Deutsche Bank Ackermann will Kosten für Super-Steuer auf Boni globalisieren

Josef Ackermann prescht vor: Der Deutsche-Bank-Chef will die Kosten der britischen Super-Steuer auf Boni auf alle Mitarbeiter des Finanzinistituts umlegen. Zugleich wetterte der wichtigste Banker der Republik gegen die Sonderbelastung.

Josef Ackermann: Der Deutsche-Bank-Chef kämpft um den Einfluss der Finanzkonzerne
REUTERS

Josef Ackermann: Der Deutsche-Bank-Chef kämpft um den Einfluss der Finanzkonzerne


London - Die Deutsche Bank wappnet sich für die britische Sondersteuer auf Banker-Boni. So sollen die zusätzlich anfallenden Kosten nicht allein von der britischen Belegschaft getragen, sondern weltweit auf das Personal umgelegt werden, damit Benachteiligungen innerhalb des Unternehmens vermieden werden. Das sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann der britischen Zeitung "Financial Times" ("FT"). "Es wäre ungerecht, die britischen Banker anders zu behandeln."

Zugleich kritisierte Deutschlands wichtigster Banker die geplante Sondersteuer und bekräftigte seine Ansicht, dass Gehälter und Boni generell ohne staatlichen Einfluss und damit frei durch Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestimmt werden sollten.

Ackermann schloss gegenüber der "FT" zudem nicht aus, dass ein Teil der zu erwartenden Zusatzkosten von den Anlegern der Deutschen Bank Chart zeigen getragen werden müsste. Er betonte jedoch, dass insgesamt noch keine Entscheidung zum konkreten Umgang mit der britischen Sondersteuer gefallen sei. Zunächst werde beobachtet, wie andere Banken auf die neue Abgabe reagierten.

Seit Tagen erregt die Strafsteuer auf Boni die Londoner City: Banker drohen mit Wegzug, Investmentfirmen warnen vor den fatalen Folgen für die Attraktivität des Standortes. Die Londoner City ist neben der Wall Street in New York das wichtigste Finanzzentrum der Welt.

Charmant, aber nicht mit Grundgesetz vereinbar

Die Verknüpfung hoher Boni mit kurzfristigen Gewinnzielen gilt allerdings als eine der wichtigsten Ursachen für die schwerste Finanzkrise seit rund 80 Jahren. Entsprechend hatten die G-20-Chefs auf ihrem Gipfel in Pittsburgh im September erstmalig internationale Regelungen zur Begrenzung von Bonuszahlungen an Finanzmanager vereinbart. Einige Institute wie etwa die Commerzbank Chart zeigen haben bereits beschlossen, die Boni künftig am langfristigen Unternehmenserfolg auszurichten. Auch die Deutsche Bank hat ähnliche Maßnahmen angekündigt.

Die britische Regierung erhebt in Zukunft eine Sondersteuer, die sich auf 50 Prozent der Prämien für Bankangestellte ab einer Summe von 25.000 Pfund (rund 27.500 Euro) beläuft. Mit den erwarteten Einnahmen in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro will der Staat den Arbeitsmarkt wieder in Schwung bringen. Die Steuer gilt zunächst bis April 2010.

Nach dem britischen Vorbild will auch Frankreich eine Sondersteuer auf Bankerboni einführen. Die Abgabe solle 50 Prozent der Prämie betragen, wenn diese über 27.500 Euro liege, sagte Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde am Mittwoch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die britische Sondersteuer zwar als "eine sehr charmante Idee" bezeichnet. Allerdings ist eine solche Spezialabgabe nach Ansicht der Bundesregierung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

böl/Reuters/AFP

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Seite 1
jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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