Zu viele Verspätungen Bahn tauscht Fernverkehr-Vorstand aus

Die vielen Verspätungen bei der Deutschen Bahn haben personelle Konsequenzen. Fernverkehr-Vorstand Kai Brüggemann wird abgelöst - und durch den bisherigen Fahrplanchef ersetzt.

ICE an Baustelle vor dem Leipziger Hauptbahnhof (Archiv)
DPA

ICE an Baustelle vor dem Leipziger Hauptbahnhof (Archiv)


Die Deutsche Bahn reagiert auf ihre schlechte Pünktlichkeitsquote. Künftig soll Philipp Nagl als Vorstand Produktion bei der zuständigen Tochter DB Fernverkehr dafür sorgen, die ICE nach der Instandsetzung schneller wieder auf die Schienen zu bekommen. Der bisherige Fahrplanchef folgt Kai Brüggemann, der "sein Vorstandsamt auf eigenen Wunsch niedergelegt und das Unternehmen verlassen" hat, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet.

Bahnchef Richard Lutz hatte für dieses Jahr eigentlich eine Pünktlichkeitsquote von 82 Prozent bei den Fernzügen angepeilt, dieses Ziel jedoch im Juli aufgegeben. Im zweiten Halbjahr sei eine Trendwende zu erwarten, hieß es. Sie ist bislang aber nicht eingetreten.

Im Oktober hatte die Bahn die zweithöchste Verspätungsquote in diesem Jahr erreicht. Nur 71,8 Prozent der Intercity, Eurocity und ICE kamen pünktlich - was nach Definition des Staatskonzerns heißt: weniger als sechs Minuten nach der planmäßigen Zeit. Ursache war nach Unternehmensangaben vor allem die lange Sperrung der Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt nach einem ICE-Brand, die am Sonntag aufgehoben wurde.

Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt wieder frei

Nun rollen die Züge wieder auf beiden Gleisen. "Der Verkehr auf der Schnellfahrstrecke Köln - Rhein/Main ist heute Morgen planmäßig angelaufen", sagte ein Bahn-Sprecher. "Es kommt derzeit zu keinen nennenswerten Verspätungen."

In einem fahrenden ICE war am 12. Oktober ein Feuer ausgebrochen. Alle gut 500 Menschen an Bord wurden gerettet. Fünf erlitten leichte Verletzungen. Das Feuer zerstörte den Zug und beschädigte die Gleise auf rund 60 Metern in Fahrtrichtung. In der Gegenrichtung gab es Schäden auf 14 Metern Gleisen.

Nach dem Feuer war der Bahnverkehr an der betroffenen Stelle zunächst eingleisig wieder aufgenommen worden. Die Brandursache ist weiter unklar.

wit/dpa

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
baumisms 18.11.2018
1. Ob man da nicht den Bock zum Gärtner gemacht hat?
Die Probleme mit der Pünktlichkeit liegen VOR ALLEM am FAHRPLAN. Denn es werden aus "politischen" Gründen keine sogenannten Fahrplanreserven mehr eingeplant, damit man mit (theoretischen!!) Fahrzeitverkürzungen prahlen kann, mit denen man die Investitionen in Prestigeprojekte zu rechtfertigen versucht. Dabei übersieht man die GRUNDSÄTZLICHE Regel, dass es bei der Bahn nicht vor allem auf Schnelligkeit, sondern viel mehr auf PÜNKTLICHKEIT ankommt. Natürlich macht ein Fahrplanverfasser das nicht aus eigenem Antrieb, sondern nur auf Anordnung "von oben". Aber nachdem das jetzt schon seit vielen Jahren so läuft, dürften die handelnden Personen wohl nicht die richtigen sein, die sich gegen die Politik durchsetzen können.
Alfred Ahrens 18.11.2018
2. Den Bock zum Gärtner machen
Die Personalpolitik der DB kann kein Mensch verstehen. Der Fahrplanchef, der in leitender Position für all das miese Ergebnis in der Pünktlichkeit mitverantwortlich ist, wird nun Chef des Fernverkehrs. Da hilft nur eins: Alternativen, wie Bus, Flugzeug und Auto noch verstärkter nutzen ! Eine Frechheit, dass bei diesen miesen Zahlen noch die Fahrpreise erhöht werden.
garfield53 18.11.2018
3. mmm
Wenn nichts läuft, bei der Bahn, wird wie im Fussball der Trainer, der Vorstand "ausgetauscht"? Heh, Leute, noch alle Latten am Zaun? Noch vor nicht all zu ferner Zeit, als noch nicht Profit und Größenwahn die Hand bei der Deutschen Bahn, am Steuer hatten, war Lokführer, technisches Personal, Schaffner und alle Anderen ein geachteter auch vom "Fahrgast" / Kunden, respektierter Beruf. Herr über den Zug / Lok konnte nur werden, wer die einzelnen Etappen des Berufes über Jahre professionell und in guter Qualität absolvierte, Bahnhöfe und Haltepunkte waren ein Spiegelbild der Leistung, nicht Müllhalden, Ruinen oder profane "Einkaufstempel" mit Gleisanschluss. Die Bahn beförderte in der Fläche Millionen Fahrgäste quer durchs Land und Millionen Tonnen Güter, meist in wenigen Stunden von A nach B, garantiert von Mitarbeitern, welche stolz auf ihre Arbeit für die Gemeinschaft waren, ohne wenn und aber. Ich weiss wovon ich spreche, wir hatten einen Lokführer in der Familie. Und heute, privatisiert, weite Teile ausgegliedert, weite Teile der Regionen "entgleist", flächendeckender Güterverkehr, Dank "Schenker" war einmal, Beförderungspreise wie auf dem Basar oder in der Apotheke, haarsträubende Ausbildung, in 12 Wochen vom Metzger zum ICE-Kapitän. Durch die Ausgliederungen vieler Bereiche weniger Geld für den Einzelnen. Medial zum Prügelknaben für Ineffizienz, Vergeudung, Schlamperei und Korruption gemacht und darüber weit in den Wolken, eine Blase gepflegten Größenwahns der Herrschenden und der Politiker, welche ohne Sinn und Verstand Milliarden jedes jahr an Steuergeldern verbrennen. Meinen sie diese Firma?
juergen_2018 18.11.2018
4. Was Verspätung wirklich heißt...
Heute Fahrt Bochum - Pforzheim: ICE nach Mannheim über die wieder freie Schnellbahnstrecke kann wegen belegter Gleise nicht in den Bahnhof Mannheim einfahren: 5 Min. Verspätung (damit in der Statistik pünktlich). Aber: Zug nach Karlsruhe wartet nicht und damit dort der Anschluss nach Pforzheim weg, wohin aufgrund von Bauarbeiten aber nur alle 2 Stunden ein Zug fährt. Also Fahrzeit real 5,5 Stunden statt 3,5 Stunden laut Fahrplan/Fahrkarte. Und das war das sechste Mal in Folge, dass bei mir die Verbindung Bochum - Pforzheim nicht geklappt hat! Ob es etwas bringt oder nicht, mit dem Fernverkehrs-Verantwortlichen habe ich jedenfalls kein Mitleid.
fortelkas 18.11.2018
5. Die Auswechslung
...von Personen wird keine durchschlagenden Erfolge bringen, denn die Ursachen liegen tiefer. Seit Jahrzehnten haben die jeweiligen Bundesregierungen die Bahn politisch und damit auch finanziell einfach vernachlässigt. Die politischen Prioritäten wurden beim Autobahn- und Straßenbau gesetzt, die Autolobby hat sich immer wieder durchgesetzt, das war eben verhängnisvoll für die Bahn. Ihr wurden einfach die notwendigen Investitionen verweigert, das rächt sich jetzt und lässt sich einfach in kurzer Zeit nicht nachholen. Ein letzter Satz: Privatisierung (wie man lange glaubte) ist keine Lösung. In Großbritannien wurden größte Teile der Bahn mal privatisiert, dort ist dieses Verkehrsmittel mittlerweile völlig verrottet und verkehrstechnisch unsicher. Ja, die kapitalistische Privatisierung kann eben nicht alles. Für solche Verkehrsmittel ist der staatliche Einfluss einfach sinnvoll. Erwin Fortelka
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.