Deutsche Bahn und der Kampf gegen Unkraut Weniger Glyphosat für die Gleise

Unkraut kann Bahntrassen zuwuchern. Bislang setzt die Deutsche Bahn im Kampf dagegen auch auf Glyphosat. Doch nun sollen andere Methoden den umstrittenen Unkrautvernichter ablösen.

ICE in Niedersachsen: 57 Tonnen Glyphosat in einem Jahr entlang der Gleise verspritzt
Julian Stratenschulte/ DPA

ICE in Niedersachsen: 57 Tonnen Glyphosat in einem Jahr entlang der Gleise verspritzt


Die Deutsche Bahn ist nach eigenen Angaben der größte Einzelabnehmer von Glyphosat in Deutschland. Doch das könnte sich ändern: Das Unternehmen will künftig deutlich weniger von dem umstrittenen Unkrautvernichter einsetzen.

Während zuletzt noch 57 Tonnen Glyphosat entlang der Gleise versprüht wurden, sollen es nächstes Jahr nur noch halb so viel sein, sagte ein Konzernsprecher der Nachrichtenagentur dpa. "Auf weiten Teilen des Streckennetzes wird ab 2020 kein Glyphosat ausgebracht", kündigte die Bahn an. Bislang seien 90 Prozent des Netzes einmal im Jahr mit Glyphosat behandelt worden, rund 63.000 Gleiskilometer. Ausgenommen davon seien Naturschutzgebiete und Brücken.

Bis 2022 in der EU zugelassen

Bereits zuletzt hatte die Bahn weniger Glyphosat eingesetzt. Während es 2017 noch 67 Tonnen waren, sank die Menge 2018 wegen der Dürre. Laut Geschäftsbericht war es etwa ein Kilogramm pro Gleiskilometer. Das von der Bahn eingesetzte Glyphosat macht jedoch nur 0,4 Prozent der Gesamtmenge aus. Landwirte und Gärtner setzen das Mittel in deutlich größerem Stil ein. Glyphosat ist in der EU bis 2022 zugelassen.

Die WHO-Krebsforschungsagentur IARC hatte den Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen eingestuft. Der Hersteller, die Bayer-Tochter Monsanto, widerspricht dem. Bei vorschriftsgemäßer Anwendung seien die Produkte ungefährlich. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern sucht zugleich aber auch nach alternativen Methoden zur Unkrautbekämpfung.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erwartet nicht, dass die Zulassung für Glyphosat noch einmal verlängert wird. Die Große Koalition in Berlin strebt daher einen schrittweisen Ausstieg spätestens bis 2023 an. Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner lobte vor diesem Hintergrund die Pläne der Bahn: "Wenn der Ankündigung dieses Mal wirklich Taten folgen, muss sich Agrarministerin Julia Klöckner ein Beispiel am DB-Plan nehmen."

Bei der Deutschen Bahn soll Unkraut statt mit Glyphosat künftig wieder stärker manuell beseitigt werden, um die Schienen frei zu halten. Das Unternehmen erarbeitet auch selbst andere alternative Methoden. Erprobt wird etwa, ob sich das Unkraut mit heißem Wasser, Strom oder UV-Licht beseitigen lässt. Experimentiert wurde auch schon mit Heißdampf, Mikrowellen und Hochfrequenzenergie - diese Methoden erwiesen sich aber als sehr zeit- und energieaufwendig.

apr/dpa



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cyberpommez 30.08.2019
1. Tolle Wortwahl
Es gibt keine Unkräuter, es gibt Pflanzen oder Wildkräuter. Der Begriff "Unkräuter" wird benutzt um diese wichtigen Pflanzen zu diskreditieren. Glyphosat ist einfach ein Pflanzenvernichter..Hört sich direkt nicht mehr so nützlich an, oder?
mborevi 30.08.2019
2. Glyphosat ...
... wird von allen Benutzern als "alternativlos" bezeichnet. Als normaler Mensch fragt man sich dabei natürlich sofort, wie die Welt wohl in der Vor-Glyphosatzeit beschaffen war (ich bin fast 80). Haben sich damals die Dampflokomotiven durch meterhohes Unkraut gekämpft und sind darin reihenweise stecken geblieben? Ich kann mich an keinen Fall erinnern. Auch nicht an Äste auf den Gleisen und Zugausfälle. Haben die Bauern ihre paar Weizenkörner aus Bergen von Kornblumen und Mohn herausgesucht? Auch daran kann ich mich nicht erinnern (meine Vorfahren waren Bauern). Dafür kann ich mich an Rebhühner auf den Feldern und an Laubfrösche und Molche im Gras und in den Bächen und Gräben auf den Feldern erinnern. Ging man über eine Wiese sprangen hunderte Heuhüpfer davon und man war umgeben von Wolken von Schmetterlingen. Und Schwalben brüteten in jedem Stall. Also fragen wir uns lieber: Wurde unser Lebensraum auf dem Altar des Geldes, genannt "Fortschritt" geopfert?
Zitrone! 30.08.2019
3. albern
Zitat von cyberpommezEs gibt keine Unkräuter, es gibt Pflanzen oder Wildkräuter. Der Begriff "Unkräuter" wird benutzt um diese wichtigen Pflanzen zu diskreditieren. Glyphosat ist einfach ein Pflanzenvernichter..Hört sich direkt nicht mehr so nützlich an, oder?
Pflanzen, die die Bahngleise überwuchern und damit den Bahnverkehr gefährden, sind nicht "wichtig", sondern im Weg. Sie haben die Wahl: Wolles Sie Ihre "wichtigen" Pflanzen überall frei wachsen lassen oder wollen Sie, dass die Bahn benutzbar bleibt? Und wenn man sich für letzteres entscheidet, dann ist jedes Mittel, das sie einsetzen, ein "Pflanzenvernichter". Das ist ja der Sinn der Sache. Dass man sich auch über Nebenwirkungen Gedanken macht, bleibt Ihnen dabei unbenommen.
yvowald@freenet.de 30.08.2019
4. Umdenken bitte
Zitat von cyberpommezEs gibt keine Unkräuter, es gibt Pflanzen oder Wildkräuter. Der Begriff "Unkräuter" wird benutzt um diese wichtigen Pflanzen zu diskreditieren. Glyphosat ist einfach ein Pflanzenvernichter..Hört sich direkt nicht mehr so nützlich an, oder?
Höchste Zeit, daß sich die Deutsche Bahn AG vom Glyphosat-Einsatz verabschiedet. Es gibt keine Unkräuter, alles in unserer Natur hat ihren Sinn und Zweck. Schlimm ist nur, daß diese Erkenntnis noch immer nicht Allgemeingut ist. Weil wir Menschen in falschen Kategorien denken oder gedacht haben, ist es ja so schlecht um unsere Welt und Umwelt bestellt. Also, umdenken bitte...
stabilobacter 30.08.2019
5. seit Jahrzehnten bekannt, jedoch
ist die jetzt tatsächlich eingeräumte Menge so unfassbar hoch : 57to/Jahr!!!! das sind bei 32t km Strecke 1.78to pro km. 1,78kg je Meter. da fragt sich der Laie warum man nicht aus Kostengründen die Menge bereits vor Jahren reduzierte. Der Fachmann wundert sich, wer den Mut hatte dies gut gehütete Betriebsgeheimnis zu veröffentlichen ???? andere wurden bereits wegen weniger geschasst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.