Gewinneinbruch Deutsche Bank enttäuscht Anleger

Die Zahlen sind schwach, auch der Ausblick ist alles andere als gut: Die Quartalsbilanz der Deutschen Bank hat bei Anlegern Ernüchterung ausgelöst. Die Aktie rutschte zeitweise 3,3 Prozent ins Minus und war damit größter Verlierer im Dax.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Gewinn schrumpft auf 51 Millionen Euro
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Gewinn schrumpft auf 51 Millionen Euro


Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank leidet unter milliardenschweren Altlasten aus der Zeit vor der Finanzkrise. Deutschlands größtes Geldhaus muss mittlerweile mehr als vier Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zur Seite legen. Im dritten Quartal blieb daher fast nichts mehr vom Gewinn übrig. Auch das Kerngeschäft Investmentbanking läuft derzeit nicht rund.

In den kommenden Quartalen drohen weitere Belastungen infolge der diversen Klagen und Ermittlungen, wie die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen signalisierten. Im Skandal um die Manipulation von Zinsen rechnen Experten im nächsten Jahr mit einem Vergleich des Instituts. Unter dem Strich blieb nur noch ein Gewinn von 51 Millionen Euro.

An der Börse herrschte am Dienstagvormittag Ernüchterung, mit so hohen Belastungen hatten Analysten nicht gerechnet. Die Deutsche-Bank-Aktie Chart zeigen startete mit einem Minus von 2,6 Prozent in den Handel, in der Spitze betrugen die Verluste zeitweise 3,3 Prozent. Das Geldhaus war damit größter Verlierer im Leitindex Dax Chart zeigen. "Insgesamt ein ziemlich schwaches Bild", sagte ein Händler. Auch die in Aussicht gestellte stabile Dividende von 75 Cent je Aktie konnte die Anleger nicht versöhnen.

Jain warb um Geduld: "Wir machen Schritt für Schritt Fortschritte, aber diese Reise wird uns viel Geduld abverlangen", sagte er in einer Telefonkonferenz. Seit dem Sommer 2012 baut er zusammen mit Fitschen das Frankfurter Geldhaus um. Das Ziel: Das Institut soll in die Spitze der Banken-Weltliga aufsteigen. Tausende Stellen fallen weg. 2015 soll die "neue" Deutsche Bank fertig sein - mit einem Investmentbanking, das sich an der Wall Street messen kann, und einer stärkeren Vermögensverwaltung sowie einem weiter wachsenden Privatkundengeschäft.

Doch im Vergleich etwa zur Schweizer UBS lässt sich das Führungsduo mehr Zeit damit, Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit beizulegen - sehr zum Ärger einiger großer Investoren. "Je länger man wartet, desto teurer wird es am Ende", kritisierte zuletzt einer der Top-5-Aktionäre.

Der Bank drohen hohe Geldstrafen

Die Vorwürfe reichen von fragwürdigen US-Hypothekengeschäften über Zinsmanipulationen bis hin zu angeblichen Bilanztricksereien. Allein im dritten Quartal legte die Deutsche Bank weitere 1,2 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zur Seite, den Großteil davon für Altlasten im US-Hypothekengeschäft. Zuletzt hatte ein milliardenschwerer Vergleich der US-Großbank JP Morgan für Aufsehen gesorgt.

Außerdem zeichnen sich in der Branche weitere teure Vergleiche im Libor-Zinsskandal ab. Als nächstes dürfte hier die niederländische Rabobank Finanzkreisen zufolge eine Einigung mit den Aufsehern erzielen und knapp eine Milliarde Dollar zahlen. Zum Thema Libor erklärte der Vorstand im Zwischenbericht: "Die laufenden Untersuchungen könnten die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen."

Aber auch das Kerngeschäft machte dem Geldhaus in den Sommermonaten Sorgen. Im Investmentbanking sank der Vorsteuergewinn auf 345 Millionen Euro von 1,1 Milliarden vor einem Jahr. Allein im Handel mit Anleihen und anderen festverzinslichen Produkten, der wichtigsten Domäne der Deutschen Bank, brachen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent ein.

Dieser Trend hatte sich schon bei den großen US-Banken und der Schweizer Credit Suisse abgezeichnet. Hintergrund ist die Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Notenbank Fed: So lange nicht klar ist, wie lange sie sich noch als großer Bondkäufer auf dem Markt betätigt, bleiben auch andere Investoren lieber in Deckung. Die UBS hat sich aus diesem Segment in großen Teilen zurückgezogen.

Vertrag von Fitschen verlängert

Der Aufsichtsrat verlängerte am Dienstag wie erwartet Fitschens Vertrag um zwei Jahre bis März 2017, wie die Bank mitteilte. Wenn sein Vertrag ausläuft, wird Fitschen 68 Jahre alt sein. Der 15 Jahre jüngere Jain, dessen Vertrag schon bisher bis 2017 lief, muss sich damit zwei Jahre länger gedulden, bis er allein die Führung der Deutschen Bank übernehmen kann.

Das Duo führt die Deutsche Bank seit Juni 2012. Aufsichtsratschef Paul Achleitner erklärte, beide hätten den Aufsichtsrat gemeinsam um die Verlängerung von Fitschens Vertrag gebeten. "Seit ihrer Berufung zu Co-Vorstandsvorsitzenden haben Jürgen Fitschen und Anshu Jain mit zahlreichen unternehmerischen Entscheidungen die Deutsche Bank in die richtige Richtung gebracht", sagte Achleitner. "Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen."

cte/Reuters



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lefs 29.10.2013
1. Na super,
eine Bank die exorbitant verdient, hat sowieso nur irgendjemanden betrogen und zockt immer mit viel zu hohem Risiko. Dieses mal müssen wir nur aufpassen, dass die Angelsachsen am Ende des Kettenbriefes selbst auf den Risiken sitzen. Letztes mal haben sie nämlich schnell noch das meiste an die stupid Germans verkaufen können. Mir schaudert heute noch bei so viel volkswirtschaftlicher Blödheit.
Inuk 29.10.2013
2. Gewinneinbruch
Zitat von sysopAPDie Zahlen sind schwach, auch der Ausblick ist alles andere als gut: Die Quartalsbilanz der Deutschen Bank hat bei Anlegern Ernüchterung ausgelöst. Die Aktie rutschte zeitweise 3,3 Prozent ins Minus und war damit größter Verlierer im Dax. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-aktie-im-minus-bilanz-enttaeuscht-anleger-a-930573.html
Tja, wenn man versucht ehrliche Geschäfte zu machen, bleibt der Supergewinn auf der Strecke. Eine Branche in der Produkte verkauft werden dürfen, die man überhaupt nicht besitzt, wie beispielsweise bei Leerverkäufen, ist mir sehr suspekt, obwohl es natürlich Fachleute gibt, die unbedingt an der Notwendigkeit solcher Geschäfte festhalten.
theobserver01 29.10.2013
3. Schade, Erwartungshaltung verfehlt
Jetzt muss ich wohl doch für mein Geld arbeiten gehen. DtB findet wohl nicht genügend "Märkte", um dort proaktiv für meinen ShareHolderValue zu betrügen. Die Jungs & Mädels von GoldmannSachs waren wohl gemeiner und damit "produktiver", um meinem ShareHolderValue-Diktat zu folgen und meine mir zustehende leistungslose Transferleistung zu gewähren. Shame on you Deutsche Bank...
Poseri 29.10.2013
4.
Zitat von sysopAPDie Zahlen sind schwach, auch der Ausblick ist alles andere als gut: Die Quartalsbilanz der Deutschen Bank hat bei Anlegern Ernüchterung ausgelöst. Die Aktie rutschte zeitweise 3,3 Prozent ins Minus und war damit größter Verlierer im Dax. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-aktie-im-minus-bilanz-enttaeuscht-anleger-a-930573.html
Ich denke immernoch das alle Geldhäuser weltweit zum einen in staatliche Hände und zum anderen unter strenge einheitliche Kontrolle gebracht werden sollten. Gewinne? Sollten Banken gar nicht machen dürfen!
apalanca 29.10.2013
5. Ein guter Ratschlag wäre
das Geld sofort aus den Banken zu ziehen. Bei so einem steilen Fall sollte jeder nochmal Zypern gedenken...
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