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10. Juni 2016, 14:12 Uhr

Deutsche Bahn

High Noon im Bahntower

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Die Deutsche Bahn kommt nicht zur Ruhe. Vorstandschef Grube verliert nach SPIEGEL-Informationen zusehends den Rückhalt des Aufsichtsrats. Eine Schlüsselrolle im Bahntower spielt Ex-Kanzleramtschef Pofalla.

Rüdiger Grube hat vor Kurzem einen bemerkenswerten Satz gesagt. "Ich bin meinem Vertrag noch nie hinterhergelaufen", ließ er wissen, als mal wieder die Frage im Raum stand, wie lange er denn noch Bahn-Chef bleiben wolle.

Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass Grube seinen Vertrag gern über das Jahresende 2017 hinaus verlängern würde - und in der Politik bereits seit Längerem sehr engagiert für sein Anliegen wirbt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Seit Mai 2009 ist Grube im Amt, und würde er tatsächlich zwei Jahre dranhängen, ginge er als jener Vorstandschef in die jüngere Geschichte des größten Staatskonzerns ein, der es am längsten in dem Job ausgehalten hat. Bisher hält sein Freund und Förderer Hartmut Mehdorn den Rekord.

Im Video: Das sind die Probleme der Bahn

Allerdings muss Grube damit leben, dass er angesichts der Vielzahl ungelöster Probleme und immer neuer gebrochener Versprechen zusehends das Vertrauen des Aufsichtsrates verliert . "Wenn wir frei über Grube abstimmen dürften, wäre er seinen Job wohl los", sagte ein einflussreiches Mitglied des Kontrollgremiums dem SPIEGEL. Das ist ein hartes Urteil - aber zumindest vorerst wohl auch ein folgenloses. Schließlich fügt der Aufsichtsrat an: "Doch die Personalie wird eben im Kanzleramt entschieden."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht zu Grube. Nicht unbedingt aus persönlicher Verbundenheit - sie interessiert sich nicht besonders für den Konzern und dürfte vor allem auf ihren wichtigsten Bahnflüsterer hören: den ehemaligen Kanzleramtschef Ronald Pofalla. Der wiederum kann über Grube nichts Schlechtes sagen. Im Gegenteil. Pofalla hat dank Grube bei der Bahn inzwischen eine hübsche Karriere hingelegt, die sich zumindest für seine privaten Finanzen als überaus erfolgreich erweist.

Pofalla kontra Kefer

Und Pofalla, dem Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz nachgesagt werden, hat Interesse daran, dass Grube es noch ein bisschen in seinem Büro aushält. Für Pofalla käme der Schritt an die Konzernspitze Ende 2017 zu früh. Profitieren würde der 57-Jährige allerdings, wenn sein drei Jahre älterer und ärgster Konkurrent um die Grube-Nachfolge aus dem Weg geräumt würde: Volker Kefer. Der wiederum ist als Vize-Vorstandschef der zweitmächtigste Mann im Konzern.

Oder um genau zu sein: Er war es. Kefer hat sich in der jüngeren Vergangenheit viele Feinde gemacht. Er ist einer der Hauptinitiatoren des Projekts "Zukunft Bahn", das dafür sorgen soll, dass die einzelnen Bereiche im unübersichtlichen Konzernreich besser zusammenarbeiten. So sinnvoll die Umbaupläne sind, man eckt damit an.

Der wachsenden Schar an Kefer-Gegnern kommt es gerade recht, dass der Manager für Stuttgart 21 zuständig ist - und vor Kurzem eingestehen musste, dass das Milliardengrab noch tiefer wird als befürchtet. Zwar steht der Aufsichtsrat Kefer grundsätzlich wohlwollend gegenüber und stützt ihn nach SPIEGEL-Informationen weiterhin. Aus dem Unternehmen verlautet jedoch, der Manager stehe derart unter Druck, dass er binnen Wochen rausfliegen könnte.

Muss Kefer tatsächlich gehen, wird von dem Makel auch etwas an Grube haften bleiben. Erst im vergangenen Jahr hatte er den Vorstand umgebaut, sich von mehreren Mitgliedern getrennt, Kefer aber gestärkt.

Pofalla dagegen wäre fein raus. Und es würde sich einmal mehr die Einschätzung bestätigen, die ein Bahner vor einiger Zeit so auf den Punkt brachte: "Der ist so ein ausgebuffter Polit-Profi, dagegen führen die anderen Manager hier Machtspielchen auf Vorschulniveau auf."

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