Konkurrenzdruck Bahn will eigenes Busnetz massiv ausbauen

Die Konkurrenz der Fernbusse macht der Bahn zu schaffen, nun plant der Konzern offenbar einen Strategieschwenk. Einem Zeitungsbericht zufolge will die Bahn ihre eigene Busflotte massiv vergrößern.

IC Bus der Deutschen Bahn: Das Unternehmen will sein Fernbusnetz offenbar stark ausbauen
Deutsche Bahn

IC Bus der Deutschen Bahn: Das Unternehmen will sein Fernbusnetz offenbar stark ausbauen


Berlin – Die Bahn will sich im Fernbusgeschäft nicht abdrängen lassen: Der Konzern plant offenbar, das Streckennetz der eigenen Fernbuslinien IC Bus und Berlin Linienbus deutlich auszuweiten und den Marktanteil der Linien von bislang zehn Prozent mindestens zu verdoppeln. Am Montag will der Konzern dem "Handelsblatt" zufolge den Plan vorstellen.

Damit würde Bahn-Chef Rüdiger Grube seine Ankündigung vom Januar wahrmachen. "Wir werden im Fernverkehr - ob auf der Schiene oder der Straße - entschlossen handeln", hatte Grube in Berlin verkündet. Die Bahn hatte die Konkurrenz durch die Fernbusse lange unterschätzt und im Wettbewerb mit den Busanbietern vor allem auf den Zeitvorteil der Züge gesetzt. Die Bahn-Manager wollten sich zudem nicht an dem bisweilen ruinösen Wettbewerb im Fernbusmarkt beteiligen.

Der Druck auf die Bahn wurde zuletzt jedoch immer größer: Erst Anfang Januar hatten sich die Anbieter MeinFernbus und FlixBus zusammengeschlossen, sie wollen ihr Angebot 2015 nahezu verdoppeln. Nach eigenen Angaben hat der Wechsel von Kunden zur Konkurrenz die Bahn bislang rund 120 Millionen Euro Umsatz gekostet. Der Konzern fürchtet außerdem, er könnte vor allem junge Menschen langfristig als Kunden verlieren – oder erst gar nicht gewinnen.

Nicht nur Fernbusse, sondern auch Billigflieger und Mitfahrzentralen bedrohen zunehmend das Geschäftsmodell der Bahn im Fernverkehr. Die andauernde Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) treibt bei Streiks weitere Kunden zu den Fernbus-Unternehmen.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Bahn auf die neue Konkurrenz auf der Straße reagiert: Im April hatte der Konzern den Interregio-Express auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin eingeführt. Eine Fahrkarte für diese Verbindung ist mit einem Preis von 19,90 Euro für eine einfache Fahrt deutlich günstiger als beispielsweise ein ICE auf gleicher Strecke, der im Normalpreis 78 Euro kostet. Die Verbindung zwischen Hamburg und Berlin ist damit auch ein strategischer Testlauf im Konkurrenzkampf mit den Fernbusanbietern.

Um die Fernbuskunden nicht ganz zu verlieren, wirbt die Bahn auf Vergleichsportalen für Fernbusse außerdem mit besonders günstigen Preisen, die nicht über die etablierten Verkaufskanäle der Bahn erhältlich sind. Zudem will die Bahn ihr Wlan-Netz in den Zügen ausbauen, denn in den Fernbussen gehört das seit der Liberalisierung des Marktes 2013 zum Standard. Im März will die Bahn dann auch neue Pläne für den Schienenverkehr vorstellen.

vlg/afp



insgesamt 75 Beiträge
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Schnubbie 20.02.2015
1. Die Bahn sollte ihre Bahn ausbauen
Und nicht Busse. Anstatt das die Bahn immer mehr ihre Strecken einschränkt, sollten sie vielleicht mal ihre Züge und ihren Service verbessern, gleichzeitig ihr Preismodell mal überdenken.
hypnos 20.02.2015
2. Die Bahn sollte ja mal die Straßen entlasten.
Die Bahn sollte ja mal die Straßen entlasten. Stattdessen Verdünnung des Schienennetzes durch Streckenstilllegungen und Reduzierung des Angebotes bei stetiger Preisanhebung. Auf Malta war die Bahn krachend gescheitert, ein Busnetz zu betreiben. Schaden = 50 Mio Euro und der symbolische Verkauf für 1 Euro. PrivatisierungsWAHN.
Martellus83 20.02.2015
3. Konzentration auf das Kerngeschäft
Bitte liebe Bahn, einigt euch endlich mit der GDL, sorgt dafür, dass die Bahn modern, sauber und pünktlich ist und überarbeitet euer undurchsichtiges Preissystem anstatt in einen schwachsinnigen Konkurrenzkampf mit den Fernbusanbietern zu treten. Hier könnt ihr nur verlieren. In den Fernbussen ist WLAN kostenlos und es funktioniert. Fahrkarten können über das Smartphone vorgezeigt und eingescannt werden, die Fahrer sind sehr freundlich und zuvorkommend. Alles Dinge, die IHR seit 15 Jahren nicht vernünftig auf die Kette bekommt. Schuster bleib bei deinen Leisten!!!
Robert_Rostock 20.02.2015
4.
Zitat von SchnubbieUnd nicht Busse. Anstatt das die Bahn immer mehr ihre Strecken einschränkt, sollten sie vielleicht mal ihre Züge und ihren Service verbessern, gleichzeitig ihr Preismodell mal überdenken.
Mal abgesehen davon, dass - die Bahn massiv in neue Züge investiert (ICx, Doppelstock-IC, neue Regionalzüge), die Industrie aber in den seltensten Fällen pünktlich liefert - dass der Nahverkehr ohnehin von den Ländern bestellt wird sollte man doch nicht außer aucht lassen, dass die Bahn im Vergleich zum Bus massiv benachteiligt wird, völlig ungleiche Wettbewerbsbedingungen hat. Busse zahlen z.B. keine Maut, Züge zahlen Trassen- und Bahnhofsbenutzungsgebühren. Woran beispielsweise auch schon einer der wenigen Konkurrenten im Fernverkehr gescheitert ist (Interconnex)
Spiegelwahr 20.02.2015
5. Warum wird es nicht verboten
Warum verbietet der Bund (Wir sind die Eigentümer) nicht als Eigentümer der DB diesen Fernbusverkehr. Die DB soll sich auf ihr Kerngeschäft (Züge fahren) zurückziehen und für wettbewerbsfähige Zugverbindungen sorgen und nicht mit Dumpigpreisen auf Grund von öffentlicher Subvention durch den Staat (Wir bezahlen es). Die DB will mit unlauteren Wettbewerb die anderen Anbieter des Fernbussverkehr zerstören. Warum lässt der Bund (Wir) diesen unlauteren Wettbewerb zu. Wir bezahlen mit mehreren Mrd Euro der Bahn die Schienen und bekommen trotz Dauersubvention eine ständige Minderleistung von der DB.
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