Sanierung der Deutschen Bank Mehr als 7000 Stellen weg, 800 Millionen Euro Umbaukosten

Die Deutsche Bank streicht ihr Aktiengeschäft zusammen, dafür müssen Tausende Mitarbeiter gehen. Das Geldinstitut rechnet mit Kosten von bis zu 800 Millionen Euro.
Zentrale der Deutschen Bank

Zentrale der Deutschen Bank

Foto: Arne Dedert/ dpa

Die Deutsche Bank streicht ihr Aktienmarktgeschäft massiv zusammen und will die Zahl ihrer Vollzeitstellen in den nächsten Monaten auf "deutlich unter 90.000" senken. Allein im Handel mit Aktien soll ein Viertel aller Jobs weltweit dem Rotstift zum Opfer fallen, teilte das Geldhaus in Frankfurt mit.

Nach drei Verlustjahren in Folge intensiviert das Institut unter seinem neuen Vorstandschef Christian Sewing damit den Sanierungskurs. Der Stellenabbau sei bereits im Gang. Der inzwischen abgelöste Vorstandschef John Cryan hatte 2015 schon die Streichung von etwa 9000 Jobs eingeleitet.

Derzeit bietet das Institut global rund 97.000 Vollzeitstellen an. Durch die Streichungen, die bis zu 800 Millionen Euro kosten dürften, werde das Jahresergebnis 2018 "beeinträchtigt", hieß es. Am Mittwoch hatte das "Wall Street Journal" berichtet, die Bank wolle rund 10.000 Stellen streichen.

Der Stellenabbau kommt nicht überraschend. Schon länger war klar, dass die Bank weiter sparen muss. Zudem dürften durch die anstehende Integration der Postbank in das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank weitere Tausende Stellen überflüssig werden.

Ausgaben sollen konzernweit gesenkt werden

"Wir stehen zu unserer Unternehmens- und Investmentbank und bleiben international - daran werden wir nicht rütteln", sagte Sewing. "Aber wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können." Die Deutsche Bank wolle nicht nur in der Unternehmens- und Investmentbank Einsparungen vornehmen, sondern auch konzernweit die Ausgaben schneller und entschiedener senken.

Sewing, der seit Anfang April an der Spitze der Bank steht, hatte nach einem mageren ersten Quartal das Tempo beim Konzernumbau erhöht. "Wir werden den Kurs unserer Bank jetzt ändern. Es gibt keine Zeit zu verlieren", hatte er bei der Präsentation der Zwischenbilanz gesagt. Der Kern der Bank müsse "neu definiert" werden.

Wie bereits angekündigt, sollen die bereinigten Kosten im laufenden Jahr 23 Milliarden Euro nicht überschreiten. Für 2019 plant der Vorstand einen weiteren Rückgang auf 22 Milliarden Euro. "Dabei sind derzeit keine größeren Verkäufe von Geschäftsteilen geplant."

Schwächelndes Investmentbanking

Im ersten Quartal verdiente Deutschlands größtes Geldhaus unter dem Strich 120 Millionen Euro, nach 575 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Erträge sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf knapp 7,0 Milliarden Euro.

Vor allem der einstige Gewinnbringer - das Investmentbanking - schwächelt. Die Deutsche Bank verlor Marktanteile insbesondere an die US-Konkurrenz. Zudem sind die Kosten im Branchenvergleich sehr hoch.

Sewing, der fast sein ganzes Berufsleben bei der Deutschen Bank verbracht hat, war in einer Krisensitzung des Aufsichtsrates am 8. April mit sofortiger Wirkung zum Nachfolger des seit Sommer 2015 amtierenden Cryan ernannt worden. Die Bank schrieb zuletzt drei Jahre in Folge rote Zahlen - allerdings auch deshalb, weil Cryan teure juristische Altlasten bereinigte. Kritiker hielten dem Briten aber vor, beim Konzernumbau zuletzt zu zögerlich agiert zu haben.

brt/Reuters/dpa/AFP

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