Quartalsbericht Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

Die Deutsche Bank ist im zweiten Quartal tief in die Verlustzone gerutscht. Grund ist nach Konzernangaben der Umbau des Geldhauses.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Archiv)
Arne Dedert/ DPA

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Archiv)


Das Minus war abzusehen, fällt aber deutlich stärker aus als erwartet: Der Konzernverlust der Deutschen Bank Chart zeigen belief sich im zweiten Quartal auf 3,15 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 401 Millionen ein Jahr zuvor, teilte das Dax-Unternehmen mit. Dahinter steht der Radikalumbau mit der Streichung von 18.000 Stellen.

Bei Bekanntgabe der Pläne Anfang Juli hatte die Bank noch ein Minus von 2,8 Milliarden Euro angekündigt. Allerdings verbuchte das Institut mit 3,4 Milliarden Euro nun einen größeren Anteil der Umbaukosten bereits im zweiten Quartal.

"Einen erheblichen Teil der Restrukturierungskosten haben wir bereits im zweiten Quartal verbucht", sagte Vorstandschef Christian Sewing. "Ohne diese Belastungen für den Umbau wäre die Deutsche Bank profitabel gewesen." Die Aktie verlor zur Eröffnung des Handelstages dennoch an Wert und verzeichnete ein Minus von 4,4 Prozent.

Besser lief es für die Fondstochter DWS: Sie verdiente deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum - wohl auch wegen eines strikten Sparkurses. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 112 Millionen Euro und damit 22 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Investmentbanking schwächelt weiter

Deutsche-Bank-Chef Sewing will in einem tiefgreifenden Umbau das risikoreiche Investmentbanking zusammenstutzen. Zum Investmentbanking zählen traditionell der Handel mit Wertpapieren und Devisen aller Art sowie die Betreuung von Firmenübernahmen, Fusionen und Börsengängen.

In den Jahren vor der Finanzkrise ab 2007 war das Investmentbanking zeitweise eine Goldgrube für die Deutsche Bank. Die Sparte steuerte den größten Anteil zum Konzerngewinn bei. Doch die Krise offenbarte die Schattenseiten vieler Geschäfte: Über Jahre musste sich der Dax-Konzern danach mit Klagen herumschlagen und zahlte etliche Milliarden an Geldstrafen. In den vergangenen beiden Quartalen schrieb die Investmentbank rote Zahlen.

So auch im zweiten Quartal dieses Jahres: Die Erträge in der Unternehmens- und Investmentbank brachen um 18 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro ein. Vor Steuern fiel hier ein Verlust von 907 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 475 Millionen vor Jahresfrist.

Zahlreiche Mitarbeiter dieses Bereichs, wahrscheinlich vor allem in New York und anderen US-Standorten, und auch drei Topmanager müssen in Zuge der Neuausrichtung deshalb gehen. Wie viele Stellen in Deutschland wegfallen, ist noch nicht klar. Die Deutsche Bank teilte aber mit, dass bisher weltweit 900 Mitarbeitern gekündigt wurde.

Auch Gespräche über den Verkauf von Hedgefonds- und Aktienhandelsgeschäften laufen demnach. Ein Fünftel der gesamten Bilanzrisiken sollen der Strategie zufolge in einer internen "Bad Bank" gebündelt werden. Der Konzernumbau kostet bis Ende 2022 voraussichtlich 7,4 Milliarden Euro.

kko/dpa/Reuters



insgesamt 26 Beiträge
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musico 24.07.2019
1. Verlust, Verlust...
Laut Managermagazin leistet sich die DB 643 Gehaltsmillionäre. Damit wäre ein Teil des Problems schon einmal gelöst. Der andere Teil sind die Angestellten, die weniger als 1 Mio / Jahr verdienen, aber immer noch das X-fache eines ähnlich Qualifizierten Arbeitnehmers aus anderen Branchen.
petzle 24.07.2019
2. Och Mist...
Dann gibt es bestimmt nur 95% der Boni für die Führungsetage.
alter_nativlos 24.07.2019
3. Verlust und Gewinn
Die Deutsche Bank ist ein Musterbeispiel für die deutsche Lebenswirklichkeit: Risiken und Verluste tragen die "kleinen Leute", wie zum Beispiel die Angestellten,, die nur wenig mehr als 2000 oder 3000 Euro im Monat verdienen. Die werden mit entsprechend kleinen Abfindungen entlassen. Die Gewinne fahren die Einkommensmillionäre ein.. Sie wechseln mit ihren Teams zu erfolgreichen Investmentbanken (Ja, die gibt es auch!) und erhalten Millionen Prämien und Abfindungen.. Wer wählt eigentlich immer noch die Parteien (CDU und SPD), die das mölich machen????
Nandiux 24.07.2019
4. Um diese kriminelle Vereinigung tut es mir nicht leid.
Aber wenn man bedenkt, dass solche Figuren wie Ackermann von Politik und Medien früher fast kritiklos angehimmelt und umgarnt wurden, macht einen das fassungslos. Der Joe lacht sich heute immer noch einen. Wer schon früh auf die Gefahren hingewiesen hat, wie Lafontaine oder Flassbeck, wurde ausgelacht und nicht für voll genommen. Und die Party geht woanders schon längst wieder weiter. Der nächste Einsturz wird noch viel schlimmer sein.
antelatis 24.07.2019
5. Das krasse ist
Von den Verantwortlichen wird keiner durch besser qualifiziertes Personal ersetzt. Würde diese Bank staatlich sein, könnte man die Unfähigen wenigstens abwählen, in der freien Wirtschaft hingegen bleiben die Bosse ewig dort und treiben ihr Unwesen ohne Aufsicht und Konsequenzen bis zum bitteren Ende und vererben dann alles einfach an den nächsten.
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