Ex-Vorstände Bahn untersucht fragwürdige Beraterverträge

Haben frühere Bahnvorstände durch rechtswidrige Beraterverträge Geld kassiert? Das Unternehmen prüft derzeit mögliche Fehler. Offenbar wurde der Aufsichtsrat bei den Geschäften umgangen.

Marius Becker / DPA

Bei der Deutschen Bahn braut sich ein Skandal um möglicherweise rechtswidrige Beraterverträge mit früheren Vorständen zusammen. Mehr als 20 zwischen 2010 und 2018 geschlossene Verträge mit früheren Managern des Konzerns würden geprüft, darunter auch Ex-Vorstandschef Rüdiger Grube, meldete die Nachrichtenagentur Reuters zunächst unter Berufung auf Insider. Kurz darauf bestätigte das Staatsunternehmen den Fall per Pressemitteilung, ohne allerdings Namen zu nennen: Man untersuche Auffälligkeiten im Zusammenhang mit den Verträgen.

"Ich werde gemeinsam mit dem gesamten Aufsichtsrat dafür sorgen, dass der Sachverhalt ohne Ansehen der Personen vollständig aufgeklärt wird", zitiert das Unternehmen in seiner Mitteilung Aufsichtsratschef Michael Odenwald.

Wie der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, soll es sich unter anderem um Beraterverträge für einen ehemaligen Vorstand handeln, der nach seinem Ausscheiden neben Abfindungen auch lukrative Beratungsaufträge erhalten habe. Dabei ging es auch um die S-Bahn in Berlin.

Nach SPIEGEL-Informationen wurden viele Verträge offenbar ohne Genehmigung des Aufsichtsrats geschlossen, obwohl dies in der Regel der Fall sein müsste. Dies sieht man im Aufsichtsrat als "schwere Störung des Vertrauensverhältnisses", sagt Aufsichtsratschef Odenwald dem SPIEGEL. Die Verträge seien "schwebend unwirksam". Bereits gezahlte Summen müssten möglicherweise zurückgezahlt werden.

Sondersitzung des Aufsichtsrats

Der Staatskonzern hat kurzfristig den kompletten Aufsichtsrat "aus gegebenem Anlass" zu einer Telefonkonferenz einberufen. Laut Reuters soll sich das Gremium in der kommenden Woche in einer Sondersitzung mit dem Fall befassen. Der Bundesrechnungshof ist ebenfalls eingeschaltet: "Wir sind in diesem Bereich prüferisch unterwegs", bestätigte ein Behördensprecher. Einzelheiten wollte er nicht nennen.

Die Affäre kam nach SPIEGEL-Informationen ins Rollen, nachdem sich der Rechnungshof die Beratervertrage des Konzerns hat vorlegen lassen. Die Aufstellung der Beraterleistungen veranlasste Bahnchef Richard Lutz in Rücksprache mit Aufsichtsratschef Odenwald dazu, die interne Revision einzuschalten. Anschließend wurde eine externe Kanzlei mit der Prüfung beauftragt, wie das Unternehmen nun mitteilte. Die Kanzlei habe einen ersten Zwischenbericht vorgelegt.

Die Verträge, die teilweise mit bis zu 350.000 Euro vergütet wurden, sind nach SPIEGEL-Informationen mit Untergesellschaften der Bahn geschlossen worden. Es wird nun ermittelt, wer die Verträge unterschrieben und wer sie angeordnet hat. Davon könnten auch aktuelle Vorstände betroffen sein.

Der Fall trifft die Deutsche Bahn in einer schwierigen Phase. Das Unternehmen ist finanziell angeschlagen und steht wegen mangelnder Pünktlichkeit im Fernverkehr und fehlender Zuverlässigkeit im Güterverkehr unter Druck. Ende Juni wollte sich der Konzernaufsichtsrat deswegen in einer Strategiesitzung eigentlich mit der Zukunft des Unternehmens und dessen milliardenschwerer Finanzlücke befassen.

gt/stk/Reuters



insgesamt 24 Beiträge
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yvowald@freenet.de 06.06.2019
1. Controlling so schnell wie möglich einführen
Warum erfolgen derartige Aktionen immer erst dann, wenn "das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist"? Fehlt es auch bei der Deutschen Bahn - wie bei der Bundeswehr - um ein wirksames Controlling, um Schwachstellen vorbeugend zu ermitteln und finanzielle Verpflichtungen in ihrer Tragweite zu prüfen, bevor diese wirksam werden? Es scheint so, als ob jedwede Kostenkontrolle innerhalb der öffentlichen Verwaltung, wozu ich hier auch die Deutsche Bahn als bundeseigenes Unternehmen rechne, fehlt. Das ist tragisch und sollte so schnell wie möglich geändert werden, ehe sich weitere Insider an öffentlichen Mitteln bereichern.
K. Behnert 06.06.2019
2. Unregelmässigkeiten bei der DB....
..... sind doch wie alles andere bisher (siehe Verteidigungsministerium) Petitessen. Da hilft doch immer einer dem anderen. Das sind doch alles Kollegen, die, wenn sie die politische Bühne verlassen, bei bundeseigenen Unternehmen für ein gutes Zubrot ihren Lebensunterhalt aufbessern. Das sind doch alles Leute, die sich um das Wohl des Deutschen Volkes verdient gemacht haben. Da wird keiner bestraft oder gar dazu aufgefordert, Geld zurückzuzahlen. So etwas geht doch gar nicht.
eckawol 06.06.2019
3. Bahn und / oder BuWe,
beides sind staatliche Institutionen mit 2 zuständigen Bundesministerien : Bahn - Verkehrsministerium ; BuWe - Verteidigungsministerium . Dass die Bahn als privatwirtschaftliche Aktiengesellschaft firmiert und (des-) organisiert ist, macht im Grundsatz keinen Unterschieht zum Berater-Skandal bei der BuWe.
techniker6 06.06.2019
4. Glückwunsch
Zum transparenten und offenen Umgang mit dem Thema. Sollte dich das Verteidigungsministerium und der Verfassungsschutz mal eine Scheibe von abschneiden. Bleibt zu hoffen, dass auch die richtigen Konsequenzen gezogen werden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
mainzelmann62 06.06.2019
5. Beratungsverträge
..die Bahn sollte sich mal beraten lassen, wie man Mitarbeiter so motiviert, das auch ein Anreiz vorhanden ist, damit Züge halbwegs zuverlässig und pünktlich fahren. Auch die ständigen Ausfälle im Fernzugbereich sind eine Frechheit. Auch sollte die DB schneller Entscheidungen treffen. Wenn ein Gleis z. B. am Frankfurter Hbf belegt ist, vergehen oft 10 Minuten, bis eine Entscheidung getroffen wurde, das der Zug auf ein anderes Gleis einfährt. Und das meist bei vielen freien Gleisen. Da muss doch jemand bei der Transportleitung ständig Pausen machen oder streiken.
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