Geldhaus in Not Deutsche-Bank-Aktie erstmals unter zehn Euro

Die Krise der Deutschen Bank verschärft sich aus Sicht der Anleger erneut. Die Aktie fällt auf ein Rekordtief, Grund sind neue Gerüchte aus den USA. Bankchef Cryan ruft seine Mitarbeiter auf, die Ruhe zu bewahren.
Deutsche Bank in Frankfurt am Main

Deutsche Bank in Frankfurt am Main

Foto: Boris Roessler/ dpa

Die Aktie der Deutschen Bank   ist angesichts der Schwierigkeiten des Geldhauses erstmals unter die Marke von zehn Euro gefallen. An der Frankfurter Börse notierte sie zeitweise bei 9,93 Euro.

Bereits am Vorabend war die Aktie auf der Handelsplattform Tradegate auf ein Rekordtief von 10,00 Euro gefallen. Auch im New Yorker Handel war sie um mehr als sechseinhalb Prozent eingebrochen.

Hintergrund sind Meldungen, wonach einige Hedgefonds in den USA Geschäfte mit der Bank zurückgefahren hätten. Unter Berufung auf ein internes Dokument der Deutschen Bank hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass zehn Hedgefonds Geld abgezogen hätten.

Die Anleger sind seit Bekanntwerden einer Geldforderung des US-Justizministeriums von bis zu 14 Milliarden Dollar verunsichert.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan reagierte und rief die Mitarbeiter dazu auf, trotz der Marktturbulenzen Ruhe zu bewahren. "Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt", schrieb Cryan in einem Brief an die rund 100.000 Beschäftigten, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitierte.

Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwächen wollten. "Unsere Aufgabe ist es nun, dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst." Die Deutsche Bank verfüge über ein starkes Fundament, schrieb Cryan. Die Markt- und Kreditrisiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute."

"Auch die Ungewissheit über den Ausgang unseres Rechtsverfahrens in den Vereinigten Staaten ist kein Grund für diesen Druck auf unseren Aktienkurs, wenn wir die Vergleiche direkter Wettbewerber als Grundlage nehmen", schrieb Cryan.

Auch die meisten Analysten halten den Kurssturz für übertrieben. Nach Einschätzung der Großbank Credit Suisse sei der Verfall ungeachtet der vielen Probleme des Dax-Konzerns nicht gerechtfertigt. Das Schweizer Institut belässt das Kursziel für die Deutsche Bank bei 13 Euro und damit 30 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Auch Jörg Rocholl, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesfinanzministerium, beschwichtigt. Zwar befinde sich die Deutsche Bank in einer schwierigen Situation, in der viel zusammenkomme: strategischer Umbruch, immense Strafandrohungen und Rückstellungen für nicht enden wollende Rechtsstreitigkeiten, anhaltende Niedrigzinsphase und Herausforderungen der Digitalisierung.

Aber die Bilanzkennziffern der Deutschen Bank blieben robust: "Die verfügbaren Liquiditätsreserven belaufen sich laut unabhängiger Analysten auf deutlich über 200 Milliarden Euro", so Rocholl. "Liquiditätsreserven und Eigenkapitalposition sind damit deutlich stärker als zu Beginn der Finanzkrise des Jahres 2008 und bilden auch bei einer anhaltenden Phase großer Unsicherheit einen wichtigen Anker."

Auch Goldman Sachs zeigte sich entspannt: "Wir glauben, dass die Liquiditätssituation der Bank stabil ist." Allerdings betonte das US-Institut auch, dass die Deutsche Bank nun dringend gute Nachrichten brauche.

wal/nck/dpa
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