Schlechte Geschäfte Bahn macht 1,3 Milliarden Euro weniger Umsatz als geplant

Konzernchef Rüdiger Grube hat einiges zu erklären: Nach SPIEGEL-Informationen verfehlt die Deutsche Bahn in diesem Jahr ihre Umsatzziele deutlich. Auch deshalb will der Bundestag sie nun stärker kontrollieren.

Deutsche Bahn
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Rüdiger Grube hat ein Patentrezept für Krisen, das auf wundersame Weise auch nach mehr als sieben Jahren an der Spitze der Deutschen Bahn noch funktioniert: Wenn mal wieder etwas schiefgelaufen ist, spricht er das Problem offen an - und sagt dann baldige Besserung zu.

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Heft 46/2016
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So war es auch, nachdem das vergangene Jahr trostlos geendet hatte. 2016, so Grubes Botschaft damals, werde vieles anders. Wie es aussieht, ist Grube schon bald gezwungen, erneut Probleme einzugestehen und Besserung zu geloben. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Denn der Konzern erlebt mal wieder ein enttäuschendes Geschäftsjahr. Wie aus einer internen Übersicht hervorgeht, setzte die Deutsche Bahn bis Ende August nur 26,5 Milliarden Euro um. Das sind 1,3 Milliarden Euro weniger als geplant.

In vier der acht Geschäftsfelder entwickelt sich der Umsatz sogar deutlich schlechter als vorhergesagt.

  • So galt der Bahn- und Busanbieter Arriva lange Zeit als Perle des weltumspannenden Konzerns. Doch nun verfehlt das Unternehmen die ursprünglich geforderten Zahlen um satte 10,4 Prozent.
  • Nicht viel besser sieht es bei der Logistiktochter Schenker und der Schienengüterverkehrssparte DB Cargo aus: Sie machten in den ersten acht Monaten des Jahres 7,1 beziehungsweise 5,0 Prozent weniger Umsatz als geplant. DB Cargo ist schon lange das größte Sorgenkind im Konzern. Doch eigentlich sollte 2016 die Wende gelingen.
  • Selbst der Fernverkehr, der in diesem Jahr einen deutlichen Zuwachs an Fahrgästen verbuchen kann, bleibt hinter den Prognosen zurück. Grund dafür ist der hohe Anteil an Billigtickets, mit denen die Bahn derzeit ihre Züge füllt.

Trotz dieser erneuten Rückschläge kann Konzernchef Grube damit rechnen, dass der Aufsichtsrat seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag bereits bei der nächsten Sitzung im Dezember um zwei Jahre verlängern oder ihm zumindest eine implizite Zusage geben wird. Niemand, der in der Sache etwas zu sagen hat, will eine Personaldiskussion.

Allerdings steigt der Druck auf die Bahn und auch Grube. Die undankbare Aufgabe übernehmen jedoch nicht die eigentlich zuständigen Verkehrspolitiker, sondern die Haushaltsexperten des Bundestages.

Zwar genehmigten sie am Donnerstagabend grundsätzlich eine Finanzspritze für die Bahn. Allerdings wollen sie das Geld nur nach und nach freigeben.

Dass die Haushaltspolitiker über die finanzielle Situation des Konzerns verärgert sind, lässt sich an den Seitenhieben erkennen, mit denen sie ihren Beschluss garnierten. So stellten sie unter anderem fest, dass die Bahn bei ihrer formellen Privatisierung vor rund 20 Jahren schuldenfrei war und seither viel Geld vom Bund bekommen habe. Trotzdem sei es ihr nicht gelungen, ohne neue Schulden auszukommen: "Damit ist ein wesentliches Ziel der Bahnreform verfehlt."

Außerdem forderten die Haushälter die Bundesregierung auf, einen Vorschlag für eine "strukturelle Weiterentwicklung" des Konzerns vorzulegen, um "die Einnahmeseite langfristig mit den Ausgaben in Einklang zu bringen".

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