbeiter des Staatskonzerns geschickt hat. Der 65-Jährige entschuldigt sich in dem Schreiben für den unangekündigten Entschluss, erklärt aber, wie es aus seiner Sicht dazu kam, dass er seinen Traumjob von jetzt auf gleich hingeschmissen hat: "Nachdem ich vom Personalausschuss die Zusage hatte, dass mein Vertrag um drei Jahre bis zum 31.12.2020 verlängert wird, und man dann in der gestrigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mir diese bereits erteilte Zusage auf zwei Jahre kürzen wollte, obwohl ich auf Gehaltssteigerung und Abfindung verzichtet hätte, musste ich eine klare Entscheidung treffen." Der Konzern benötige "dringend Kontinuität in der Führung, Ruhe, Orientierung und eine Fokussierung auf die wesentlichen Themen".

Der Manager bittet die Mitarbeiter in dem kurzen Schreiben um Verständnis für seinen Entschluss. Er begründet den plötzlichen Abgang auch mit seiner Herkunft. Da er "vom Bauernhof" komme, habe er gelernt, "was Geradlinigkeit und zu seinem Wort zu stehen bedeuten".

Brief von Rüdiger Grube

Brief von Rüdiger Grube

Grubes Brief ist zwar in einem versöhnlichen Tonfall geschrieben, allerdings lässt er den Aufsichtsrat unter Leitung von Utz-Hellmuth Felcht nicht besonders gut aussehen. Felcht wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, die Sitzung nicht im Griff gehabt zu haben. Der Aufsichtsrat habe seinen Beschluss "einstimmig, eindeutig und einvernehmlich" gefällt, sagte er der "Zeit".

Inzwischen hat sich auch der restliche Vorstand der Bahn an die Belegschaft gewandt: Die Manager dankten Grube "für die vielen Jahre guter und intensiver Zusammenarbeit, die von gegenseitigem Vertrauen, Wertschätzung und Freundschaft geprägt waren". In seiner Zeit als Vorstandschef habe er das Unternehmen mit großer Leidenschaft und unermüdlichem Engagement geführt. Grube habe viel daran gelegen, dass die Mitarbeiter auf ihre DB stolz sein können.

yes/böl

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