Krisentreffen von Bahn-Chef und Minister Nach dem Rapport ist vor dem Rapport

Wie kann die Bahn wieder pünktlicher werden? Bei einem Krisentreffen mit Verkehrsminister Scheuer hat Bahn-Chef Lutz erste Maßnahmen vorgestellt. Das Problem: Das Papier enthält im Wesentlichen bekannte Punkte.
IC im Bahnhof von Hannover

IC im Bahnhof von Hannover

Foto: Peter Steffen/ dpa

Die Deutsche Bahn will mit einem Maßnahmenpaket die Pünktlichkeit ihrer Züge und den Service verbessern. Das sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nach einem erneuten Treffen mit der Bahn-Spitze. So sollen auf besonders stark befahrenen Strecken Engpässe, die sich auf das gesamte Netz auswirken, durch ein besseres Management verringert werden, sagte der CSU-Politiker. Außerdem sollen Züge schneller gewartet und Kunden besser über Verspätungen oder Gleiswechsel informiert werden.

Zu dem Paket gehören allerdings vor allem Punkte, die bereits bekannt sind - zum Beispiel, dass die Deutsche Bahn in diesem Jahr 22.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellen will.

Scheuer zeigte sich zufrieden mit dem von der Führung des bundeseigenen Konzerns um Vorstandschef Richard Lutz vorgelegte Paket. Er hatte nach einem ersten Treffen mit der Bahn am Dienstag gesagt, für Bahn-Kunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben. Neu ist, dass die Bahn sich stärker als bisher darauf konzentrieren will, Engpässe an besonderes neuralgischen Punkten im Netz zu verringern.

Andreas Scheuer nach dem Treffen

Andreas Scheuer nach dem Treffen

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Zudem sollen laut Paket fünf Prozent mehr ICE-Züge - täglich mindestens 225 - einsatzbereit sein. Die Bahn will auch die Mitarbeiterteams verdoppeln, die sich um die pünktliche Abfahrt von Zügen kümmern.

Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Scheuer dämpfte nach dem Treffen Erwartungen. Die Pünktlichkeit der Züge könne nicht so schnell von 75 auf 95 Prozent gesteigert werden, weil es Kapazitätsengpässe gebe.

Pro Bahn: Die Mitarbeiter "müssen sie erst einmal bekommen"

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat zurückhaltend auf die neuen Vorschläge der Deutschen Bahn für mehr Zuverlässigkeit reagiert. Es sei sinnvoll, mehr Mitarbeiter einzustellen, "aber die müssen sie auf dem Arbeitsmarkt erst einmal bekommen, dann anlernen oder ausbilden. Das dauert. Die stehen also frühestens in einem halben oder einem Jahr zur Verfügung", sagte der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, dem Radiosender 105'5 Spreeradio. Das Störungsmanagement könne die Bahn zwar verbessern, "aber das nutzt wenig, wenn es dann an der Infrastruktur fehlt".

Der Bahn-Vorstand hatte im Dezember eine "Agenda für eine bessere Bahn" mit Dutzenden Einzelmaßnahmen vorgelegt. Doch die Bundesregierung fordert von der Bahn auch ein umfassendes Konzept, wie das Unternehmen neu aufgestellt werden kann . So gibt es Überlegungen, die profitable Auslandstochter DB Arriva zu verkaufen, um Geld für Züge und Gleisnetz in Deutschland zu bekommen.

Finanzierung soll am 30. Januar thematisiert werden

Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht weitere Milliarden, etwa zur Modernisierung ihres Netzes. Bis zum Jahr 2022 benötigt der Konzern fast fünf Milliarden Euro zusätzlich. Allein 2019 fehlen dabei laut Aufsichtsrat 2,2 Milliarden Euro für dringende Investitionen. Scheuer sagte: "Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren."

Der Minister kündigte ein erneutes Treffen mit der Bahn-Spitze für den 30. Januar an. Dann soll es um die Finanzierung der Bahn sowie Strukturen des Konzerns gehen.

apr/dpa/Reuters
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