Hauptversammlung der Deutschen Bank "Unser Image muss deutlich besser werden"

Skandale, Verluste und Führungsstreit: Auf der Hauptversammlung sprechen Aufsichtsrat und Vorstand die Probleme der Deutschen Bank offen an - und sehen sich dennoch auf dem richtigen Weg.
Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Foto: Arne Dedert/ dpa

Der Chefkontrolleur der Deutschen Bank, Paul Achleitner, hat Probleme mit dem Ruf des Konzerns eingestanden. "Unser Image in der Öffentlichkeit muss noch deutlich besser werden", sagte Achleitner bei der Hauptversammlung in Frankfurt. Trotz eines radikalen Umbaus gelte: "Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen."

Allerdings sei der Aufsichtsrat nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres zuversichtlich, dass die Bank nun auf dem richtigen Weg sei. Achleitner hatte im Sommer 2015 Co-Chef Anshu Jain ausgetauscht, nach der Hauptversammlung in diesem Jahr tritt auch Co-Chef Jürgen Fitschen ab. Die Bank wird dann alleine vom Briten John Cryan geführt.

Der neue Vorstand um Cryan komme auf dem Sanierungskurs gut voran, sagte Achleitner. Die Deutsche Bank   streicht unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 will sie das Filialnetz im Heimatmarkt um knapp ein Drittel auf 500 Standorte reduzieren, aus etlichen Auslandsmärkten zieht sie sich ganz zurück. Auch in Deutschland hat die Bank ihre einst übermächtige Stellung verloren.

Achleitner verteidigte sich gegen Kritik, er habe zu lange am alten Vorstand unter Jain festgehalten. Diese Leute würden "zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt". Ihnen gelte "unser Dank für das hohe Engagement für die Bank". Ebenso wehrte sich der Aufsichtsratschef gegen Kritik, er sei nicht der Richtige für einen Neuanfang. "Meine Antwort darauf ist folgende: Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich lohnt, für eine Institution wie die Deutsche Bank alles zu geben", sagte Achleitner. "Ich stehe zu meiner Pflicht und Verantwortung."

"Rechtskosten sind völlig inakzeptabel"

In der Aufarbeitung zahlreicher Skandale wolle die Bank Achleitner zufolge nicht nachlassen - trotz des Rücktritts von Chefaufklärer Georg Thoma nach öffentlicher Kritik seitens Aufsichtsratskollegen Ende April. Er bedauere, dass es kurz vor dem Aktionärstreffen "zu einer solchen öffentlichen Auseinandersetzung kommen musste", sagte Achleitner. Grund dafür sei jedoch weniger der Inhalt als der Stil von Thomas Vorgehen gewesen.

Auch Vorstandschef Cryan sprach die Rechtsstreitigkeiten aufgrund zahlreicher Skandale an - und die Kosten dafür, die allein 2015 mit 5,2 Milliarden Euro zu Buche schlugen. "Rechtskosten in diesen Dimensionen sind völlig inakzeptabel", sagte Cryan. Die zusätzlich eingezogenen Kontrollen, um Ermittlungen und Klagen künftig zu vermeiden, kosteten die Bank zwar kurzfristig Geschäft, räumte Cryan ein - die Deutsche Bank hatte sich von Tausenden Kunden getrennt. Letztlich zahlten sie sich aber aus, sagte der Brite. Er sehe die Bank bei diesem Thema "allmählich auf der Zielgeraden".

Der scheidende Co-Chef Fitschen räumte ein: "Ja, wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht und bedauern, dass einige in unserer Bank Regeln und teilweise sogar Gesetze gebrochen haben." Jedem Mitarbeiter müsse klar sein: "Jeder, der für uns arbeitet, muss ein sicheres Gefühl entwickeln, welche Geschäfte wir machen und welche Geschäfte und Kunden wir besser meiden."

Fitschen beteuerte jedoch mit Blick auf die Aufregung um Briefkastenfirmen in Panama, die Geschäfte der Deutschen Bank seien gesetzmäßig. "Die Deutsche Bank bietet keine Konten für Gesellschaften an, bei denen sie nicht die Person kennt, die letztlich dahintersteht." Zudem tue die Bank alles, um sicherzustellen, dass keine illegalen Transaktionen abgewickelt würden.

fdi/stk/Reuters/dpa
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