1,9 Milliarden Euro Aktionäre kritisieren hohe Boni bei der Deutschen Bank

Wegen »variabler Vergütungen« von 1,9 Milliarden Euro beklagen Aktionäre der Deutschen Bank »ein eklatantes Missverhältnis« zu den Dividenden. Andere Kritiker blieben rund um die virtuelle Hauptversammlung still.
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bei der Hauptversammlung

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bei der Hauptversammlung

Foto: Sepp Spiegl / imago images/sepp spiegl

Der kräftige Anstieg der Vergütung bei der Deutschen Bank verärgert Aktionäre. Auf der Online-Hauptversammlung machten sie ihrem Ärger Luft. »Die variablen Vergütungen sind 2020 um 29 Prozent gestiegen. Das ist zu viel in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat«, kritisierte Andreas Thomae von Deka Investment. Nach dem ersten Nettogewinn seit 2014 hatte Deutschlands größtes Geldhaus die Summe der variablen Vergütung im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro erhöht.

Die Vergütung des Deutsche-Bank-Vorstands stieg unterdessen von 36 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 50 Millionen Euro – und das, obwohl das Führungsteam auf einen Teil der Bezüge verzichtete, um angesichts der Belastungen infolge der Coronapandemie ein Zeichen zu setzen.

Es gebe bei der Deutschen Bank seit Jahren »ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden«, bemängelte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. »Auch der Vorstand der Deutschen Bank wird im Vergleich zu anderen europäischen Banken überdurchschnittlich entlohnt, während die Profitabilität unterdurchschnittlich ist.« Der Aufsichtsrat müsse »endlich dafür sorgen, dass die Höhe der Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zur Wertschaffung für die Aktionäre steht«, forderte Annecke.

Erstmals seit Jahren keine Proteste von Aktivisten

Trotz der scharfen Kritik seitens der Aktionäre blieben zum ersten Mal seit Jahren Proteste aus. Beim Ordnungsamt Frankfurt sei keine Demonstration angemeldet worden, sagte ein Sprecher der Behörde. In den vergangenen Jahren hatten Globalisierungskritiker und Klimaaktivisten stets zu Protesten bei dem Aktionärstreffen der Bank aufgerufen.

Selbst 2020, als wegen der Coronapandemie Menschenansammlungen verboten waren und die Hauptversammlung virtuell stattfand, hatten sich Demonstranten von Attac vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank versammelt. Auch in diesem Jahr findet das Aktionärstreffen nur virtuell statt und nicht wie sonst üblich in der Frankfurter Festhalle.

sol/dpa/Reuters
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