Verschmelzung mit Postbank Aktienkurs der Deutschen Bank bricht ein

Die Umbaupläne der Deutschen Bank kommen an der Börse nicht gut an: Der Kurs stürzte um mehr als sechs Prozent ab. Auch für die Mitarbeiter gibt es schlechte Nachrichten: Der Vorstand verkündet einen verschärften Jobabbau in Deutschland.
Deutsche Bank in Frankfurt

Deutsche Bank in Frankfurt

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

John Cryan hat angekündigt, die Deutsche Bank   erneut umbauen zu wollen. Die wohl bemerkenswerteste Kehrtwende betrifft die Postbank  : Sie soll nun doch nicht verkauft, sondern mit dem Privatkunden-Geschäft der Deutschen Bank verschmolzen werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein von Cryans Strategie: Die Bank plant eine Kapitalerhöhung. Die meisten Anleger reagieren darauf aber wenig begeistert. Der Aktienkurs von Deutschlands größtem Geldhaus stürzte am Montagvormittag um bis zu 6,9 Prozent ab auf ein Drei-Wochen-Tief von 17,82 Euro.

Die Deutsche Bank war damit mit Abstand größter Dax-Verlierer. Nicht einmal drei Jahre nach der letzten großen Kapitalerhöhung will sich die Bank am Markt rund acht Milliarden Euro besorgen, wie sie am Sonntag angekündigt hatte. Weitere zwei Milliarden könnte ein Börsengang der Vermögensverwaltung bringen, den das Institut nun ebenfalls offiziell bestätigte.

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Die Skandale der Deutschen Bank: Peanuts und Pannen

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Nach Konzernangaben werden die 687,5 Millionen neuen Aktien in der zweiten Märzhälfte voraussichtlich zu je 11,65 Euro platziert - ein Abschlag von 40 Prozent. "Der hohe Abschlag zum aktuellen Kurs spricht Bände", sagte Aktienhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha. Das sei bereits "die vierte Verwässerung in wenigen Jahren. Anleger müssen jetzt erst mal überlegen, ob sie da mitziehen."

Auch für viele Mitarbeiter gibt es schlechte Nachrichten: Ihre Jobs sind in Gefahr. Cryan hat in einem Interview angekündigt, dass vor allem in Deutschland Arbeitsplätze wegfallen werden. Genaue Zahlen nannte er im Gespräch mit Bloomberg TV zwar nicht. Zunächst begännen die Verhandlungen mit allen Beteiligten. "Wir machen es auf die deutsche Art", erklärte er. "Wir wollen zu einer Übereinkunft kommen."

Eine ausführliche Analyse der Cryan-Pläne finden Sie hier: Die Deutsche Bank wird wieder deutscher - notgedrungen

Cryan will durch eine Bündelung von Verwaltung und Technik Geld sparen. Auch das Investmentbanking wird neu aufgestellt. Zudem soll ein Minderheitsanteil an der Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset Management an die Börse gebracht werden.

Die Deutsche Bank steckt bereits mitten in einem Umbau, bei dem bis 2018 weltweit unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus wegfallen werden, davon 4000 in Deutschland. Das Filialnetz schrumpft. "Wir haben noch etwas zu tun bei der Restrukturierung in Deutschland", sagte Cryan. Es gebe aber "gute Perspektiven" im hiesigen Markt. Zuletzt hatte die Bank weltweit 99.700 Mitarbeiter, davon 44.600 in Deutschland. Die Postbank allein kam auf 18.100 Beschäftigte.

beb/dpa