Einstellungsoffensive Deutsche Bahn sucht 20.000 neue Mitarbeiter

Der Personalbedarf der Bahn entspricht mittlerweile rechnerisch der Einwohnerzahl einer Kleinstadt. Grund dafür sind nicht nur ehrgeizige Klimaschutzziele – sondern auch die verfehlte Personalpolitik der Vergangenheit.
Bahn-Mitarbeiterin

Bahn-Mitarbeiterin

Foto: Ralph Peters / imago images

Die Deutsche Bahn (DB) will in diesem Jahr rund 20.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. »Für eine erfolgreiche Mobilitätswende brauchen wir viele engagierte Mitarbeitende«, erklärte DB-Personalvorstand Martin Seiler. Eisenbahner zu werden sei noch immer ein interessanter Job. »Die Faszination für Technik und Eisenbahn ist ungebrochen«, so Seiler. Bisher hatte das Einstellungsziel für 2021 bei »mindestens 18.000« gelegen.

Bis Ende Mai gab die Bahn nach eigenen Angaben bereits mehr als 15.000 Einstellungszusagen. So wurden im Bereich Bauprojektmanagement und Bauüberwachung rund 1500 Mitarbeiter eingestellt, weitere 1300 Zugführer bekamen ebenfalls einen Arbeitsvertrag. Außerdem traten 800 Fahrdienstleiter und 600 IT-Experten neue Stellen bei der Bahn an.

Überalterung der Belegschaft

Seiler verwies angesichts der geplanten Neueinstellungen auch auf den Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL. »20.000 neue Mitarbeitende – das entspricht der Größe einer Kleinstadt«, erklärte er. »Umso wichtiger ist es aktuell, dass die GDL-Spitze mit ihren Forderungen und Streikvorhaben unsere Einstellungspläne nicht gefährdet.«

Die offensive Personalpolitik der Bahn hat zum einen mit den ehrgeizigen Ausbau- und Klimaschutzplänen zu tun: Die Bahn will die Zahl der Passagiere innerhalb der kommenden Jahre verdoppeln. Ziel sei es, so fünf Millionen Pkw-Fahrten und 14.000 Flugreisen zu ersetzen, verspricht der Konzern auf seiner Website – pro Tag, wohlgemerkt. Daneben hat die Einstellungsoffensive aber auch einen zweiten, eher unspektakulären Grund: Die Belegschaft der Bahn gilt als überaltert.

Nach zahlreichen Sparrunden der vergangenen Jahre und Jahrzehnte hatte zuletzt fast jeder zweite Beschäftigte bereits das 50. Lebensjahr erreicht. Die rechtzeitige Verjüngung wurde allerdings versäumt – umso umfassender muss der Umbruch nun ausfallen. Rund die Hälfte der rund 200.000 Bahn-Mitarbeiter geht binnen zehn Jahren in Ruhestand.

beb/afp

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