Hochdotierte Deals Bahn verbietet Beraterverträge für Ex-Manager

Die Deutsche Bahn will ausscheidende Top-Entscheider künftig nicht mehr mit lukrativen Deals für Beratertätigkeiten ausstatten. Die Praxis hatte bisher viele Millionen Euro verschlungen.
Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin: "Die Praxis der Vergangenheit wird abgestellt"

Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin: "Die Praxis der Vergangenheit wird abgestellt"

Foto: Lisa Ducret/ DPA

26 Verträge von ehemaligen Beratern hatte die Bahn zuletzt unter die Lupe genommen, darunter auch drei ehemalige Konzernvorstände. Das Ergebnis war offenbar eindeutig - immerhin gilt nun eine neue Regelung: Die Deutsche Bahn will ehemalige Manager in Zukunft nicht mehr mit Beraterverträgen versorgen.

Wie der Aufsichtsrat nach seiner Sitzung in Berlin mitteilte, sollen ab sofort Beraterverträge für frühere DB-Manager grundsätzlich untersagt sein. Die Reglung gilt auch für Verträge mit "Personen mit politisch exponierter Stellung". "Für uns steht fest: Die Praxis der Vergangenheit wird abgestellt", erklärte Aufsichtsratschef Michael Odenwald.

Die Bahn stand in der Vergangenheit bereits häufiger wegen hoher Kosten für Beraterverträge in der Kritik. Medienberichten zufolge zahlte der Staatskonzern zwischen 2015 und 2018 mehr als 500 Millionen Euro an Beratungsfirmen.

Der Konzern hatte seit Anfang Juni auffällige Beraterabmachungen untersucht, die ehemalige Topmanager in den Jahren von 2010 bis 2018 ohne Beteiligung des Aufsichtsrates erhalten hatten.

In einem Fall machte das Gremium den Weg für Rückforderungen von Honoraren von einem Ex-Vorstand einer Tochtergesellschaft frei. Er soll für den mit über 300.000 Euro dotierten Kontrakt keine ausreichenden Leistungen geliefert haben.

In einem Fall wurde dem Untersuchungsbericht zufolge, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, ein Vertrag pflichtwidrig am Aufsichtsrat des Konzerns vorbei geschlossen.

Mit Hybrid-Anleihen gegen die Lücken in der Finanzierung

Aufsichtsratskreisen zufolge befasste sich das Gremium am Mittwoch zudem mit der milliardenschweren Finanzierungslücke bei der Bahn. Diese soll nun teilweise mit sogenannten Hybrid-Anleihen über zwei Milliarden Euro geschlossen werden. Diese werden formal nicht auf die Verschuldung sondern auf das Eigenkapital angerechnet.

Da die Bahn ihre vom Bundestag vorgegebenen Verschuldungsgrenze von 20,4 Milliarden Euro praktisch erreicht hat, wird diese so offiziell nicht überschritten. Faktisch sind aber auch diese Anleihen Schulden, für die zudem höhere Zinsen fällig sind als für normale Bonds.

Den Rest der Finanzlücke von insgesamt gut fünf Milliarden Euro will die Bahn über den Verkauf oder Börsengang der Nahverkehrstochter Arriva schließen. In Kreisen des Aufsichtsrats hieß es, voraussichtlich im November werde das Gremium in einer Sondersitzung darüber entscheiden. Als besonders interessiert gelten die Finanzinvestoren Carlyle und Apollo.

jok/Reuters/AFP
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