Kürzung der Bahnangebote Scheuer fordert Bundesländer auf, Sonderfahrpläne zu erstellen

Der Regionalverkehr soll eingeschränkt werden. Bundesverkehrsminister Scheuer hat seine Länderkollegen entsprechen angewiesen, Baden-Württemberg und Niedersachsen wollen das nach SPIEGEL-Informationen bald umsetzen.
Regionalbahn am Hauptbahnhof von Frankfurt am Main: Leben in leeren Zügen

Regionalbahn am Hauptbahnhof von Frankfurt am Main: Leben in leeren Zügen

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Coronakrise sorgt für leere Züge im ganzen Land. In Baden-Württemberg ist die Auslastung des Regionalverkehrs stellenweise auf 25 Prozent gesunken. Nicht unbedingt ein Nachteil: Die Menschen haben Platz, sich in den Zügen so zu verteilen, dass mindestens ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten wird. So, wie es die Gesundheitsbehörden raten.

Bislang verkehren die Züge noch nach dem regulären Fahrplan. Doch das wird sich in den nächsten Tagen ändern. Gestern Abend hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einer Telefonschalte nach Informationen des SPIEGEL seine Landeskollegen dazu aufgerufen, ihre Verkehrsverbünde anzuweisen, reduzierte Sonderfahrpläne zu erstellen. Bereits am Wochenende meldete der SPIEGEL Planungen für gekürzte Fahrpläne.

Als eines der ersten Bundesländer soll Baden-Württemberg an diesem Mittwoch der Bitte Scheuers nachkommen. Man wolle verkünden, die Zahl der Regionalzüge zu reduzieren, heißt es aus der Stuttgarter Landesregierung. Der Grüne Verkehrsminister Winfried Herrmann sieht sich mit der Situation konfrontiert, dass viele Lokführer sich vom Dienst abmelden. "Deshalb wird es ohnehin schwierig für uns, das Angebot aufrechtzuerhalten", heißt es aus der Regierung.

Die Verkehrsverbünde des Landes arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, Sonderfahrpläne zu erstellen, damit die Bürger einen reduzierten, aber regelmäßigen Service geboten bekommen. "Es hilft den Menschen, wenn sie wissen, wann der Zug kommt", so ein Regierungsbeamter. Die Planung könne noch ein paar Tage Zeit in Anspruch nehmen.

Wie sich andere Bundesländer verhalten, ist noch offen. In der Telefonkonferenz mit Scheuer äußerten vor allem die Minister aus dem Norden Bedenken. Wer den Fahrplan reduziert, nehme in den Bahnen größeres Gedränge in Kauf. Dies wiederum wäre nachteilig im Bestreben, die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen.

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In Niedersachsen kämpft Verkehrsminister Bernd Althusmann deshalb darum, den Normalbetrieb fortsetzen zu können. "Unser Ziel ist es, das Angebot für die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere für die Pendler, so gut es geht aufrechtzuerhalten", sagte er dem SPIEGEL. Der Zugverkehr müsse voraussichtlich bald reduziert werden und auf einen Sonderfahrplan umgestellt werden. "Wir wollen aber auf jeden Fall in Niedersachsen die wichtigen Orte werktags tagsüber im Stundentakt bedienen und für die Pendler ein vernünftiges Angebot in der Hauptverkehrszeit sichern", sagt der CDU-Mann. Streichen wolle man vor allem in den Randzeiten, am späten Abend und am Wochenende.

Lokführer sollen als systemrelevant eingestuft werden

Gleiches solle auch für die Verbindungen über sein Bundesland hinaus gelten. Althusmann berichtet, dass er mit den neun Verkehrsverbünden sowie auch den Transportunternehmen in engem Kontakt steht. "Auch auf Bundesebene stimmen wir uns sehr eng ab", sagte Althusmann. Doch in Niedersachsen habe man ebenfalls Probleme, genügend Busfahrer, Lokführer und Mitarbeiter in den Stellwerken zu organisieren.

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Der CDU-Mann setzt sich deshalb dafür ein, dass diese Berufsgruppen als systemrelevant eingestuft werden. So könnten ihre Kinder in die Notbetreuung der Kindergärten und Schulen aufgenommen werden. Dies sei in den meisten Fällen vielfach der Grund, warum sie nicht zur Arbeit kommen, so Althusmann zum SPIEGEL. "Wir brauchen diese Leute an ihren wichtigen Positionen."

Den privaten Busbetrieben hat er bereits zugesichert, dass das Land durch vorgezogene Zuweisungen an die Kommunen in Höhe von 67,5 Millionen Euro die Möglichkeit schaffe, dass ihre Arbeit weiter mit den Summen bezuschusst wird, wie sie im Normalbetrieb gezahlt würden.