Krisentreffen von Bahn-Chef und Minister Nach dem Rapport ist vor dem Rapport

Wie kann die Bahn wieder pünktlicher werden? Bei einem Krisentreffen mit Verkehrsminister Scheuer hat Bahn-Chef Lutz erste Maßnahmen vorgestellt. Das Problem: Das Papier enthält im Wesentlichen bekannte Punkte.

IC im Bahnhof von Hannover
DPA

IC im Bahnhof von Hannover


Die Deutsche Bahn will mit einem Maßnahmenpaket die Pünktlichkeit ihrer Züge und den Service verbessern. Das sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nach einem erneuten Treffen mit der Bahn-Spitze. So sollen auf besonders stark befahrenen Strecken Engpässe, die sich auf das gesamte Netz auswirken, durch ein besseres Management verringert werden, sagte der CSU-Politiker. Außerdem sollen Züge schneller gewartet und Kunden besser über Verspätungen oder Gleiswechsel informiert werden.

Zu dem Paket gehören allerdings vor allem Punkte, die bereits bekannt sind - zum Beispiel, dass die Deutsche Bahn in diesem Jahr 22.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellen will.

Scheuer zeigte sich zufrieden mit dem von der Führung des bundeseigenen Konzerns um Vorstandschef Richard Lutz vorgelegte Paket. Er hatte nach einem ersten Treffen mit der Bahn am Dienstag gesagt, für Bahn-Kunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben. Neu ist, dass die Bahn sich stärker als bisher darauf konzentrieren will, Engpässe an besonderes neuralgischen Punkten im Netz zu verringern.

Andreas Scheuer nach dem Treffen
DPA

Andreas Scheuer nach dem Treffen

Zudem sollen laut Paket fünf Prozent mehr ICE-Züge - täglich mindestens 225 - einsatzbereit sein. Die Bahn will auch die Mitarbeiterteams verdoppeln, die sich um die pünktliche Abfahrt von Zügen kümmern.

Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Scheuer dämpfte nach dem Treffen Erwartungen. Die Pünktlichkeit der Züge könne nicht so schnell von 75 auf 95 Prozent gesteigert werden, weil es Kapazitätsengpässe gebe.

Pro Bahn: Die Mitarbeiter "müssen sie erst einmal bekommen"

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat zurückhaltend auf die neuen Vorschläge der Deutschen Bahn für mehr Zuverlässigkeit reagiert. Es sei sinnvoll, mehr Mitarbeiter einzustellen, "aber die müssen sie auf dem Arbeitsmarkt erst einmal bekommen, dann anlernen oder ausbilden. Das dauert. Die stehen also frühestens in einem halben oder einem Jahr zur Verfügung", sagte der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, dem Radiosender 105'5 Spreeradio. Das Störungsmanagement könne die Bahn zwar verbessern, "aber das nutzt wenig, wenn es dann an der Infrastruktur fehlt".

Der Bahn-Vorstand hatte im Dezember eine "Agenda für eine bessere Bahn" mit Dutzenden Einzelmaßnahmen vorgelegt. Doch die Bundesregierung fordert von der Bahn auch ein umfassendes Konzept, wie das Unternehmen neu aufgestellt werden kann. So gibt es Überlegungen, die profitable Auslandstochter DB Arriva zu verkaufen, um Geld für Züge und Gleisnetz in Deutschland zu bekommen.

Finanzierung soll am 30. Januar thematisiert werden

Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht weitere Milliarden, etwa zur Modernisierung ihres Netzes. Bis zum Jahr 2022 benötigt der Konzern fast fünf Milliarden Euro zusätzlich. Allein 2019 fehlen dabei laut Aufsichtsrat 2,2 Milliarden Euro für dringende Investitionen. Scheuer sagte: "Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren."

Der Minister kündigte ein erneutes Treffen mit der Bahn-Spitze für den 30. Januar an. Dann soll es um die Finanzierung der Bahn sowie Strukturen des Konzerns gehen.

apr/dpa/Reuters

insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
heineken1 17.01.2019
1.
Zitat 'Allein 2019 fehlen dabei laut Aufsichtsrat 2,2 Milliarden Euro für dringende Investitionen. Scheuer sagte: "Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren."' Wer hat da gepennt oder wer wirft wieder einmal Nebelkerzen? Infrastruktur-Investitionen obliegen zum größten Teil dem Bund! Die werden zu diesem größten Teil überhaupt nicht von der DB AG bezahlt. Außer das Architektenwunder im Stutengarten natürlich: da haben die Vorgänger von Lutz (resp. er selbst während seiner Zeit als Zahlenmensch bei der DB - seit 2003 Leitung Controlling, seit 2010 Finanzvorstand) die Lunte angezündet, die jetzt die Bilanzen alleine wegen dieser Jahrhundert-Bausünde sprengt. Insofern muß man auch zur Personalie Lutz wohl leider sagen: Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.
schnubbeldu 17.01.2019
2. Was soll sich ändern?
Wenn man es mit dem Diesel-Abgasskandal vergleicht, wird sich nichts ändern. Rein garnichts! Sorry, aber da muss ich dem ProBahn-Chef Recht geben, denn erstmal müssen die das fehlende Personal auf dem Arbeitsmarkt finden. Insbesondere zu den Konditionen, die man neuen Mitarbeitern bietet wird dies noch eine schöne Hürde sein! Auch wie sollen Kapazitätsprobleme binnen wenigen Jahren gelöst werden? Schauen Sie sich mal die Diskussion rings um die Neubahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim an. Da wird seit 2 Jahren auch mit Bürgerbeteiligung diskutiert, bis HEUTE liegt keine Lösung auf dem Tisch, im Gegenteil, seit August 2018 sind vorerst weitere Arbeitsgruppentreffen auf Eis gelegt weil NICHTS klar ist. Was soll dies? Sieht so die Zukunft unserer Bahn aus? Verkehrswegeplan 2030 bedeutet, dass nicht bis 2030 dies umgesetzt ist, sondern dass man 2030 feststellt was nicht realisiert wurde.
streckengeher 17.01.2019
3. Wir brauchen die Bahnreform 2.0!
Beim Spiegel scheint keiner der Redakteure fähig, die eigentlichen Ursachen für die Misere der DB zu beleuchten. Dabei liegen die auf der Hand. Bei der Bahnreform 1994 wurden von der Politik Kardinalfehler gemacht, die sie seitdem weder eingesteht noch korrigiert. Bevor das nicht passiert, ist aber alles nur Herumdocktern an Symptomen. Die fehlende Trennung von Netz und Betrieb ist so eine Ursache. Sie behindert den Wettbewerb, und die gewinnorientierte Führung des Netzes hat zu einem dramatischen Abbau der Infrastruktur geführt, der heute eine der Hauptursachen der Verspätungen ist. Oder die Forderung der "Eigenwirtschaftlichkeit" des Fernverkehrs; die hat zum Rückzug des Fernverkehrs aus ganzen Regionen geführt - die Forderung der Eigenwirtschaftlichkeit ist Unsinn, kein anderes europäisches Land hat solch ein unsinniges Dogma. Also wann endlich bekommen wir eine Bahnreform 2.0, mit der diese Geburtsfehler behoben werden? Wann endlich redet der Spiegel auch mal darüber?
m.klagge 17.01.2019
4. Rapport an so etwas wie diesen Hernn Scheuer?
Was soll das bringen einem leitenden Angestellten des politischen Arms der Familie Quandt zu "rapportieren"? Immerhin gibt sich die geneigte Presse Mühe ihrem Anzeigenkunden zu gefallen. Allein die wiederholte Verwendung des Wortes Papport lässt auf eine unlimitierte Loyalität gegenüber den Autokonzernen schließen.
spaceagency 17.01.2019
5. ich kann es mir nicht verkneifen
die DB ist verschuldet und hat nicht mal Eigenmittel zum investieren....die italienische FS hat in ihrem Finanzplan jährluche investitionen von 9.4 Milliarden bis 2027. JÄHRLICH!! Die Hälfte steuert sie aus Eigenmittel bei. 9.4 Milliarden für 18.000 km Netz. SPON täte gut daran Zahlen zu nennen, Fakten, Bauvorhaben im Ausland. Da wird gebohrt und gebaut und investiert. Ob Österreich, Schweiz oder Italien. In Deutschland wird Geld verlocht in den unsinnigsten Bahnhof weit und breit. Ein Betrag der die Kosten des Gotthardbasistunnel überschreiten werden für eine Stadt mit dem halben Passagieraufkommen Zürichs. So dumm muss man ersmals sein
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.