Deutsche Bank Aussicht auf Jobkahlschlag lässt Aktie deutlich steigen

Minus 20.000 Arbeitsplätze = plus drei Prozent mehr Börsenwert? So lautet jedenfalls derzeit das Investoren-Kalkül zur Deutschen Bank, nachdem US-Medien über die mögliche Stellenstreichung berichtet haben.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main: 20.000 Arbeitsplätze könnten wegfallen, zur Freude der Aktionäre
Andreas Arnold/dpa

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main: 20.000 Arbeitsplätze könnten wegfallen, zur Freude der Aktionäre


Zumindest an der Börse profitiert die Deutsche Bank Chart zeigen bereits vom anstehenden massiven Arbeitsplatzabbau - und das noch bevor sie diesen offiziell bekanntgegeben hat. Der Aktienkurs von Deutschlands größter Bank liegt am Montagvormittag mit 6,90 Euro um drei Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen stand lediglich mit 1,3 Prozent im Plus.

Am Freitag und am Wochenende hatten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Bank erwägt, bis zu 20.000 Stellen und damit mehr als ein Fünftel der aktuellen Jobs abzubauen. Schon in dieser Woche könnte es zu einer entsprechenden Ankündigung kommen, hieß es in den Berichten.

Die Deutsche Bank befindet sich schon lange in der Krise. Vorstandschef Christian Sewing hatte bereits auf der Hauptversammlung Ende Mai einen großangelegten Konzernumbau angekündigt. "Wir sind zu harten Einschnitten bereit", sagte Sewing, der seit gut einem Jahr an der Spitze der Bank steht.

Ein Teil des Umbaus besteht darin, die Kosten deutlich zu senken und so auf die schwächelnden Erträge zu reagieren. Investoren warten seit langem auf bessere Gewinnaussichten des Konzerns - allein in Sewings Amtszeit hat die Bank bis zum vergangenen Freitag mehr als 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Und das, obwohl der Aktienkurs seit Anfang Juni bereits von 5,80 Euro auf 6,72 Euro gestiegen war. Vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 notierte das Papier noch bei mehr als 90 Euro.

fdi/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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Rilive 01.07.2019
1. Passend zum Titel
"Vorstandsvergütung: Sieben Millionen Euro Gehalt für Deutsche-Bank-Chef Sewing". Das dafür dass er Zehntausende auf die Strasse stellt. Wahrlich und wie immer eine Meisterleistung!! Und die Perversion wird weiter kultiviert... Nicht vergessen: Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht.
stolte-privat 01.07.2019
2. Unfassbar...
20.000 Existenzen werden bedroht oder gar vernichtet und die Börsenkurse steigen ebenso wie die Managergehälter. Der Aktienhandel an sich ist eine der Zivilisationskrankheiten überhaupt. Und kein Politiker traut sich dort regulierend einzugreifen. Lobby sei Dank........
matthias.ma 01.07.2019
3. Kampf gegen die Pleite
Der Börsenkurs steigt, weil die Deutsche Bank grundsätzlich auf die Pleite zusteuert, wenn sie die Kosten nicht senkt. Die Firma ist an der Börse nur noch knapp ein Viertel ihres Eigenkapitals wert, d.h. die Investoren gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren so viel Verluste realisiert werden (die nicht Werthaltungen Kredite an Pleitegeier und verlorenen Wetten sind schon da, nur in den Büchern nicht sichtbar gemacht und die Einnahmen sinken wegen der Niedrigzinsen), dass die Deutsche Bank auf die Pleite zusteuert oder zumindest dreiviertel des Wertes verlieren wird. In guten Zeiten wurde fleißig eingestellt und üppige Gehälter und Boni bezahlt. Jetzt wird es hart und wie meist trifft es zuerst die kleinen und nicht die Netzwerker mit den dicken Boni. Die sind aber auch bald dran, schließlich hat die Bankenlobby ein Gesetz bestellt und am 21.02.2019 auch bekommen, dass die Entlassung von Mitarbeitern mit Einkommen größer 241.000 ? ohne gesonderten Auflösungsgrund und mit niedrigerer Abfindung erlaubt. Die Bundesregierung weiß, dass dies die einzige Chance sein wird, die Großbanken vor der Pleite zu retten.
Gedanke 01.07.2019
4. nö
Zitat von stolte-privat20.000 Existenzen werden bedroht oder gar vernichtet und die Börsenkurse steigen ebenso wie die Managergehälter. Der Aktienhandel an sich ist eine der Zivilisationskrankheiten überhaupt. Und kein Politiker traut sich dort regulierend einzugreifen. Lobby sei Dank........
so unfassbar ist das nicht. Genau genommen bedeutet die Nachricht im Idealfall ja, dass bei gleich bleibendem Umsatz durch sinkende Kosten der Gewinn des Unternehmens steigt. Der grundsätzliche Plan dahinter ist ja die gleiche Arbeit mit weniger Personal zu bewerkstelligen, nennt man Effizienz, normalerweise bilden sich die Deutschen doch darauf was ein ;) Für die 20.000 Betroffenen tut mir das wirklich leid, Sie müssen sich aber die Gesamtlage der Bank anschauen, der Gewinn den die Deutsche Bank in einem Jahr erwirtschaftet (nicht mal dies war sicher in den letzten Jahren) wird von der Konkurrenz aus China oder den USA in wenigen Tagen (!) erwirtschaftet. Da kann man die Gegenmaßnahmen der Deutschen Bank natürlich kaputt reden, dass wird dann aber, sofern sich die Ausgangslage der Bank nicht wesentlich ändert, mittelfristig dazu führen, dass [hier aktuelle Mitarbeiterzahl der Deutschen Bank einfügen] Personen arbeitslos werden einfach weil das Unternehmen zu Grunde geht. Und dann? Haben Sie dann mehr gekonnt? Eine Großbank unter deutscher Flagge weniger und X Arbeitslose mehr.
rockboy 01.07.2019
5. Diese Börsenwelt...
ist sowas von krank! Das ist wieder das beste Beispiel dafür, dass der Arbeitnehmer niemanden wirklich interessiert. Es zählt nur Geld, Geld Geld und nochmehr Geld. Es ist fürchterlich.
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