Nach Stresstest Deutsche-Bank-Aktie stürzt auf tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren

Dramatische Zeiten für die Deutsche Bank: Das einst so stolze Geldhaus wird von Investoren gemieden wie Giftmüll. Der Aktienkurs notiert mittlerweile so tief wie zuletzt Anfang der Achtzigerjahre.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Die Aktie der Deutschen Bank ist an der Börse auf einen neuen Tiefstand gerutscht. Am Dienstagnachmittag kostete das Wertpapier gerade mal noch 11,20 Euro. So niedrig war der Kurs zuletzt vor mehr als 30 Jahren. Zum Handelsschluss lag die Aktie 4,8 Prozent im Minus bei 11,24 Euro.

Der Absturz der Aktie spiegelt auch den Absturz der Bank wider. Das größte Geldhaus des Landes schrieb im vergangenen Geschäftsjahr 2015 einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro. Auch im ersten Halbjahr 2016 reichte es nur formell für einen kleinen Gewinn, weil bestimmte Zinszahlungen nicht mitgerechnet wurden. Das Ergebnis je Aktie fiel allerdings auch hier wieder negativ aus.

Den Investoren bereitet zudem die vergleichsweise schwache Kapitalausstattung der Bank Sorge. Auch beim Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörde EBA konnte der Konzern nicht gerade glänzen. Als am vergangenen Freitag die Ergebnisse veröffentlicht wurden, gehörte die Deutsche Bank zu den zehn schlechtesten der insgesamt 51 untersuchten Finanzinstitute.

Im Krisenszenario, das der Stresstest simulierte, brach die harte Kernkapitalquote der Bank auf 7,8 Prozent ein. Diese Kennzahl misst, wie groß der Eigenkapitalpuffer einer Bank im Verhältnis zu den von ihr in der Bilanz gehaltenen Risiken ist.

Als der Aktienkurs zum letzten Mal so niedrig stand wie heute, war die Deutsche Bank noch ein völlig anderer und vor allem viel kleinerer Konzern, der sich vor allem auf das klassische Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa konzentrierte. Erst durch die Übernahme der angelsächsischen Investmentbanken Morgan Grenfell und Bankers Trust in den Jahren 1989 und 1998 wuchs das Geldhaus zu einer der größten Banken der Welt heran.

Damals war auch die Begeisterung der Investoren riesig. Im Mai 2007, zu Beginn der weltweiten Finanzkrise, stieg der Aktienkurs erstmals über 100 Euro. Seitdem ging es um fast 90 Prozent nach unten - wobei sich die Geschwindigkeit des Absturzes seit dem vergangenen Jahr noch einmal deutlich verschärft hat (siehe Grafik).

Der Bedeutungsverlust der Bank lässt sich auch daran ablesen, dass sie künftig nicht mehr im europäischen Auswahlindex Stoxx Europe 50 dabei sein darf. Der Börsenbetreiber hat die Bank aus dem weltweit beachteten Index gestrichen, weil ihr Börsenwert mittlerweile schlicht zu klein geworden ist.

Auch die zweitgrößte Bank des Landes, die Commerzbank  , steckt wieder tief in der Krise. Sie hatte beim Stresstest noch etwas schlechter abgeschnitten als die Deutsche Bank und musste am Dienstag ihr Ziel aufgeben, in diesem Jahr einen Milliardengewinn zu erreichen.

Auch die Commerzbank-Aktie fiel am Dienstag auf ein Rekordtief von 5,22 Euro. Zum Handelsschluss lag der Kurs 9,2 Prozent im Minus bei 5,24 Euro.

stk
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