Verspätungen und Zugausfälle Deutsche Bahn stellt 17.000 neue Mitarbeiter ein

In nur acht Monaten hat die Deutsche Bahn nach SPIEGEL-Informationen 17.000 neue Mitarbeiter angeheuert, darunter mehr als tausend Lokführer. So will sie Verspätungen und Zugausfälle endlich in den Griff bekommen.
Bahn-Mitarbeiter (Archivbild)

Bahn-Mitarbeiter (Archivbild)

Foto: Arno Burgi/ dpa

In den vergangenen Wochen geriet Bahn-Chef Richard Lutz immer stärker in die Defensive: Die Schulden steigen, die Fahrgäste stöhnen wegen immer mehr Verspätungen und kaputter Züge. Vor drei Wochen schrieb Lutz sogar einen frustrierten Brief an seine Führungskräfte und strafte sie mit einem Sparprogramm ab. Doch nun gibt es auch mal wieder positive Zahlen zu verkünden: Die Bahn baut ihre Belegschaft aus.

Bis Ende August haben bereits 17.000 Menschen eine Jobzusage bekommen, darunter 1200 Lokführer und 1600 Instandhalter, die für eine bessere Wartung der Züge sorgen sollen. Die Belegschaft in Deutschland wachse von 197.000 auf 204.000 Mitarbeiter, wie der SPIEGEL aus Konzernkreisen erfuhr. Das neue Personal ist Teil einer Strategie von Bahn-Chef Lutz, um Verspätungen und mangelnde Zuverlässigkeit der Züge zu kontern. Zuletzt hatte es große Probleme mit ICEs gegeben, die mit Mängeln die Reparaturzentren verließen und kurz darauf zurück in die Werkstatt mussten.

Die Gütersparte leidet besonders unter fehlenden Lokführern; Züge müssen oft stehen, weil die Fahrer Ruhezeiten einhalten müssen. Mehr Personal ist auch wegen der demografischen Entwicklung nötig - rund die Hälfte der Belegschaft wechselt in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand.

Die neuen Lokführer dürfen sich über Lohnsteigerungen freuen. Für die anstehenden Tarifverhandlungen mit den Lokführer-Gewerkschaften rechnet der Vorstand mit einer Einigung auf 4,5 bis 5 Prozent mehr Gehalt in den nächsten zwei Jahren. Die Gewerkschaften fordern bis zu 7,5 Prozent und ein attraktives Freizeitmodell als Alternative zu mehr Lohn. Im Vorstand rechnet man nicht mit Arbeitskämpfen wie bei der letzten Lohnrunde 2016. Ein vergleichbares Chaos wäre den Kunden derzeit nur schwer zu vermitteln, heißt es im Berliner Bahn-Tower.

Die Bahn wird auf ihre Lokführer noch mehr als sonst angewiesen sein. Auf der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch wurde der Kauf von weiteren 18 ICE-Zügen der vierten Generation für 700 Millionen Euro beschlossen - auch das eine Maßnahme, um die Leistung des Unternehmens zu verbessern.

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