Radikaler Umbau Deutsche Bank streicht 18.000 Arbeitsplätze

Seit Tagen wird über einen massiven Stellenabbau bei der Deutschen Bank spekuliert. Nun gab der Konzern bekannt, das Investmentbanking auf ein Minimum zu schrumpfen. Tausende Stellen fallen weg, 7,4 Milliarden Euro kostet der Umbau.

Michael Probst/ AP

Die Deutsche Bank plant einen radikalen Konzernumbau. Das Institut kündigte nach einer Aufsichtsratssitzung den Rückzug aus dem weltweiten Aktiengeschäft und eine Verkleinerung des Handels an. Der Konzernumbau werde bis Ende 2022 voraussichtlich 7,4 Milliarden Euro kosten, teilte der Dax-Konzern mit.

Zuvor war bereits über Stellenstreichungen spekuliert worden. Nun gab das Geldhaus bekannt, dass es im Zuge der Umstrukturierung bis 2022 den Abbau von rund 18.000 Stellen plane. Die Bank werde damit nach dem Umbau noch rund 74.000 Vollzeitstellen haben.

Wegen der Kosten für den Umbau schreibt die Bank im zweiten Quartal einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Bis Ende 2022 rechnet der Vorstand mit Belastungen von insgesamt 7,4 Milliarden Euro durch den Umbau.

Rote Zahlen in den vergangenen zwei Quartalen

Konzernchef Christian Sewing hatte bei der Hauptversammlung im Mai "harte Einschnitte" bei Deutschlands größtem Geldhaus angekündigt. Der ehemalige Privatkundenchef, der die Bank seit April 2018 führt, hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass bei den Kürzungen das Kapitalmarktgeschäft im Zentrum stehen würde. Zum Investmentbanking zählen traditionell der Handel mit Wertpapieren und Devisen aller Art sowie die Betreuung von Firmenübernahmen, Fusionen und Börsengängen.

In den Jahren vor der Finanzkrise ab 2007 war das Investmentbanking zeitweise eine Goldgrube für die Deutsche Bank. Die Sparte steuerte den größten Anteil zum Konzerngewinn bei. Doch die Krise offenbarte die Schattenseiten vieler Geschäfte: Über Jahre musste sich der Dax-Konzern danach mit Klagen herumschlagen und zahlte etliche Milliarden an Geldstrafen. In den vergangenen beiden Quartalen schrieb die Investmentbank rote Zahlen.

yes/asc/dpa/Reuters



insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Dr.Gnaa 07.07.2019
1. Da sind sie, die 25% Rendite
Wie von Ackermann vorrausgesagt.
Pensionskassen 07.07.2019
2. Hochmut kommt vor dem Fall
Leider müssen die normalen Mitarbeiter und der Steuerzahler die Rechnung bezahlen. Die Schuldigen haben vorher Millionen kassiert ohne für ihre Fehler zur Verantwortung gezogen zu werden.
didel-m 07.07.2019
3. Kein Wunder bei der geringen Eigenkapitaldecke
Die DeuBa könnte alles mit umreißen.
sorosch 07.07.2019
4. Steuergeld den Dilettanten hinterher geworfen
Und diese Dilettanten wurden vor ein paar Jahren Milliarden in den Rachen geworfen. Der normale Bankmitarbeiter hatte davon somit nichts - aber die Boni fließen ungebrochen. Auch wenn jetzt Investmentbanker gehen müssen - die DB hat bestimmt keine 18000 Investmentbanker denen alle Millionen in den Rachen geworfen wurde. Diese systemrelevante Bank hätte damals Konkurs gehen müssen. Deren ihre Manager haben im Guten von der Marktwirtschaft extremst profitiert. Wenn es schlecht geht, müssen die auch haften - und nicht der Steuerzahler – das ist nun mal Marktwirtschaft und nicht Sozialismus.
Kritik 07.07.2019
5.
Das ist schon eine beeindruckende Geschichte. In den 90er Jahren wurden die Privatkunden zur Deutschen Bank 24 ausgelagert (um nicht zu sagen entsorgt), weil die Normalbürger den hochfliegenden Renditeträumen aus dem Investmentbanking im Weg waren. Sie waren einfach lästig. Jahre später, nach endlosen Skandalen und Betrügereien, für die die Deutsche Bank Milliarden an Strafen zahlen müsste, wird also jetzt das Investmentbanking geschleift und irgendwann abgewickelt. Für mich war die Deutsche Bank nie eine Option, und sie wird es auch garantiert nicht mehr werden. Möge sie mit Würde untergehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.